Auszeichnung der Stadt Aalen

Schubart-Literaturpreis für "Innerstädtischer Tod"

27. Februar 2025
Redaktion Börsenblatt

Der Schriftsteller Christoph Peters erhält den mit 20.000 Euro dotierten Schubart-Literaturpreis 2025 der Stadt Aalen. Ausgezeichnet wird er für seinen Roman "Innerstädtischer Tod", der gerade in erster Instanz eine Unterlassungsklage abgewehrt hat.

Christoph Peters

Nichts weniger als den Roman zur Stunde habe der Schriftsteller Christoph Peters geschrieben, heißt es in der Mitteilung der Stadt Aalen: "Innerstädtischer Tod" (Luchterhand) sei der dritte Teil einer Trilogie, die unserer Gegenwart in all ihrer Widersprüchlichkeit einen literarischen Spiegel vorhält. Ausgehend von einem jungen Installationskünstler, einem erfolgreichen Galeristen und einem Vertreter der Neuen Rechten entfalte Peters ein spannungsreiches Ensemble, das in seiner Vielstimmigkeit wie eine meisterhafte synkopische Symphonie der Großstadt Berlin und der erhitzten Diskurse der Zeit klingt. "Jede der Figuren ist auf Sinnsuche, jede vertritt ihre individuelle Wahrheit. Die kulturellen, politischen und emotionalen Reibungen, die das Aufeinandertreffen dieser Antagonisten innerhalb eines kurzen Zeitraums verursacht, verwandelt Christoph Peters in welthaltige Literatur, die kunstvoll, kenntnisreich und fokussiert die Knackpunkte und das Knirschen unserer Zeit einfängt. Eine hinreißende Neuvermessung der Gegenwart, die trotz des großen Phantasiereichtums einen durchaus dokumentarischen Charakter hat – getragen von einem kritischen und provokanten Blick, ganz im Geiste des Namensgebers des Preises."

Förderpreis an Grit Krüger

Der Förderpreis der Kreissparkasse Ostalb geht an Grit Krüger für ihr Romandebüt "Tunnel" (Kanon). Er ist mit 7.500 Euro dotiert. Preiswürdige Bücher beziehen ihre Qualität daraus, so die Stadt Aalen, dass sie sich den Zuordnungen, die man zu ihrer Beschreibung braucht, immer auch entziehen. "Tunnel" sei eine Prekariatsgeschichte, die alle damit verknüpften Erwartungshaltungen auf so eigenwillige wie fantastische Weise unterläuft, beziehungsweise untertunnelt. "Ihre Figuren treten heraus aus dem anonymen Licht von Armutsstatistiken: Mascha Heerdmann, eine alleinerziehende Mutter, und ihr Kind, dazu der Tröster, ein am Rand der Obdachlosigkeit entlangschrammender ehemaliger Seemann, schließlich noch der lichtscheue Rentner Tomsonov irgendwo aus dem Osten, der sich im Tagebau kaputtgeschuftet hat und nun in einem Pflegeheim gestrandet ist."

Was Krüger mit ihnen aufführe, sprenge alle Zwangsläufigkeiten, die ihnen vorgezeichnet sein könnten: Weder würden sie Sozialmiseren nachspielen, noch führen sie munter vor, wie man sich dagegen behaupten könnte. "Sie graben einen Tunnel und suchen ihren eigenen Weg, durch Tagträume und präzise verfremdete Miniaturen des sozialen Lebens, in denen das Netz aus Metaphern, Vorstellungen und Zeichen die auffängt, die aus allen Bezügen gefallen sind."

Die Jury des Schubart-Literaturpreises ist hochkarätig besetzt mit: Literaturredakteurin Tilla Fuchs (SR2 Kulturradio Saarbrücken), Stefan Kister (Kulturredakteur der Stuttgarter Zeitung), Anne-Dore Krohn (Literaturkritikerin, Berlin), Denis Scheck (Literaturkritiker und Übersetzer, Köln), Michael Weiler (Oberstudiendirektor a.D., Aalen) und Miriam Zeh (Literaturredakteurin bei Deutschlandfunk Kultur, Berlin).

Zum Preis:

Die Stadt Aalen verleiht den Schubart-Literaturpreis bereits seit 1956 im zweijährigen Turnus. Dieses Jahr wird die Auszeichnung zum 32. Mal verliehen. Der Preis wird vergeben für herausragende literarische Leistungen im Geist des freiheitlichen und aufklärerischen Denkens von Christian Friedrich Daniel Schubart. (1739–1791). Der Literat, Journalist und Komponist erlebte seine Jugendjahre in der Reichsstadt Aalen. Schubart war für seine politische Kritik und leidenschaftliche Schreibweise bekannt. Als früher Vertreter einer engagierten Publizistik setzte er sich für Meinungsfreiheit und gegen absolutistische Herrschaft ein. Schubart sei Vorreiter für eine politisch engagierte Literatur, die sich für Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie einsetzt, heißt es in der Mitteilung.

Preisträgerinnen und Preisträger des Schubart-Literaturpreises waren unter anderem: Julia Schoch (2023); Monika Helfer (2021); Daniel Kehlmann (2019); Saša Stanišić (2015); Katja Petrowskaja (2015); Jenny Erpenbeck (2013); Peter Schneider (2009); Friedrich Christian Delius (2007), Uwe Timm (2003), Robert Gernhardt (2001), Alice Schwarzer (1997), Ralph Giordano (1995) und Peter Härtling (1974).