Der dem literarischen Übersetzen gewidmete Deutsche Übersetzerfonds (DÜF) wurde erst 1997 gegründet und habe in den 27 Jahren seines Bestehens Erstaunliches erreicht, formuliert der Übersetzerfonds in einer Erklärung (16. August; PDF-Download der Erklärung) zum Thema. "Wir leben heute in einer Blütezeit des literarischen Übersetzens: Es wird konstant viel übersetzt (rund 14 Prozent der jährlichen Neuerscheinungen sind Übersetzungen, in der Belletristik ein gutes Viertel, bei den Comics über 80 Prozent), und das Wissen der Übersetzer:innen ist so groß wie nie." Die vielfältigen Aktivitäten des DÜF hätten zu dieser Blüte entscheidend beigetragen: Stipendien, Fortbildungsprogrammen, das internationale Toledo-Programm, Wissensplattform Babelwerk und Projektfonds. Damit verschaffe man denen, "die dieser komplexen Arbeit nachgehen, praktischen und intellektuellen Spielraum, Gelegenheiten zum Austausch, zur Reflektion und öffentlichen Vermittlung ihres Tuns." All dies sei ein Grund zum Stolz – auch für die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), die den DÜF seit 1999 maßgeblich finanzieren.
Die drohende Kürzung in der Förderung des Deutschen Übersetzerfonds (von 2,45 Millionen Euro / Haushaltsansatz 2024, bewilligt wurden letztendlich 2,15 Millionen – auf 1,5 Millionen im Haushaltsentwurf 2025) bedeute einen Bruch in dieser Geschichte – bei gleichzeitig steigendem BKM-Etat. Zu den Verlierern würden alle sechs Bundeskulturfonds (Deutscher Literaturfonds, Deutscher Übersetzerfonds, Fonds Darstellende Künste, Fonds Soziokultur, Musikfonds, Stiftung Kunstfonds) gehören, deren – von einer breiten politischen Mehrheit gewollte – Stärkung im Jahr davor noch als "eines der wichtigsten Vorhaben des Koalitionsvertrages" galt. Die Kürzungen träfen die freie Kulturszene, die vielen Kreativen in den darstellenden Künsten, der Soziokultur, in Musik, bildender Kunst – und in besonderem Maße die Kreativen der Literatur.
"Der zu erwartende Schaden im Bereich der Übersetzungskunst ist eklatant", betont der DÜF:
- "Gerade die neueren Teile unseres Programms, die sich dem internationalen Austausch der Literaturen und ihrer Übersetzung widmen, stünden damit auf der Kippe."
- "Falls diese Kürzungen Realität würden, müssten wir ferner die durch die Erhöhung 2024 ermöglichte Ausweitung des Stipendienetats – ein zentrales Desiderat der Szene – rückgängig machen und die Projektförderungen stark einschränken."
Hinzu komme der Wegfall privater Förderer wie der Robert Bosch Stiftung. Zugleich sei die Buchbranche insgesamt derzeit so fragil wie nie – und das gilt nicht nur für die kleineren, unabhängigen Verlage.
Literatur sei ein unentbehrlicher Teil des öffentlichen Gesprächs, sie sei Teil der Selbstverständigung einer offenen Gesellschaft, in der die verschiedenen Perspektiven ihrer Mitglieder zu Wort kommen. "Wir brauchen die Literatur, und wir brauchen heute mehr denn je gerade die übersetzte Literatur, die uns neben der eigenen Sicht auf uns und die Welt auch teilhaben lässt an den Sprach- und Weltsichten der anderen, die unser Leben teilen – sei es als Nachbarinnen in Deutschland oder als Weltmitbürger im globalen Kontext." Der DÜF schaffe als bis heute einzige relevante, bundesweit tätige Fördereinrichtung materielle wie geistige Voraussetzungen dafür, "dass hochqualifizierte Übersetzer:innen unter zunehmend schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen bei ihrem Beruf bleiben können, und dass talentierter Nachwuchs sich nicht aus Furcht vor dem Hungertuch davon abwendet".
Die bisherige Förderung des DÜF durch die BKM habe gezeigt, wie viel eine kluge Kulturpolitik bewirken kann. "Es wäre fatal, die Früchte dieser Politik jetzt vertrocknen zu lassen", unterstreicht der DÜF.
- Eine Erklärung der sechs Bundeskulturfonds vom 18. Juli findet sich als Download: hier