Nominierungen zum Deutscher Jugendliteraturpreis 2025

"Ein Seismograph für die Beben in unserer Welt"

31. März 2025
Redaktion Börsenblatt

Aus 630 Einreichungen haben drei Jurys 32 herausragende Titel für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert – eine stilistisch wie inhaltlich große Bandbreite an mitreißenden Geschichten. Hier sehen Sie alle Nominierungen inklusive der Jurybegründungen:

Auf der Leipziger Buchmesse: Die Veranstaltung zu den Nominierungen des Deutschen Jugendliteraturpreises 2025 moderierte Vivian Perkovic

Auf der Leipziger Buchmesse: Die Veranstaltung zu den Nominierungen des Deutschen Jugendliteraturpreises 2025 moderierte Vivian Perkovic

Rund 550 Zuschauer:innen fieberten am 27. März bei der Bekanntgabe der Nominierungen des Deutschen Jugendliteraturpreises mit: Die Atmosphäre im Saal war von einer spürbaren Neugier geprägt, während alle gespannt darauf warteten, welche Titel es auf die Liste geschafft hatten. Als das Geheimnis schließlich gelüftet wurde, brach an einigen Stellen besonders kräftiger Applaus aus – ein Zeichen, dass sich von den Titeln Begeisterte oder an den Büchern Beteiligte im Raum befanden. Begeisterung war auch zu spüren, als die Leseclubs der Jugendjury ihre Titel vorstellten und die wichtigsten Inhalte mit großem Selbstbewusstsein auf der Bühne szenisch vorstellten.

Und tatsächlich: "Es gibt ein neues und kraftvolleres Zutrauen in Kinder und Jugendliche und es wird so erzählt, dass der Mut immer wach bleibt und die Lust am Mitgestalten herausgefordert wird", sagte Iris Kruse, die Vorsitzende der Kritikerjury. "Die nominierten Bücher sind eine Art Bekenntnis, dass Jugendliche alles angeht, was das Leben ausmacht, das individuelle – und ebenso und gerade das gesellschaftliche." Die nominierten Titel zeigten, dass Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart nicht nur mitreißende Geschichten, starke Bilder und anspruchsvolle Ästhetik böten: "Sie ist ganz oft auch ein sensibler Seismograph für die Beben, von denen unsere Welt momentan erschüttert wird, im Kleinen wie im Großen“, erklärte Jan Standke, Vorsitzender des Arbeitskreises für Jugendliteratur. "Sie rüttelt uns auf und führt vor Augen, wie unverzichtbar eine stabile Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit sind."

Die Jugendjury, bestehend aus sechs Leseclubs

Die Jugendjury, bestehend aus sechs Leseclubs

Kritikerjury: Sparte Bilderbuch

ab 3
Heinz Janisch, Helga Bansch: »Auf dem Weg«. Jungbrunnen, 18 €

Die Begründung der Jury:

Die sparsam-pointierte, seitenüberspannende Dichtung von Heinz Janisch nimmt uns mit auf die abenteuerliche Reise einer Maus. Helga Banschs großflächige, farblich fein abgestimmte Illustrationen mit ihren wunderbaren bunten Zeichnungen in allen Farben und den in diese hineingesetzten figürlichen Collagen entfalten dazu eine faszinierende, zauberhaft verfremdete Welt. Schon auf der Titelei ist die Maus über die Zeichnung einer Wegbeschreibung gebeugt. Unterwegs begegnet sie neben Tieren, Insekten, Pilzen und Pflanzen auch einem Kind, das ihr nach einem Fahrradunfall die Pfote verbindet. Nach dem Monsterberg auf der Seite davor wird es als Zauberzwerg tituliert. Auch weitere Wortschöpfungen wie Nebelriese nach Urwaldwiese, Blumensturm nach Katzenturm reimen sich über die Seiten hinweg und machen damit ein Angebot, selbst reimend und fabulierend den Fortgang zu antizipieren. Überraschend kommt die Maus am Ende mittels Luftballons bei einem Huhn an, das sie offenbar erwartet hat. Gegenstände, die die Maus unterwegs aufgesammelt hat, fordern im Schlussbild zum Zurückblättern und Suchen im Buch auf. Das ist einfache Poesie vom Besten für die Kleinen.

Die Begründung der Jury:

Es regnet. Bruder und Schwester wollten eine Fahrradtour machen, aber nun schüttet es unerbittlich. Langeweile und Ratlosigkeit herrschen im Kinderzimmer, bis aus den Tiefen der Vorstellungskraft eine erste Spielidee aufsteigt, der viele weitere folgen. Im Reigen phantasievoller Eingebungen bezwingen die Kinder Berge, werden zu Zwergen, die auf Käfern fliegen, und zu Riesen, die Hausdächer überschreiten. Sie steigen in tiefe Brunnen, durchwandern weite Felder und tiefe Wälder. Sie verstecken sich voreinander, jagen einander, kitzeln sich durch. Fließend gehen die aktivierenden Imaginationen ineinander über, scheinen auszulaufen, um sich zu verjüngen und neu anzusetzen. Ins Spiel versunken verfliegt die Zeit. Ganz ohne Worte kommt Jens Rassmus ins Schwärmen über die Vielfalt kindlichen Spiels. Schwarz-weiße Umrisslinien zeigen die Handlungsrealität im Kinderzimmer, während kräftige Acrylfarben die weite Welt der Phantasie auffächern. Visuelle Verknüpfungen – wiedererkennbar sind Gesten und Haltungen der Kinder oder einzelne Gegenstände – lassen die Betrachtenden teilhaben an den imaginären Verwandlungen. Bildstark und barrierefrei lädt dieses Buch alle ein, das Gedankenspiel mit- und nachzuvollziehen. Und wenn am Ende wieder die Sonne scheint, ist längst klar, dass Phantasie nicht nur einen Regentag aufhellt.

ab 4
Jens Rassmus: »Regentag«. Peter Hammer Verlag, 20 €

ab 5
Maja Knochenhauer, Jonas Tjäder: »Buchstabenhausen«. Ü: Stefan Pluschkat,
Oetinger, 17 €

 

Die Begründung der Jury:

Hier wird das ABC zum Entdeckungsvergnügen. Jedem Buchstaben ist ein Ort zugeordnet, der in lebendiger Dreidimensionalität zum Erkunden und Finden einlädt. Vom "Atelier" bis zum "Zoo" entsteht von Seite zu Seite ein ereignisreich wimmelndes Stadtbild, das divers und kreativ die Lebenswelt von Lesenden im Grundschulalter aufgreift und zugleich erweitert. Virtuos spielen die Bilder mit ihrer Räumlichkeit. Während die stilisierten, comicartigen Figuren flächig bleiben, gehen die vom Modellbau inspirierten Buchstabenhäuser in die Tiefe. Fotorealistische Elemente werden mit grafischer Gestaltung verbunden. Auf ihrem Rundgang durch diesen beredten Ort entdecken die Lesenden versteckte Geschichten und Rätsel, die zum Hin- und Her-Blättern und zum Entdecken immer neuer Zusammenhänge einladen.
26 Gedichte zu 26 Buchstabenorten regen an zum Lesen, zum gemeinsamen Nachdenken und zum Erkunden der Bilderwelt. Jonas Tjäder und Maja Knochenhauer erzählen Geschichten, die komplex mit den detailreichen Bildern verwoben sind. Das kunstvolle Text-Bild-Geflecht ist aktivierend und in bester Weise herausfordernd für die Lesenden. Die herausragende Übersetzung von Stefan Pluschkat lässt das rhythmisch gereimte Buchstabenhausen auch auf Deutsch zu einem Sprachspielspaß ganz besonderer Art werden.

Die Begründung der Jury:

Am Rande der Wiese begegnet Emma einem großen struppigen Hund. Es regnet und die Stimmung ist grau. „Ich fürchte, das Beste wäre, ich wäre tot“, sagt der Hund, was Emma zutiefst erstaunt und beunruhigt. Getragen von ihrer eigenen Lebensfreude versucht sie den Hund in den nächsten Tagen davon zu überzeugen, dass das Leben lebenswert ist. Ein einziger Grund würde dem Hund angeblich genügen, aber tatsächlich will nichts ihn umstimmen. Emma spürt, dass diese Aufgabe groß ist für ein Kind wie sie. Intuitiv sorgt sie für sich, zieht ihre Familie zu Rate, erlebt sich als Scheiternde und schenkt dabei dem Hund das, was ihm hilft: ihre Freundschaft.

Sabine Rufener gelingt es im Dialog zwischen Hund und Emma, dem schweren Thema Depression mit einer wohltuenden Portion spielerischer Leichtigkeit eine kindgemäße Tiefe zu verleihen. In Emma zeichnet Rufener ein ebenso resilientes wie kompetentes Kind, das in seiner Fürsorge für den Hund Selbstwirksamkeit erlebt, ohne sich zu überfordern.  Zart und ausdrucksstark erzählen die Bilder von verlorenem Lebensmut, beginnender Freundschaft und auch von Lebensfreude. In einem gekonnten Methodenmix stellt Rufener helle Leichtigkeit und dunkle Schwere einander gegenüber. Ein mutiges Buch, das kinderliterarisch viel wagt und die Leser:innen bereichert.

ab 6
Sabine Rufener: »Emma und der traurige Hund«. Kunstanstifter, 24 €

ab 8
Marius Marcinkevicius, Inga Dagilė: »Als die gelben Blätter fielen«. Ü: Saskia Drude, Dressler, 14 €

Die Begründung der Jury: 

Litauen, 1943: Aus Kinderperspektive blicken wir auf jüdischen Alltag. Gemeinsam mit Riwka lässt Alon hinter den Ghetto-Mauern einen Drachen steigen und wünscht sich, er könne mit ihm in die Freiheit fliegen. Schwarze Vögel und Soldaten treten auf, ein Tor wird gebaut. Immer mehr Menschen gehen durch es hinaus und kehren nicht mehr zurück. Als Riwkas Hündchen verletzt wird, bringt dies Verstimmung in die Kinderfreundschaft. Riwkas Deportation verhindert die Versöhnung. Alon und seine Mutter werden wie so viele andere getötet. Von ihm bleibt nichts als ein kleiner Stein.

Am Ende sehen wir Riwka als alte Frau zurückkehren; sie erkennt Alon in dem Stein. Das Vorsatzpapier führt dies fort: Es zeigt Bewohner:innen des Stetls mit Namen und Berufen. Im Nachsatz sind anstelle der Figuren Steine ins Bild gesetzt. Der von Saskia Drude übersetzte Text von Marius Marcinkevičius erzählt typografisch ausdrucksstark von der jüdischen Bevölkerung von Vilnius und deren Auslöschung durch die Nationalsozialisten. Inga Dagilės Bilder in dunklen Farben und sattem Gelb sind symbolisch aufgeladen. Ein Nachwort füllt die Leerstellen mit historischen Fakten. Einfühlsam tritt die Text-Bild-Erzählung der Sprachlosigkeit entgegen und führt behutsam ans Fragenstellen zum Holocaust heran.

Die Begründung der Jury:

Eine alte Frau erinnert sich an ihre Kindheit während des Zweiten Weltkriegs: Mutter und Tochter sind aus der ausgebombten Stadt auf einen Bauernhof in Baden-Württemberg geflohen, der Vater kämpft an der Front und wird schmerzlich vermisst. Das Kind findet als Fremde unter Fremden in der jungen Zwangsarbeiterin Anna eine Freundin, mit der es sich ohne Worte versteht. Beim ausgelassenen Tanzen nach getaner Arbeit dürfen beide kurzzeitig unbeschwert jung sein. Doch Anna stirbt bei einem Bombenangriff. Jahrzehnte später kehrt die jetzt alt gewordene Freundin zurück an den Ort des traurigen Geschehens und setzt ihr ein Erinnerungszeichen.

Christina Laube und Mehrdad Zaeri erzählen bildgewaltig von diesen traumatischen Kriegserinnerungen. Zugleich setzt ihr Bilderbuch ein Denkmal für die junge Zwangsarbeiterin. Über weite Teile wird nur über Bilder erzählt, die mit ihren gedeckten Braun- und Schwarztönen an vergilbte, alte Schwarzweiß-Fotos erinnern. Sie könnten dem Fotoalbum der alten Frau entnommen sein, in das zu Beginn der Narration geblickt wird. Die kurzen, sprachlich genauen Sätze sehen aufgrund der gewählten Schrifttype aus, als seien sie einer alten Schreibmaschine entsprungen. Die Erzählung basiert auf einer wahren Geschichte. Zugleich weist sie über das erinnerte Einzelschicksal hinaus und mit dem Thema des Aufwachsens im Krieg ins Heute hinein.

ab 12
Christina Laube, Mehrdad Zaeri: »Anna – Was die Zeit nicht heilt«. Fischer Sauerländer, 16,90 €

Kritikerjury: Sparte Kinderbuch

ab 5
Leslie Niemöller, Liliane Oser: »Die Gurkentruppe«. Moritz, 12 €

Die Begründung der Jury:

Die Gurkentruppe – der Titel ist Programm! Hier entsteht in einem Haus im Wald eine ganz besondere Wohngemeinschaft, die aus liebevoll ge- und bewusst überzeichneten Tierfiguren besteht. Schwein, Hase, Bär, Biber und Zebra sind jeweils herausragend individuell. Die zusammengewürfelte Gruppe ist herrlich unperfekt und dennoch füreinander hoch funktional. Die Palette der in fröhlich-chaotischer Gemeinschaft getragenen Eigenheiten reicht von ausgeprägter Ängstlichkeit über Ordnungszwang und Hyperaktivität bis hin zu quälender Heimweh-Depression.

Die Erlebnisse dieser diversen WG formt Leslie Niemöller zu einem Gute-Laune-Buch für Vor-, Erst- und Zweitlesende. Der humorvoll-sensible Umgang mit Schwächen und Stärken schafft höchst gelungen den Spagat zwischen verständlicher Sprache und zielgruppengerechter Einfachheit auf der einen sowie poetischem Anspruch und ästhetischer Herausforderung auf der anderen Seite. Mit Wortwitz und pointenreicher Situationskomik lädt Leslie Niemöller junge Leser:innen ebenso wie große Vor- und Mitleser:innen zu Lachstürmen ein, zu denen die augenzwinkernden Illustrationen von Liliane Oser maßgeblich beitragen. Die kleine Erzählung ist eine kunstvolle kinderliterarische Gesellschaftsmetapher für gelungene Inklusion.

Die Begründung der Jury:

"Mit uns kann man eine Weltreise machen. Auch ohne, dass man vor die Tür geht." – Motiviert durch dieses liebevolle Motto der Klassenlehrerin Frau Meister wächst die ausgesprochen heterogene "Igelklasse" zu einer ganz besonderen Gemeinschaft zusammen. Als Adam aus Polen neu in die Klasse kommt, findet er schnell Anschluss. Aus seiner Perspektive werden große und kleine Erlebnisse aus dem Schul- und Familienalltag erzählt. Vom Museumsbesuch bis zur Übernachtungsparty ist alles dabei. Das Buch endet mit dem Hinweis, dass es die Weltklasse und ihre Lehrerin wirklich gibt und dass das Erzählte mithin der Realität abgeschaut ist. Gelungen ist eine kinderliterarisch kunstvolle Formung schulischer Wirklichkeit, die Mut und Hoffnung macht für ein gelingendes Miteinander in bereichernder Vielfalt.

Der rasante Roman ist eine lebensbejahende Hommage an unkompliziert gelebte Diversität. Ein enger Lebensweltbezug, Alltagsnähe und Authentizität sowie ein entdramatisiertes Kindergesellschaftsbild zeichnen es aus. Tanya Lieske trifft den kindlichen Ton sehr genau. Dazu gehört auch, dass es mitunter eher kindliche Gedankensprünge gibt als einen erwachsenen roten Faden. Sybille Heins farbenfrohe Zeichnungen entfalten die rasante Geschichte weiter und unterstreichen mit ihren bewusst überspitzten Charakterisierungen der Kinderfiguren den lebendigen Erzählstil.

ab 9
Sara Lundberg: »Der Vogel in mir fliegt, wohin er will«. Ü: Friederike Buchinger, Moritz, 18 €

 

Die Begründung der Jury:

Gemälde, Briefe und Tagebucheinträge der schwedischen Malerin Berta Hansson sind die Inspirationsgrundlage für die Geschichte einer kraftvollen Selbstfindung: Als Bauerntochter im Nordschweden des beginnenden 20. Jahrhunderts leidet die kleine Berta schon früh unter dem einengenden Druck des Vorbestimmten. Erfüllung und Ablenkung von den belastenden Pflichten auf dem Hof findet sie im Zeichnen. Es bringt sie in tiefen Kontakt mit den Dingen und der Natur. Sie träumt davon, Künstlerin zu werden und so meisterhaft zu malen wie Michelangelo. Verständnis für ihr Tun und Sehnen hat einzig die schwerkranke Mutter. Nach deren Tod gerät der künstlerische Schaffensdrang des Kindes in eine Krise, um sich dann umso kraftvoller Bahn zu brechen.

Sara Lundberg erschafft eine Bild- und Wortlandschaft, die von schöpferischer Kraft erzählt und diese zugleich zum Ausdruck bringt. Bunte, zum Teil collagierte Aquarelle nehmen den Stil Hanssons auf, zitieren aus dem Werk der 1994 verstorbenen Künstlerin und weisen im dichten Zusammenspiel mit dem Text weit über eine Künstlerinnenbiografie hinaus. Leser:innen werden beschenkt mit der Erfahrung, dass es sich lohnt, für die eigenen Lebenswünsche einzustehen. Friederike Buchinger hat die knappen Sätze mit viel Gespür für deren Pointierung aus dem Schwedischen übersetzt.

Die Begründung der Jury:

Drei Kinder erleben Schwerstes: Nachdem die Eltern bei einem Verkehrsunfall umkommen, ziehen sie zur Großmutter, bis auch sie stirbt. Erzähler ist der elfjährige Paul. Er berichtet von Schock und Trauer. Aber auch von neuem Mut und dem wild-verzweifelten Entschluss, keinesfalls ins Heim zu gehen. Pauls Geschichte ist tieftraurig und zugleich befreiend komisch. Denn die Pläne, die er und seine beiden Schwestern verfolgen, um familiäre Eigenständigkeit zu bewahren, sind ebenso genial wie irrwitzig.

Birgit Schössows Buch über den Tod ist alles andere als ein Problembuch. Mit schrägem Humor, Slapstickelementen und viel Wortwitz wird erzähl- und aushaltbar, was das Schlimmste ist (nicht nur für Kinder): Der Tod geliebter Menschen und das Ende einer haltgebenden Vertrauensgemeinschaft. Dass es für Mina, Paul und Annie mit der Nachbarin Frau Matuschke jemanden gibt, der immer zugewandt und fürsorglich für sie da ist, stützt auch junge Leser:innen in ihrem Zutrauen in das Weiterleben nach einschneidenden Verlusten.  Mit bildstarker Sprache, warmherzigem Humor und kriminalistischer Spannung ist dieser mutige Kinderroman eine rasante Hommage an das Leben. Kapiteleröffnende ganzseitige Illustrationen bereiten berührend vor auf die Kraft der erzählten Emotionen.

ab 9
Birgit Schössow: »Oma verbuddeln«. Peter Hammer Verlag, 15 €

ab 10
Enne Koens, Maartje Kuiper: »Von hier aus kann man die ganze Welt sehen«. Ü: Andrea Kluitmann, Gerstenberg, 17 €

Die Begründung der Jury:

Die neunjährige Deetje stellt sich viele Fragen nach ihrer Herkunft. Ihren Vater kennt sie nicht. Kontakt zur Familie der Mutter gibt es kaum und die Mutter selbst ist ihr oft fremd. Als ein geheimnisvoller Brief in Deetjes Hände gerät, Absender und Empfangsadresse sind unleserlich, berührt dieser Deetje zutiefst. Hier schreibt jemand vom Vermissen und von der Sehnsucht nach Nähe. Deetjes eigene Sehnsucht wird zum Antriebsmoment für eine Suche nach dem Geheimnis des Briefes. Was sie von den Bewohner:innen ihres Hochhauses erfährt, hat viel mit dem zu tun, was diese vermissen, immer aber auch mit der Sehnsuchtslücke in ihrem eigenen Leben. 

Weich und poetisch lässt Enne Koens ihre Ich-Erzählerin einen liebevoll-neugierigen Blick auf verschiedene Lebensrealitäten richten. Das Bedürfnis nach Familie, Freundschaft und Geborgenheit ist allgegenwärtig. Dass Deetje dabei einem Familiengeheimnis auf die Spur kommt, steigert die Spannung dieses warmherzigen Buches und belohnt die Protagonistin für ihr unermüdliches Fragenstellen. Maartje Kuipers‘ stimmungsvolle Vignetten in gedeckten Rottönen eröffnen einen Blick in die Fenster der Wohngemeinschaft. Die Übersetzung von Andrea Kluitmann gibt der Erzählsprache eine geradlinige Sanftheit, die sich stimmig mit dem Erzählten verbindet.

Die Begründung der Jury: 

Eine laue Sommernacht, ein klarer Sternenhimmel, das vergnügliche Zelten zweier Mädchen im Garten … Es sind Insignien einer unbeschwerten Freundschaftsgeschichte, die diesen Kinderroman prägen. Neben kindlicher Ausgelassenheit und Lebensfreude wird hier aber auch erzählt von tiefer Traurigkeit und dem Schmerz des Verlustes – beides eng verwoben und einander durchdringend. Der nächtliche Zeltspaß nämlich ist begleitet von einer bedeutsamen Mission, die die beiden Protagonistinnen zu erfüllen haben: Mit einem selbstgebastelten kosmischen Radio wollen sie Kontakt zu Tonis verstorbener Mutter aufnehmen. Die Durchführung dieses sorgfältig vorbereiteten Vorhabens birgt zwar eine unerwartete Wendung, führt aber dennoch nicht zu einer Enttäuschung.

Karen Köhlers Roman bietet ein Feuerwerk philosophischer und sprachästhetischer Erzählkunst. Er besticht durch originelle (Zeit-)Metaphern, Wortneuschöpfungen und Lautmalereien. Der aus Tonis Perspektive erzählte Nachtbericht wird angereichert durch Erinnerungsnotizen zum Leben und Tod der Mutter. Die Gesamtheit dieser feinfühligen Komposition wird zu herausragender kinderliterarischer Trauerkultur. Die dezenten, zwischen Blau- und Rottönen sanft changierenden Illustrationen von Bea Davies verraten nie zu viel und laden auf ganz eigene Weise zum weiterführenden Philosophieren ein.

ab 10
Karen Köhler, Bea Davies: »Himmelwärts«. Hanser, 19 €

Kritikerjury: Sparte Sachbuch

ab 6
Daniel Fehr, Golden Cosmos: »Ich und der Zauberwürfel«. NordSüd ,20 €

Die Begründung der Jury:

Dieses erzählende Sachbilderbuch hat den Dreh raus. Es vermittelt die Faszination und Logik des Zauberwürfels und eröffnet dabei vielfältige Zugänge. Ein neugieriges Kind findet einen Zauberwürfel und versucht zunächst vergeblich, ihn zu lösen. Dabei bekommt es viele Anregungen durch Freunde und Familie. Parallel zu den variantenreichen Lösungsansätzen – sogar die vorm Sofa spielende Katze dreht mit am Würfel – wird erklärt, was spieltechnisch, produktgeschichtlich und kulturell spannend ist am Zauberwürfel.

Durch die besondere Kombination von erzählter (Spiel-)Erfahrung mit Schaubildern und Sachtexten gelingt Daniel Fehr ein inspirierender Blick auf ein analoges Spielzeug, das auch in Zeiten der Digitalisierung seinen Reiz bewahrt. Visuell wird dies unterstrichen durch die Siebdruck-Bilder des Künstlerduos Golden Cosmos. Knallige Neon-Farben und herausfordernde Perspektiven setzen aktivierende Akzente. Sowohl das quadratische Format des Buches – einschließlich der quadratischen Aussparung im Buchdeckel – als auch die Gestaltung des Vor- und Nachsatzpapiers greifen das Thema spielerisch  auf. Neugier und Entdeckerdrang wachsen Seite für Seite an und der Zauberwürfel steht am Ende des Buches als ein Symbol für die Kraft kreativer Problemlösungsstrategien.

Die Begründung der Jury:

Wenn alle Frauen eines Landes einen Tag lang streiken, macht dies sicht- und spürbar, wie unverzichtbar ihre Arbeit ist. So geschehen in Island am 24. Oktober 1975. An diesem "Langen Freitag" ließen 90 Prozent aller Frauen ihre Arbeit ruhen und legten damit das Land lahm. Davon erzählt dieses zeitgeschichtliche Sachbilderbuch in einfachen Sätzen und mit farbenfrohen Illustrationen. Die kleine Anna und ihre Mutter machen sich fertig für eine Frauenrechtsdemonstration, da beginnt die Mutter von ihren Kindheitserinnerungen zum Frauenstreik 1975 zu erzählen. Sie spricht über die gesellschaftsbewegende Bedeutung des historischen Ereignisses und über ihr eigenes kindliches Erleben. Heute wie damals ziehen Frauen gemeinsam durch die Straßen mit der Parole "Ich traue mich! Ich kann es! Ich mache mit!" Beseelt von der gemeinschaftsstiftenden Aktion will auch Anna die Idee des Protests weitertragen.

Mit Leichtigkeit widmet sich Linda Ólafsdóttir dem nach wie vor aktuellen Thema Frauenrechte. Sie sensibilisiert Kinder für Gleichberechtigung und soziale Fairness und bestärkt sie in ihrem Gerechtigkeitsempfinden. Kraftvoll und schlicht wird eine global einflussreiche soziale Bewegung erklärt und die Bedeutung demokratischer Teilhabe erlebbar gemacht. Anna Schaub hat die diese Schlichtheit gelungen aus dem Englischen übersetzt.

ab 6
Linda Ólafsdóttir: »Der Tag, als die Frauen streikten«. Ü: Anna Schaub, Prestel Junior, 16 €

ab 8
Berta Páramo: »Läuse«. Ü: Stefanie Kuballa-Cottone, Helvetiq, 17 €

Die Begründung der Jury:

Dieses originelle Sachbuch wagt einen ungewöhnlichen Perspektivwechsel, indem es sich als Überlebensratgeber direkt an Läuse wendet, die sich auf den Köpfen von Menschen eingenistet haben. Mit einem Mix aus informativen Inhalten und experimenteller Erzählweise vermittelt Berta Páramo lebendig und humorvoll wichtiges Läusewissen, ganz ohne Peinlichkeiten oder Ekel. Detaillierte und nahezu piktogrammartige Illustrationen in leuchtendem Neon-Orange, Schwarz und Weiß hieven das Thema aus der Tabuzone. Die Zeichnungen sind dabei sachlich und auch in vielfacher Vergrößerung nicht abschreckend.

Kratzreiz auslösend ist das Buch damit vielleicht immer noch. Doch die Art der Darstellung regt dazu an, mit der sensiblen Thematik ohne Angst oder Scham offen umzugehen. Wissen über das Leben und Wirken von Kopfläusen wird so in respektvoll-perspektivierender Nähe zur Spezies vermittelt.  Läuse ist ein bild- und sprachästhetisch herausragendes Sachbuch in einem ungewöhnlich handlichen Format, das den Blick auf das systemische Zusammenspiel von Lebewesen stärkt und  dabei einen Akzent auf das Thema Selbstfürsorge setzt. Die Übersetzerin Stefanie Kuballa-Cottone transportiert den augenzwinkernden Erzählstil und hält dabei dennoch die Balance hin zur Sachebene.

Die Begründung der Jury:

Der Titel ist Programm bei Fahr Rad. Die von Ondřej Buddeus detailfreudig aufgefächerte Breite des Fahrradwissens reicht von der Kulturgeschichte über technische und physikalische Phänomene bis hin zu Möglichkeiten fahrradfreundlicher Stadtplanung. Dabei werden immer auch inter- und transkulturelle Perspektiven eingenommen, die das Radfahren als globale Praxis zeigen.

In klarer Sprache und mit gut verständlichem Fachvokabular wird das Fahrrad in seiner komplexen Dinglichkeit und seinem reichen Gebrauchswert begreifbar. Jindřich Janíčeks Illustrationen verleihen dem Buch einen Retro-Look. In gedämpften Gelb-, Orange- und Fliedertönen fangen sie den Facettenreichtum des Themas visuell ein. Atmosphärische Doppelseiten und technisch präzise Detailskizzen sind dabei gekonnt und abwechslungsreich integriert. Die Übersetzung aus dem Tschechischen von Lena Dorn schafft es zudem, den spezifischen Humor einzufangen, der die Darstellungen der lebenspraktischen, historischen und philosophischen Dimensionen des Fahrradfahrens verlässlich durchzieht. Das Sachbuch lädt dazu ein, selbst den Fahrradsattel zu erforschen und auf ihm die Welt zu erkunden. So wird Fahrradfahren auch als demokratischer Akt begreifbar und das Fahrrad zum universellen Symbol für Freiheit.

ab 10
Ondřej Buddeus, Jindřich Janíček: »Fahr Rad«. Ü: Lena Dorn, Karl Rauch Verlag, 25 €

ab 12
Pierdomenico Bortune, Cecilia Bozzoli: »Celeste. Das versteckte Kind«. Seismo, 28 €

Die Begründung der Jury:

Bewegend erzählt dieser Comic von einem bisher wenig beleuchteten Kapitel Schweizer Geschichte. Im Dialog mit ihrer älteren Nachbarin Celeste erfährt die Teenagerin Léane von deren dramatischen Erlebnissen als Kind eines italienischen Saisonniers. Der heikle Aufenthaltsstatus dieser Gastarbeiter:innen untersagte den Familiennachzug. Das führte dazu, dass Tausende Kinder heimlich in die Schweiz geholt wurden. So auch Celeste, die in den 1960er Jahren illegal dort lebte. Sie war eines der vielen versteckten Kinder, die ihre Kindheit in ständiger Angst vor Entdeckung verbrachten.

Dynamische Panelfolgen mit vielen filmischen Perspektiven lassen Celestes Erinnerungen mit hoher Eindringlichkeit lebendig werden. Kombiniert wird die in sepia gefärbte Vergangenheit mit Gegenwartssequenzen in schwarz-weiß. In kunstvoller Verbindung der Zeitebenen transportieren Pierdomenico Bortunes Text und Cecila Bozzolis Zeichnungen die Themen Migration und Integration generationenübergreifend. Sie bieten Anlass für die konkrete erinnerungskulturelle Auseinandersetzung mit Menschenrechten und deren Wert für unsere Gesellschaft. Historische und politische Hintergrundinformationen fundieren das Wissen um das Leid der Saisonnierskinder und ihrer Eltern.

Die Begründung der Jury:

Obwohl berechtigterweise als "Wunderwesen im Wasser" bezeichnet, kommt den Kleinstlebewesen, um die es in diesem Buch geht, allgemein eher wenig Beachtung zu. Dies ändert Hallo Plankton! und hebt in schillernde Sichtbarkeit, was für die Allermeisten bis dahin unsichtbar vorbeizog. Kristina Heldmann hat aus ihrer Begeisterung für Plankton ein ästhetisches und faktenreiches Sachbuch geformt, das eine beeindruckende Übersicht gibt über die Verschiedenheit plaktonischer Organismen, ihre Biologie und Ökologie. Naturwissenschaftliche Fakten sind eng verbunden mit künstlerischen Abbildungen, die bildexperimentell fein umkreisen, was schwer zu zeigen ist.

Von der schlichten Erstdefinition bis hin zu komplexen Phänomenen wie Biolumineszenz, Symbiosen und Mixotrophie – das, was es zum Plankton zu wissen und zu bestaunen gibt, wird erzählerisch so locker dargeboten, dass es die Leser:innen geradezu in ein Gespräch verwickelt. Vier Interviews mit Forscher:innen zeigen, was die Faszination von Plankton ausmacht und wie direkt das menschliche Leben von ihm abhängt. "Plankton ist cool …", diesen Satzanfang vervollständigen die Wissenschaftler:innen auf je eigene Art. In seiner Vielstimmigkeit transportiert dieses herausragende Sachbuch ganz klar: Plankton ist hochfunktional für das Erdsystem. Schützenswert. Forschungswürdig. Zukunftsentscheidend.

ab 12
Kristina Heldmann: »Hallo Plankton!«. Jacoby & Stuart, 16 €

Kritikerjury: Sparte Jugendbuch

ab 12
Kimberly Brubaker Bradley: »Gras unter meinen Füßen«. Ü: Beate Schäfer, dtv Reihe Hanser, 16 €

Die Begründung der Jury:

Adas Fuß ist von Geburt an verformt. Weil dies so ist, darf die Neunjährige die Wohnung nicht verlassen. Denn die Mutter schämt sich für ihr Kind und behandelt Ada schlecht. Sie lässt sie putzen und kochen, bestraft sie hart für vermeintliche Vergehen und beschimpft das Mädchen als Monster. Die handlungseröffnenden Schilderungen von Lieblosigkeit und Brutalität muten den Leser:innen viel zu. Nach diesen tief mitempfundenen Härten finden sie neue Hoffnung, indem sie sich mit der Ich-Erzählerin auf einen empowernden Selbstfindungsweg begeben. Als im August 1939 Bombenangriffe London bedrohen, gelingt es Ada, sich einer Evakuierungsgruppe anzuschließen, für die eigentlich nur ihr jüngerer Bruder Jamie vorgesehen war. Mit seiner Hilfe bewältigt sie die Herausforderungen dieser heimlichen Flucht. Bei Miss Smith finden die Kinder schließlich ein neues Zuhause. Die von schwerem Verlust gezeichnete Frau unterstützt Ada nicht nur in ihrem Wunsch, reiten zu lernen. Die innere und äußere Freiheit, die sie Ada ermöglicht, wird schließlich auch ihre eigene. 

Kimberly Brubaker Bradleys Geschichte eines resilienten Kindes, das Hilfe findet, annimmt und verwandelt, berührt tief. Die von Beate Schäfer sensibel übersetzte Erzählstimme macht das Ringen einer verwundeten Kinderseele um Vertrauen auf vielschichtige Weise spürbar.

Die Begründung der Jury:

Dem Muster des Briefromans folgend, erzählen Chatnachrichten eine Geschichte darüber, wie wichtig Begegnung, Vertrauen und Freundschaft sind, für Lebensmut und Selbstwerdung. In elf Kapiteln, die analog zu den verbleibenden Tagen der Sommerferien herunterzählen, entfaltet sich der erzählstarke Chat von Ava und Juri.

Die beiden 14-Jährigen sitzen statt im Freibad oder an anderen schönen Sommerorten in ihren Zimmern. Ava, weil sie Hausarrest hat und nicht herausdarf. Juri, weil Panikattacken ihn quälen und er nicht herauskann. In ihren Nachrichten tasten die Beiden sich Wort für Wort aneinander heran und aus der Enge ihrer Zimmer heraus. Sie texten über ihre Familien, über Schule, gemeinsame Bekannte. Sie necken sich, fordern sich und berühren dabei – Stück für Stück mehr – auch Inneres, Verborgenes, Verschlossenes. In einer herausfordernden Welt, die Jungsein sehr schwer machen kann, finden Ava und Juri aneinander Halt und jenes Zutrauen, das es braucht, um standzuhalten und voranzugehen. Einem dynamische Pingpong-Spiel gleich entfaltet Sarah Jäger einen stilistisch fein modellierten Dialog, der auch in der Sprache Trennendes und Verbindendes betont und im Zusammenwirken mit den beredten Illustrationen von Sarah Maus ein bewegendes Annäherungsportrait zeichnet.

ab 12
Sarah Jäger, Sarah Maus: »Und die Welt, sie fliegt hoch«. Rotfuchs, 20 €

Die Begründung der Jury:

In den 1860er Jahren wächst der zwölfjährige Silas im Mittleren Westen ohne Mutter auf. Viele Besonderheiten seines Lebens sind ihm selbst nicht recht erklärlich: Silas erlebt Visionen, hört die Stimmen verstorbener Menschen und wird von einem Geist namens Mittenwool begleitet. Als sein Vater eines Nachts von drei Unbekannten entführt wird, macht sich Silas mit einem Pony, das vieles zu wissen und zu bestimmen scheint, auf die Suche nach ihm. Diese Reise voller Herausforderungen und Gefahren wird zu einer mitreißenden Abenteuergeschichte. Silas erzählt sie im Rückblick klar und unaufgeregt. Klug gesetzte Andeutungen steigern die Spannung und vermitteln zugleich Zuversicht trotz Dunkelheit und Bedrohung. Actiongeladene Szenen mit realistischer Verankerung in der Lebenswirklichkeit des Wilden Westens vermischen sich mit geheimnisvoll-mystischen Elementen. Sie zeichnen Silas als einen Jungen, der entschlossen seiner Intuition folgt und dabei viel lernt über sich selbst, seine Eltern und die tiefe Verbundenheit aller Menschen. Jedes Kapitel wird mit einer alten Schwarz-Weiß-Fotografie eingeleitet, die der Fiktion atmosphärisch dicht den Eindruck historischer Authentizität geben. André Mumots Übersetzung fängt die klare Unaufgeregtheit des Erzähltons gelungen ein.

Die Begründung der Jury:

Die 21-jährige Lizzy Beck, Star einer britischen Girl Band, begeht Selbstmord. Sofort wandelt sich der Ton in den Social-Media-Kanälen, deren übergriffige Allgegenwärtigkeit ihr Leben beschwert hatte. Für die 16-jährige Emmy ist Lizzy Beck mehr als nur eine Kunstfigur. Sie trauert tief um ihre Schwester Beth, ihre innig geliebte Vertraute. Parallel zur vermeintlichen Freundlichkeit in den Sozialen Medien, wo plötzlich verlogen gelobt wird, was zuvor zersetzend kritisiert wurde, wächst Emmys Wut. Während andere Trauer heucheln, ist ihr Verlustschmerz brennend echt. Über Depressionen und Drogenexzesse hinweg war Beth für Emmy das Licht in ihrem Leben. Ohne sie ist alles dunkel.

Emmys verzweifelte und wütende Erzählstimme berichtet von dem Menschen, der ihre Schwester war, und von dem massiven Druck der Unterhaltungsindustrie, der die private Beth immer ausschließlicher zur öffentlichen Lizzy gemacht hat. Unterbrochen wird ihr Bericht von Chatverläufen sowie von Interviews und Zeitungsartikeln. In komplexer Montage zeichnet Sara Barnard das Bild einer sensiblen jungen Frau, die am Showbusiness zerbrochen ist. Zugleich zeigt sie mit ihrer Ich-Erzählerin Emmy, wie viel Kraft Trauer braucht und dass Weiterleben möglich ist. Den beiden Übersetzerinnen gelingt in Chats, Dokumenten und Erzählbericht ein stimmiger und berührend zusammenspielender Ton.

ab 14
Sara Barnard: »Wohin das Licht entflieht«. Ü: Hanna Christine Fliedner und Christel Kröning, Arctis, 22 €

ab 14
Andrej Bulbenko, Marta Kajdanowskaja: »Elektrizität und Himmelsfische«.Ü: Olga Radetzkaja und Henriette Reisner, dtv Reihe Hanser, 18 €

Die Begründung der Jury:

Eine Fluchtgeschichte auf 14 Zetteln. Was einem grüblerischen Schriftsteller in einem trostlosen Motel an der Grenze eines nicht näher benannten Kriegsgebiets von der 14-jährigen Marzia übergeben wird, sind Fluchtnotizen, die sie auf die Blätter der Bauanleitung eines Bettes gekritzelt hat. Seit Tagen irrt sie mit ihrer Familie in einem vollgepackten Auto durch die Gegend – auf der Flucht vor den Angriffen und immer im Kreis. Im Versuch, die Grenze zu erreichen, kommen die sechs Flüchtenden stets aufs Neue beim Motel "Ruhebank" an. Schließlich aber wartet der Schriftsteller vergeblich. Nach einer Woche ohne Lebenszeichen folgt er Marzias Anweisung, ihre Notizen zu lesen. Diese erzählen von den Zumutungen der Flucht. Von Gewalt, Not und Willkür und davon, was Unsicherheit, Perspektivlosigkeit und viel zu große Enge mit einer jugendlichen Seele machen.

Der Schriftsteller, er ist der Zweitautor des Buches, entschließt sich zur Veröffentlichung und mithin dazu, Marzias Stimme und ihr Leid in die Welt zu tragen. Die Notizen basieren auf realen Ereignissen und fügen sich zu einer Road Novel, die mit großer Wortkunst und scharfem Sinn für Skurriles und Absurdes tief bewegt und erschüttert. Die Übersetzerinnen wahren überzeugend den sprunghaft spitzen Jugendton der zum Entstehungszeitpunkt 15-jährigen Autorin.

Die Begründung der Jury:

Drei Männer, drei Generationen, eine Familie: Bobby, dem 1939 eine glänzende Schauspielkarriere im rigiden Hollywood winkt. Saeed, der 1978 einer erfolgreichen Ingenieurskarriere im zerrissenen Iran entgegensieht. Und Moud, der 2019 als queerer Jugendlicher in den USA angekommen scheint. Doch die drei hoffnungsvollen Lebensentwürfe geraten, jeder in seiner Zeit, ins Wanken: Bobbys Homosexualität wird vom Filmstudio nicht geduldet, er wendet sich ab und lebt fortan im Iran. Saeeds Teilnahme an der Iranischen Revolution zwingt ihn zur Flucht nach Amerika. Und Mouds iranische Wurzeln lassen ihn in den gegenwärtigen USA nicht wirklich Heimat finden. Bei einem Zusammentreffen in Teheran sehen sich die drei Männer gezwungen, ihre Familie, ihre Werte und ihre Identität tiefgreifend zu hinterfragen.

Raffiniert verwebt Abdi Nazemian drei Erzählstränge und Perspektiven zu einem schillernden Teppich, macht das Colorit verschiedener Zeiten und Orte sinnlich erfahrbar und taucht den Iran der Gegenwart in ein flirrendes Licht. In ebendieser Atmosphäre versuchen die drei Männer, Wahrheit zu akzeptieren, Verständnis zu entwickeln und Annäherung zuzulassen. Die Übersetzerinnen leisten viel für drei ganz eigene und doch tief verbundene Stimmen.

Die Jugendjury

ab 12
Sarah Jäger, Sarah Maus: »Und die Welt, sie fliegt hoch«. Rotfuchs, 20 €

Die Begründung der Jury: 

Der 14-jährige introvertierte Juri verbringt die Sommerferien in seinem Zimmer, dort fühlt er sich sicher. Die gleichaltrige, extrovertierte Ava hingegen würde alles tun, um draußen zu sein – doch sie hat Hausarrest. Beide kennen sich aus der Grundschule, hatten aber seitdem keinen Kontakt mehr. Sie beginnen, sich Text- und Sprachnachrichten zu senden. Juri ist zunächst nicht begeistert. Dann aber taut er auf und erzählt von seinen Ängsten. Weil Ava jedoch nicht ganz ehrlich zu ihm ist, gerät das gewonnene Vertrauen ins Wanken.
Und die Welt, sie fliegt hoch ist ein in Chat-Form geschriebener Roman, der ein gewichtiges Thema darstellt: Angststörungen. Die Konversationen zwischen Juri und Ava geben einen Einblick in Juris Gefühlswelt. Auch wenn Ava diese nicht nachvollziehen kann, zeigt sie Mitgefühl und versucht, Juri aus der Reserve zu locken. Durch das Chat-Format ergibt sich ein Überblick, der ein simultanes Verfolgen beider Protagonist: innen erlaubt. Die Ausdrucksweise der Figuren hat gerade durch ihren mündlichen, gegenwärtigen Charakter sehr viel Poetisches und bietet Raum für Interpretationen. Perfekt ergänzt wird diese schöne Geschichte durch die durchgängigen, stimmungsvollen Illustrationen.

Die Begründung der Jury:

Dessi hat zwei Identitäten: In ihrem Münchner Heimatviertel Neuperlach ist sie die selbstbewusste "Kanak", während sie am Gymnasium als Daisy mit blonder Perücke und Hochdeutsch eine ganz andere Rolle spielt. Sie glaubt, nur so in beiden Welten akzeptiert zu werden – bis ihr Mitschüler und Nachbar Bo sie enttarnt. Plötzlich steht sie vor der Frage, ob sie wirklich dazugehören kann, ohne sich zu verstellen.
Anna Dimitrova gelingt es, diese Thematik mit viel Feingefühl und Leichtigkeit zu erzählen. Die Figuren sind mit großer Liebe zum Detail gezeichnet. Dessi ist authentisch, vielschichtig und voller Widersprüche – genau wie das echte Leben. Ihre Ängste, ihr Humor und ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit machen sie zu einer Figur, mit der man sich identifizieren kann.
Kanak Kids verbindet zentrale Themen wie Identität, Zugehörigkeit und soziale Herkunft mit dem Gefühl, in keiner der beiden Welten wirklich anzukommen.

 

ab 13
Martin Gries: »freilaufende dichter*innen«. Lieferbar Benefiz-Verlag, 25 €

Begründung der Jury:

Darf es ein bisschen Poesie sein? Ja, unbedingt! Martin Gries erzählt in freilaufende dichter*innen aus dem Leben der 15-jährigen Ellen, die sich als Scheidungskind mitten im Umzug all die Fragen stellt, die sich Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsenwerden stellen: Zu wem gehöre ich? Was soll ich hier? Wohin will ich eigentlich? Wie komme ich mit meinen Gefühlen klar? Wer bin ich denn? Wen liebe ich und wer liebt mich? – Dabei begleiten sie die Kraft der Worte und der Zugang zu Poesie, die mit einer Intensität daherkommen, die uns aufhorchen, mitfühlen und nachdenken lässt, Zeile für Zeile. Wir werden angesprochen und sind ganz automatisch auch bei uns, bei unserem Leben, unserem eigenen Gefühlschaos und all unseren Fragen. Und ganz nebenbei staunen wir über die unzähligen Möglichkeiten, Gedichte im Alltag zu platzieren. Die Verse und Wortspiele (be-)wirken. Warum gibt es eigentlich nicht viel mehr Poesie auf der Straße, in Briefkästen auf Gullydeckeln und unter Regenschirmen?
Wir mögen die Sprache, die Story, das Format und den Titel. Alles in allem so wunderbar besonders. einfühlsam. poetisch.

Begründung der Jury:

Stell dir vor, deine Heimat wird gewaltvoll angegriffen – würdest du zurückschlagen und dich wehren? Emma Larsen, die Protagonistin in No Alternative, entscheidet sich dafür. Ihre Heimat ist die Natur, und sie kämpft mit allem, was sie hat, für ihr Überleben. In diesem bewegenden Roman über Klimaaktivismus wird mit den Erwartungen der Gesellschaft gespielt und politisches Denken angeregt. Der Autor schafft es, eine fiktive Organisation zu skizzieren, die authentisch konzipiert und lebensecht dargestellt ist. Dadurch ermöglicht er allen Leser:innen eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit wichtigen Fragen zu unserer Zukunft und die unseres Planeten.

Obwohl das Manifest von No Alternative sehr klar und eindrücklich gestaltet ist, drängt sich der Autor nicht mit einer deutlichen Meinung auf, sondern lässt viel Raum für eigene Interpretationen und Diskussionen. Das ist vor allem den unglaublich fein und emphatisch gezeichneten Figuren zu verdanken, deren Entwicklung man sehr nah begleiten kann. Dirk Reinhardt kreiert intensive und inspirierende Charaktere, die den individuellen Umgang mit Verantwortung und viele Facetten des Klimaaktivismus aufzeigen. Es entsteht ein Leseerlebnis, das lange nachwirkt. – Ein Roman, der aus dem radikalen Teil des Herzens schreit und Veränderung nicht nur fordert, sondern erwartet.

ab 14
Dirk Reinhardt: »No Alternative«. Gerstenberg, 20 €

ab 14
Eva Rottmann: »Fucking fucking schön«. Jacoby & Stuart, 16 €

Die Begründung der Jury:

Eva Rottmann erzählt zehn Geschichten, in denen Jugendliche über Gefühle, Liebe und Sex reden – nie unangenehm, nie peinlich oder steif; immer nachvollziehbar und sprachlich komplett am Puls der Zeit, dazu divers und ohne Stereotypen, garantiert kitschfrei und oft überraschend. Die Geschichten werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt und im Verlauf entstehen ungeahnte Querverbindungen zwischen den Protagonist:innen. Für den Überblick befindet sich im Vorsatz eine Art Beziehungs- und Wer-kennt-wen-Lageplan.

Manche der Geschichten sind umwerfend schön und vermitteln ein starkes Gefühl von Lebendigkeit und Hoffnung. Es werden aber auch weniger glorreiche Momente geschildert – sehr klug, weil: Wie im echten Leben – und das ist nun mal kein Wunschkonzert. Jede:r wird sich wiederfinden, irgendwie ankommen und sich ernst genommen fühlen.

Dieses Buch ist auffallend anders als alles, was wir bisher über Liebe gelesen haben. Nichts wird romantisiert, hier wird mit allen Sinnen offen und ehrlich mit Gefühlen umgegangen, es geht eindeutig um größtmögliche Authentizität. Dieser Roman ist wahr und wahrhaftig fucking, fucking schön.

Die Begründung der Jury:

Es gibt Begegnungen, die uns aufrütteln und uns Impulse für unser eigenes Leben geben können. So geht es auch der 16-jährigen Raven, die bei ihrer Mutter lebt und von Geburt an blind ist. Das Verhältnis zur Mutter ist das einer Teenagerin, mit Regeln und Auseinandersetzungen.

Durch den sensiblen Einsatz von Farbsymbolik entwickeln die Leser:innen eine empathische Betrachtungsweise für Ravens Welt. Ravens starke und mutige Persönlichkeit und besonders ihre Freundschaft zu May-Lin ermöglichen ihr viele spannende Erlebnissen und Erfahrungen. Die schillernde Schreibweise ermöglicht es den Leser:innen, Raven dabei zu begleiten und die für viele als selbstverständlich wahrgenommene Fähigkeit des Sehens erneut zu reflektieren. Vor allem Ravens Reaktion auf einen extremen Schicksalsschlag zeigt ihren starken und unermüdlichen Kampfgeist auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben. Insofern bietet das Buch assoziative Parallelen für die Leser:innen. Es vermittelt trotz aller Herausforderungen eine positive Weltsicht und unterstreicht die Bedeutung von Freundschaft.

ab 14
Pamela Sharon: »Der Duft von Grün«. Ü: Christiane Burkhardt, Freies Geistesleben, 20 €

Sonderpreis Neue Talente: Illustration

Maren Amini

ab 12

Ahmadjan Amini, Maren Amini: "Ahmadjan und der Wiedehopf", Carlsen, 26 €

Die Begründung der Jury:

Tochter Maren (federführend) und Vater Ahmadjan Amini erzählen in dieser Graphic Novel die von Kunst- und Freiheitsliebe getragene interkulturell-schillernde Lebensgeschichte des Vaters auf bildstarke und gleichzeitig poetische Art und Weise. Mit schwungvollem, an Sempé oder die Peanuts erinnerndem Strich werden nicht nur Kulturen und Generationen miteinander verschränkt, sondern auch unterschiedliche Erzählformen: So ist die zwischen Afghanistan und Deutschland pendelnde und auch als Zeitzeugnis zu verstehende Biografie kunstvoll verwoben mit dem tausend Jahre alten epischen Langgedicht Die Konferenz der Vögel des persischen Mystikers Fariduddin Attar.

Künstlerisch überzeugt Maren Amini mit einer beeindruckenden Bandbreite an Techniken: Es gelingt ihr, schweren Themen wie den Flucht- und Migrationserfahrungen des Vaters durch ihren karikaturistisch reduzierten Zeichenstil melancholische Leichtigkeit zu verleihen. Das innere, oft mystische Erleben äußert sich in starken visuellen Metaphern, psychedelischen Farbexplosionen und atmosphärischen Aquarellen. Anklänge an die farbenprächtige Ornamentik der traditionellen persischen Miniaturmalerei und Kalligrafie öffnen zusätzlich den Blick auf die reiche Kultur und Vergangenheit Afghanistans.

Karen Exner

ab 4:

Karen Exner: Hüte und andere Kopfbedeckungen aus aller Welt, Carlsen, 18 €

Die Begründung der Jury:

"Alles was wir auf den Kopf setzen, verrät etwas über uns", schreibt Karen Exner in ihrem Sachbilderbuch. Sie nähert sich dem Thema ‚Hüte‘ mit einer unvoreingenommenen Offenheit und erforscht es mit kindlicher Neugier. In ganzseitigen Abbildungen erfahren wir z. B., warum die Pudelmütze einen Bommel schmückt, was der Sinn einer Gerichtsperücke ist oder wir lernen, was es mit einem Dastar auf sich hat. Karen Exner zaubert eine unglaubliche Vielfalt an unterschiedlichen Kopfbedeckungen wie Helmen, Tüchern, Kappen oder Kronen aus dem sprichwörtlichen Hut und erklärt die unterschiedlichen und oft kuriosen Gründe dafür, sie zu tragen. Ganz nebenbei werden in den Abbildungen kleine unterhaltsame Geschichten erzählt. Der aufzählende Rhythmus des Buches wird durch doppelseitige, kontextualisierende Abbildungen von atmosphärischem Reiz ergänzt.

Karen Exners Illustrationen sind von großer stilistischer Klarheit: Die eigenwillige Reduktion der Formen wird mit kantigen Konturen und plakativ poppigen Farbflächen durch Ölkreide in Kratztechnik realisiert. So perfektioniert Exner mit großem Aufwand eine künstlerische Technik, die schon Grundschulkinder kennen. Hüte erklärt mit meisterhafter illustrativer Leichtigkeit und Witz, wie viel Gemeinsamkeiten in unseren Unterschieden stecken. – Chapeau!

Lena Hällmayer

Lena Hällmayer: "Klimaangst und Wandelmut", Jaja Verlag, 26€

Die Begründung der Jury:

Lena Hällmayers Stimme ist authentisch und persönlich: "Es geht um nicht mehr oder weniger als um alles. Ich will eintauchen in das Erlebte, berührt werden und berühren. Damit ich alles wirklich verstehe. + etwas verändern kann." – Mit diesem Vorwort setzt die Künstlerin den Ton für ihre tagebuchartigen Graphic Novel, die geprägt ist durch Involviertheit, Engagement sowie existenzielle Eindringlichkeit und die ergreifen, aufrütteln, 'mitnehmen' will.

Die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und seinen Auswirkungen findet weniger auf der sachlichen als auf der subjektiven Ebene des erlebten Alltags der Künstlerin statt. Ihr wesentliches Ausdruckselement, das ihr Engagement unmittelbar transportiert, ist die Illustration: Comic-Episoden wechseln mit ausdrucksstarken Acryl- und Tuschezeichnungen, die Verzweiflung und Wut, aber auch Freude darstellen. Vertrocknende Landschaften in expressivem Pinselduktus stehen neben Visualisierungen, die davon erzählen, wie wir Menschen als Geflecht oder Gewebe zusammen doch etwas bewirken können. Die Bandbreite der künstlerischen Gestaltungsformen ist dabei so groß wie die der inneren Prozesse. "Denkend zeichnen" – so gestaltet die Künstlerin innere Ambivalenz und findet schließlich – auch durch das Aufzeigen von Handlungsräumen – zu Hoffnung, Tatendrang und Wandelmut.

Das gespannte Publikum

Das gespannte Publikum