Der erhoffte und eingetretene Ansturm zeitigt auch unerwünschte Nebenwirkungen: "Bis man hier reinkommt", schrieb die "Bild"-Zeitung, "kann man noch einen Roman lesen". In den sozialen Medien war zeitweise dicke Luft. Gibt es – neben dem erstmals begrenzten Ticketverkauf für Messesamstag – schon Learnings in Sachen Logistik?
Böhmisch: Wir haben gleich an den ersten beiden Messetagen ein deutlich höheres Besucheraufkommen verzeichnet – das wich eklatant von 2024 ab. Wir haben darauf reagiert, und am Samstag und Sonntag die Messehalle früher geöffnet, was die Einlass-Situation etwas entlastete. Im Endeffekt müssen wir das Zugangs-Modell und unser Wegeleitsystem noch einmal gründlich runderneuern. Wir haben auch während der Messe reagiert und zwei zusätzliche Eingänge für Fachbesucher und Aussteller eingerichtet – auf die Belange dieser beiden Gruppen werden wir, wenn es an die Optimierung der Logistik geht, besonders achten. Die Publikumsmesse soll nicht zu Lasten der Fachveranstaltung boomen. Dazu gehört, dass man unter Umständen den Online-Vorverkauf noch etwas weiter limitiert…
Manche würden das für ein Luxus-Problem halten…
Böhmisch: Absolut. Aber wir müssen zweifellos neu justieren, vielleicht auch Veranstaltungsbeginn und Einlasszeiten noch besser abstimmen.
MCC und Buchmesse wird es weiter nur im Doppelpack geben?
Böhmisch: Sie bleiben zusammen. Wir haben heuer bei der MCC nach Aussteller-Anmeldungsbeginn eine Warteliste eingeführt, weil der Andrang zu groß war. Aber wir brauchen eine gute Balance etwa zwischen Ausstellern und Merch-Anbietern. Von letzteren könnten wir die dreifache Anzahl hineinlassen – aber dann ist es keine Buchmesse mehr!
Wie kommen Sie nach diesem Adrenalin-Pegel wieder runter; im Sport spricht man ja vom Abtrainieren?
Böhmisch: (lacht) Schön, dass Sie die Sportreferenzen aufnehmen. Diese Woche steht noch ganz im Zeichen organisatorischer Themen. Danach geht es tatsächlich in den Urlaub – etwas weiter weg, sehr reduziert… es wird der Frühling in der Wüste.
Haben Sie Wolfgang Büschers "Der Weg. Eine Reise durch die Sahara" im Gepäck?
Böhmisch: Ich hab’ ihn mir vorgenommen. Glücklicherweise komme ich nach der Buchmesse wieder zum Lesen.
Ausstellenden Verlagen kann für die Zukunft nur geraten werden, vor 12 Uhr keine Veranstaltungstermine anzubieten, denn die ZuhörerInnen befinden sich noch draußen im Drück- und Schiebemodus.
Wer jetzt endlich drin ist, hat auch keine rechte Freude. An den Leseorten wird es schnell zu laut für konzentriertes Zuhören: Tosender Beifall vom einen Nachbarstand, laute Musik vom anderen. Eine neue Erfahrung bei Lesungen waren immerhin die durch die Halle wabernden Düfte von Pommesbratfett vom Hallenende, gibt dann das rechte Kirmesfeeling. Warum reichen da nicht die Stände auf den Freiflächen an den Hallenübergängen? Riecht im Wortsinne nach verschärftem Kommerz...
Aber dieses paßt auch ganz gut zu einer Messe, die ein Veranstaltungsprogramm, wie wir es bisher kannten, offensichtlich finanziell deutlich beschneidet zugunsten eines buchfernen schieren Events, kleineren Verlage die gemeinsame Lesebühne streicht usw.
Welche KollegInnen aus dem Buchhandel werden in Zukunft noch hunderte Kilometer zurücklegen, um von ihrer FACHmesse quasi ausgeschlossen zu werden? Warum gibt es nicht endlich Fachbesuchertage?
Es lohnt sich wahrscheinlich auch nicht, diese Fragen der Messeleitung vorzulegen, denn wie sich im obigen Interview zeigt, ist die Messedirektorin offensichtlich nicht willens oder fähig, auf konkrete Fragen eine entsprechende Antwort zu geben.
Frau Böhmisch & Team, ändern Sie die diesjährigen Zustände oder überlassen Sie es im nächsten Jahr anderen.
Buchhandlung BiBaBuZe, Düsseldorf