Auf einen Cider mit … Margit Walsø

"Ein Gastland-Auftritt ist eine beträchtliche Investition"

1. April 2025
Nicola Bardola

Margit Walsø, Leiterin des Zentrums für norwegische Literatur im Ausland Norla, freut sich über den regen Austausch über norwegische Literatur auf der Leipziger Buchmesse. Sie zieht Bilanz, verrät, wie Norla arbeitet und warum sie sich auf der Messe einen ruhigen Ort für den Austausch zwischen Agenturen und Verlagen wünscht.

Margit Walsø auf der Leipziger Buchmesse 2025

"Es ist schlicht überwältigend, hier in Leipzig den Enthusiasmus für Literatur aus Norwegen zu sehen. Am Gemeinschaftsstand herrschte ein ständiger und starker Besucherstrom. Das ist fantastisch und zeigt, dass Leipzig als Begegnungsstätte für Leser:innen und Autor:innen ein wundervoller und einzigartiger Ort ist“, sagt Margit Walsø, die Leiterin des Zentrums für norwegische Literatur im Ausland Norla (Norwegian Literature Abroad). "Dank unserer Organisation sind wir in der Lage, langfristig zu planen. Einerseits setzen wir Projekte um, wie den Gastland-Auftritt 2019 in Frankfurt, andererseits bleiben wir danach aktiv und pflegen, was anlässlich solcher Darbietungen und Programme geleistet wurde“, so Walsø. Norla versuche, die bestehenden und neue Kontakte zu intensivieren. Das betreffe sowohl Leser:innen und Autor:innen, als auch den Buchhandel und die Verlage. "Wir werden weiterhin versuchen, die Novitäten auf attraktive Weise zu präsentieren und Übersetzungen zu fördern. Und dazu stehen wir auch mit den Übersetzer:innen in Kontakt.“

Lange Signierschlangen und gute Buchverkäufe

Margit Walsø begann ihre Tätigkeit als Direktorin bei Norla 2011. Davor leitete sie die Belletristik bei Samlaget, einem der renommiertesten Verlage Norwegens, der 1868 gegründet wurde und Autor:innen wie Elena Ferrante oder Jon Fosse veröffentlicht. "So ein Gastland-Auftritt ist eine beträchtliche Investition, die zuallererst den 50 Autor:innen zugutekommt, die in rund 80 Veranstaltungen aufgetreten sind. Das ist der Kern unserer Tätigkeit gewesen und unsere Anstrengungen fließen vor allem in dieses Lese-Programm. Ich glaube, dass wir das sehr zielgerichtet durchgeführt haben und dass uns die Erfolge und der Zuspruch des Publikums recht geben. Nach jeder Lesung sehen wir lange Signierschlangen. Natürlich wirkt sich alles auch auf die Buchverkäufe aus. Das freut nicht nur die Autor:innen sondern auch ihre deutschen Verleger“, so Margit Walsø. Sie ist selbst Autorin und hat zahlreiche Bücher in verschiedenen Gattungen veröffentlicht, u.a. 2007 die Romanbiografie "Geliebter Voltaire“ (dtv) über das Leben von Émilie du Châtelet.

Ein ruhiger Ort für Agenturen und Verlage

"Natürlich wird unser Stand nächstes Jahr in Leipzig nicht so groß sein wie der jetzige, aber wir werden wieder gut wahrnehmbar hier präsent sein, und zwar stärker als in den Jahren davor. Wir wollen hier einen Treffpunkt anbieten, an dem man sich austauschen kann“, kündigt Walsø an. Früher seien norwegische Verleger und Agenten nur selten nach Leipzig gekommen. Für Norla sei es aber wichtig, dass so ein Gastland-Auftritt gut genutzt werde. "Wir haben den norwegischen Buchmarkt in unsere Aktivitäten hier stark miteinbezogen. Viele Lektor:innen sind jetzt mit ihren Autor:innen hier, und natürlich treffen sie hier ihre deutschen Kolleg:innen.“ Die Stimmung sei so enthusiastisch für das Buch und für das Lesen, das übertrage sich auch auf das Geschäft. "Ich fände auch einen Ort auf dem Messegelände als eine Art Agentenzentrum interessant, an dem sich Agenturen und Verlage in Ruhe austauschen können. Und ein Messegang zeigt ja, dass die Zahl internationaler Aussteller wächst. Die Mischung von großem Lesefest und Geschäftstätigkeit fände ich gut“, sagt Walsø. Das könne zu neuen und mehr Übersetzungen führen, denn die deutschen Verleger seien hier in ihrer Vielfalt präsent. Internationale Verlage und Agent:innen könnten sie hier an einem Ort treffen. "In Leipzig kann ein Land sehr viel für die eigene Kultur tun. Nach uns werden sich viele weitere Nationen präsentieren, und ich kann nur empfehlen, solche Angebote anzunehmen und dann mit viel Engagement hier aufzutreten.“