Umfrage im Buchhandel: Spartipps von Kolleg:innen

Wie senken Sie die Kostenlast?

24. Februar 2025
Redaktion Börsenblatt

Die Kosten im Buchhandel sind explodiert. Wo setzen Buchhändler:innen im Geschäftsalltag den Rotstift an? Und was macht ihnen Hoffnung - trotz der fragilen Lage im Sortiment? Antworten aus Potsdam, Mühlhausen, Rostock und Kulmbach.

Manfred Keiper, Andere Buchhandlung, Rostock

Manfred Keiper vor Bücherwand

Manfred Keiper

Durch die frühzeitige Umstellung auf eine LED-Beleuchtung konnten wir die Stromkosten halbieren. Aktuell blicken wir auf die Wärmeversorgung und den Wärmeschutz.

“Ich habe mich schon lange, bevor das Thema Kostensteigerung aufgekommen ist, um eine Reduzierung der Kosten gekümmert. So haben wir unsere Bestellorganisation optimiert, um den Kleinversand zu vermeiden. Das war nicht immer ganz einfach, da wir uns auch als Dienstleister für Kultur und Bildung verstehen und so jedes lieferbare Buch auch für die Kunden bestellen. 

Durch die frühzeitige Umstellung auf eine LED-Beleuchtung konnten wir die Stromkosten halbieren. Aktuell blicken wir auf die Wärmeversorgung und den Wärmeschutz. Wichtig ist auch durch Weiterbildung der Mitarbeiter Arbeitsprozesse zu optimieren, effektiver zu machen und Schnittstellen einzurichten, zum Beispiel, wenn Bestellungen von Bibliotheken automatisch eingelesen werden. 

Dem entgegen stehen dann wieder Tarifsteigerungen von über zehn Prozent. Aber wir haben bereits viel auf den Weg gebracht, was mir auch für das laufende Jahr Hoffnung macht.”

Christine Friedlein, Buchhandlung Friedrich, Kulmbach

Christine Friedlein im Laden

Christine Friedlein

Beim Bestellen sollte man im Gespräch mit Vertretern auch auf den Portoausgleich achten, um zum Beispiel Freiexemplare für das Porto zu bekommen.

Christine Friedlein, Buchhandlung Friedrich, Kulmbach

“Sparen sollte man auf jeden Fall nicht am Personal. Eine Verjüngung macht dort aber durchaus Sinn, weil man mit jungen Mitarbeiter auch besser den Verkauf ankurbeln kann. 

Ein Thema mit Sparpotenzial ist die Energie. Hier sollte man bei Bedarf den Stromanbieter wechseln und verstärkt zum Beispiel auf energiesparende Leuchtmittel setzen. Wichtig ist zudem, mit dem Vermieter in einem guten und freundschaftlichen Austausch zu bleiben. So konnte ich sogar die Mietkosten senken

Beim Bestellen sollte man im Gespräch mit Vertretern auch auf den Portoausgleich achten, um zum Beispiel Freiexemplare für das Porto zu bekommen. Ebenso wichtig ist der aktive Verkauf, um das Warenlager zu senken, aber trotzdem eine gute Auswahl anbieten zu können.

Hoffnung macht mir, wenn ich das Positive für mein Unternehmen mehr in den Vordergrund rücke als das Negative - und wenn ich dankbar bin, für das, was gerade ist.”

Stefan Bellin, Internationales Buch, Potsdam

Stefan Bellin in der Buchhandlung

Stefan Bellin

Viel gebracht hat uns die Anpassung der Öffnungszeiten von 9.30 bis 19.30 Uhr auf 10 bis 19 Uhr. Das Kundenverhalten hat sich geändert, die Leute sind vormittags später unterwegs.

“Wir arbeiten bereits seit Langem so effektiv, dass aktuell jede weitere Einsparung zu Lasten des Services gehen würde, was wir nicht wollen. Viel gebracht hat uns die Anpassung der Öffnungszeiten von 9.30 bis 19.30 Uhr auf 10 bis 19 Uhr. 

Das Kundenverhalten hat sich geändert, die Leute sind vormittags später unterwegs. So konnten wir den Personaleinsatz optimieren und haben trotzdem keine Veränderungen beim Umsatz gehabt. Wichtig ist die Öffnungszeit am Samstag von 10 bis 18 Uhr. Diese ist für uns optimal, da gibt es keinen Leerlauf. 

Viel gebracht hat auch die Investition in eine sparsame LED-Beleuchtung. Außerdem haben wir versucht, soweit das möglich ist, das Bestellwesen zu bündeln und zusammenzufassen. 

Hoffnung macht mir bei der sehr schwierigen Weltlage, dass es bei uns hier im Geschäft beim täglichen Umgang mit den Kunden weiter gut funktioniert und dass hier Menschen gut zusammenarbeiten und leben können.”

Heike Strecker, Christliche Buch- und Kunsthandlung C. Strecker, Mühlhausen

Heike Strecker in ihrer Buchhandlung

Heike Strecker

Gut funktioniert hat bei uns zum Beispiel der optimierte Einsatz von verschiedenen Elektrogeräten - wie bei unserer Industriespülmaschine für die eigene Gastronomie im Laden. 

“Einsparen kann man natürlich immer, wenn man sich selbst als Buchhändler entsprechend ausbeutet. Ob das der optimale Weg sein kann, bleibt fraglich. Die Öffnungszeiten wären das Letzte, wo ich einsparen würde. 

Gut funktioniert hat bei uns zum Beispiel der optimierte Einsatz von verschiedenen Elektrogeräten - wie bei unserer Industriespülmaschine für die eigene Gastronomie im Laden. 

Bei den Bestellungen ist es wichtig, sich um Rabatte zu bemühen und möglichst zu viele Einzelbestellungen zu vermeiden

Hoffnung macht mir, dass wir beim Sortiment gut aufgestellt sind und dass der Nonbook- und der gastronomische Bereich einen guten Ausgleich im schwierigeren Buchgeschäft mit direkten Konkurrenten wie Thalia und Hugendubel bieten. Hoffnung macht uns auch, dass der Tourismus in unserer Stadt zunimmt und wir direkt an einem der touristischen Hotspots unser Geschäft haben. Insofern gibt es keinen Grund, ängstlich in die Zukunft zu blicken.”