Produktionskosten

Der Farbschnitt greift um sich

26. März 2024
von Sabine Cronau und Stefan Hauck

Farbschnitte gibt es nicht nur im Romance-Regal. In diesem Bücherfrühling schmücken sich auch Krimis und Kochbücher, Ratgeber und Journals damit. Macht der Farbschnitt Schule? Und wann rechnet er sich?

Ob Romance, Krimi oder Ratgeber: Der Farbschnitt wird immer ausgefeilter – und das Lesebändchen manchmal zur drei­dimensionalen Täuschung.

Der Goldschnitt im Mittelalter, die grünen arsenhaltigen Farbschnitte des 19. Jahrhunderts – Papierkanten zu veredeln, ist keine neue Erfindung. Ullstein nutzte das Gestaltungselement erstmals 2012 bei ­Corinna Bomanns Roman »Die Schmetterlingsinsel« – und zog die Blüten des Covers in den Buchschnitt. »Das waren zarte Blüten, nicht vollflächig, die hat der Handel nicht wahrgenommen«, erinnert sich Thienemann-CEO Sven Zorman, der für das Mutterhaus Bonnier die Buchproduktion koordiniert. 

Inmitten des Romance-Farbschnitt- Hypes sieht er einen steigenden Bedarf: »Man muss Druckereien früh beauftragen und genau kalkulieren – denn in der Produktion sind ­Farbschnitte ein verlangsamender Faktor. Eine Maschine schafft etwa 250 pro Stunde.« Schwierig wird es, wenn 15.000 Vormerker für eine Startauflage von 12.000 Farbschnitt- Exemplaren eingehen. Denn dann kann es passieren, dass einige Abnehmer leer ausgehen. Weil Farbschnitte ihre Zeit brauchen und Zusatzkosten von bis zu einem Euro pro Buch verursachen, wird nicht eben schnell mal nachproduziert. Und ohne Farbschnitt, stellen Buchhändlerinnen fest, möchten Kundinnen das Buch oft nicht mehr haben: »­Romance-Nachauflagen ohne Farbschnitt funktionieren eigentlich nur dann, wenn der Titel zu einer erfolgreichen Serie gehört, inhaltlich begeistert und gern empfohlen wird oder von einer Bestsellerautorin geschrieben ist.« Und wie steht es um die Nachhaltigkeit im Farbschnitt? »Das kommt ganz darauf an, welche Farben genutzt werden«, so Zorman. »Die Recyclingfähigkeit der Farbe ist uns sehr wichtig, darüber sind wir in engem Austausch mit unseren Druckdienstleistern. Dies trifft auf die Farbe für den Farbschnitt ebenso zu wie auf die eingesetzte Farbe in der Offsetproduktion.«
 

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