Neuer Leiter, neues Programm am Literaturhaus in Frankfurt

"Kein Reinheitsgebot"

26. August 2010
Redaktion Börsenblatt
Die Befähigung zum „Selbstwiderspruch“ soll das Programm des Frankfurter Literaturhauses auszeichnen. Gemeint ist damit, dass das Haus am Mainufer Ort für Veranstaltungen sein will, „die auf  den ersten Blick nicht zueinander passen“. Das sagte der neue Leiter des Hauses, Hauke Hückstädt, heute bei der Vorstellung des ersten von ihm konzipierten Programms.

Zu den neuen Formaten zählen Werk-Tage, vorgestellt werden soll das bisherige künstlerische Schaffen eines Autors. Den Anfang macht Emine Sevgi Özdamar im Gespräch mit der Literaturwissenschaftlerin Heidi Gidion. Unter den Überschriften Mitglieds-Heim sowie Hütten und Paläste sind Lesungen in privaten Räumen geplant. Der Schriftsteller Thomas Hettche spricht mit Künstlern in einer weiteren Reihe darüber, wie ihre Kunst die Biografie bestimmt; zur Premiere trifft er den Regisseur Hans-Jürgen Syberberg.

Hückstädt kündigte an, mit ihm werde es am Literaturhaus „kein Reinheitsgebot" geben. Neben berühmten Autoren wie Jonathan Frantzen oder Herta Müller soll etwa die Fußball-Weltmeisterin Renate Lingor zu Gast sein. Auch ein Musik-Abend mit Texten und Noten von Schönberg, Webern und Berg ist angekündigt.

Deutlicher profilieren will sich das Haus auch mit dem Kinder- und Jugendprogramm. Die Vermittlung von Literatur sei weit im Rückstand, sagte Hückstädt mit Blick auf den Sport oder die Angebote von Museen. „Wir können das nicht wettmachen, aber wir wollen aufholen", versprach er.

Die dringlich gesuchten zusätzlichen Sponsoren hat das Literaturhaus bislang noch nicht gefunden . „Wir arbeiten daran", beschied der neue Leiter.