Die Liebe zum wissenschaftlichen Buch, das sich auch in seinem Äußeren als anspruchsvoll präsentiert und zur Bibliophilie, kurz das unbedingte Bedachtsein auf Qualität als das Dauernde im Wechsel der Publikationswelt, war Richtmaß für die Arbeit dieses von humanistischer Bildung geprägten, leidenschaftlichen Verlegers. Sie haben sein Leben und Wirken bestimmt.
Die Stationen des beruflichen Werdegangs von Ludwig Reichert sind rasch aufgezählt. Seine ersten Sporen als wissenschaftlicher Verleger verdiente er sich von 1949 bis 1953 beim C. Winter Universitätsverlag in Heidelberg. Danach verantwortete er den richtungweisenden Wiederaufbau des alten Leipziger Verlagshauses Otto Harrassowitz, das in Wiesbaden eine neue Heimat gefunden hatte. Schließlich entschloss er sich 1969 außerhalb der Traditionsgebiete von Otto Harrassowitz seine vielseitigen Ideen in einem eigenen Verlag zu verwirklichen und das verlegerische Feld neu zu bestellen.
Inzwischen hat der Dr. Ludwig Reichert Verlag einen festen Platz in der Verlegerlandschaft. Sein Inhaber-Verleger hat mit Beharrlichkeit und untrüglichem Sinn für geistigen Rang neue Wegemarken im unvermessenen Gelände gesetzt. Kultur- und Geistesgeschichte, Buch- und Bibliothekskunde, die Wissenschaft des Orients sowie das Faksimilieren hochkarätiger mittelalterlicher Handschriften sind die Schwerpunkte seines Verlagsprogramms, das zu einem Gütezeichen für hohe Ansprüche an die Ästhetik und sachliche Verlässlichkeit der Publikationen des Dr. Ludwig Reichert Verlags geworden ist.
1994 hat Ludwig Reichert, auf ein erfülltes Verlegerdasein zurückblickend, sein wohlbestelltes Haus in die Hände seiner Tochter Ursula gelegt.