Folio Verlag

Unabhängigkeit durch Veränderung

31. März 2025
Stefan Hauck

Die ständige Bereitschaft, neue Wege zu gehen, macht ihn produktiv: Der Folio Verlag bringt erfolgreich Regionalia, italienische und südosteuropäische Literatur in den Handel. Ein Porträt.

Lichtdurchflutet: Blick in die Verlagsräume in Bozen.

Na klar, das sind doch die mit dem Ötzi: Bis in die kleinste Stadtteilbuchhandlung bekannt ist der Folio Verlag, weil er sich seit 1998 um den "Mann aus dem Eis" kümmert – "wir haben alles rund um Ötzi gemacht", sagt Hermann Gummerer. "Die Gletschermumie" ist längst in der elften Auflage und wurde laufend aktualisiert. Damit die Leserschaft am Ball bleibt, lassen sich Gummerer und Ludwig Paulmichl einiges einfallen: So erschien im Herbst "Cold Case Ötzi", in dem ein Profiler, ein Rechtsmediziner und ein Archäologe erstmals alle Indizien zum True-Crime-Fall wie Puzzleteile zusammenfügen. 

Aber Folio ist viel mehr als der ­Ötzi-Spezialist: ein Verlag, der mit Belletristik, Kriminalromanen, Reiseliteratur und Gourmandisen re­üssiert. Ein Verlag, der auf seine Unabhängigkeit großen Wert legt. Ein Verlag, der sich seit 30 Jahren immer wieder neu erfindet. Kennengelernt haben sich die Verleger in Wien; Gummerer (Jahrgang 1962) studierte Philosophie und Germanistik, Paulmichl (Jahrgang 1960) Philosophie und Theaterwissenschaften. "Wir haben uns dort oft im Café Votiv getroffen, wo ein Nukleus gescheiter Leute, Künstler und spätere Suhrkamp-Autoren 'kluge Reden' gehalten, aber nicht studiert hatten", erinnert sich Paul­michl und schmunzelt.

Nach dem Studium hatte Paulmichl im Europa Verlag gearbeitet, Gummerer im kulturellen Bereich, in Lana südlich von Meran zogen sie mit Oswald Egger literarische Events auf mit Größen wie Herta Müller und H. C. Artmann und publizierten graue Literatur. "Aber irgendwann wollten wir eine stärkere Professionalisierung", meint Gummerer, "und dachten unbekümmert, die Buchhandelslandschaft warte auf uns." 1992 gründeten sie Folio zunächst als Dienstleistungsbüro für den Buchsektor und publi­zierten Auftragsbücher wie "Der Original-­Haflinger" für einen Pferdezuchtverband.

Nicht alles machen, sondern Konzentration auf drei Säulen war das Stichwort für die nächste Etappe: regionales Sachbuch, Kunstkataloge für Museen und Künstlerbücher sowie Literatur. Längst sind die ­Absätze mit Kunstbüchern im Keller – so reduzierte Folio diese suk­zes­sive und nahm mehr Südtirol-­Reiseführer ins Programm, die um die Jahrtausendwende fünfstellige Auflagen bescherten: Titel zu Me­ran, Südtiroler Landgasthöfen, Almen, "aber irgendwann gingen die Themen aus", stellt Gummerer fest. Eine Zeit lang seien auch Jubiläumsbände für Kommunen ein gutes Geschäft gewesen, ergänzt Paulmichl. 

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