Scharfe Kritik an KNV-Kooperation mit Amazon

"Ihr sägt an dem Ast, auf dem wir sitzen"

Die Ankündigung von Amazon Publishing, seine deutschsprachigen Titel als Printbücher über das Barsortiment KNV dem stationären Buchhandel anzubieten, stößt unter Buchhändlern auf breite und heftige Ablehnung. Thalia-Chef Michael Busch warnt die Branche eindringlich: "Wer diese Bücher jetzt bei KNV bestellt, sägt an dem Ast, auf dem wir alle sitzen", sagte er am Mittwoch Börsenblatt online.

© KNV / Montage

Thalias Haltung dazu sei seit langem eindeutig: "Wir werden das nicht machen." Auch die Geschäftsführer von Osiander und der Mayerschen, Christian Riethmüller und Hartmut Falter, halten nichts von der KNV-Amazon-Kooperation. Wie Busch, geben auch sie die Gefahr einer absehbaren Totalabhängigkeit des Selfpublishing-Marktes von dem Konzern aus Seattle zu bedenken: Es sei Amazons erklärtes Ziel, den Selfpublishing-Markt vollständig zu dominieren. 

Michael Busch

Michael Busch © Matthias Graben

"Diesem Ziel sind die Amerikaner mit der KNV-Vereinbarung nun entscheidend nähergekommen – zum Nachteil des Wettbewerbs in Deutschland", kritisiert Riethmüller. Falter ergänzt: "Das einzige Argument gegen Amazon Publishing, auf dem dortigen Publikationsweg keine physische Sichtbarkeit im Buchhandel zu bekommen, würde mit Bestellungen von Amazon-Titeln über KNV auch noch kaputt gemacht."

Hartmut Falter

Hartmut Falter © Mayersche

Christian Riethmüller

Christian Riethmüller © Ferdinando Iannone

In der Tat: Selfpublisher, die bei Amazon veröffentlichen, binden sich exklusiv an den Konzern. Das einzige überzeugende Argument diesen Autoren gegenüber, in offenen Systemen wie beispielsweise Tolino Media, Epubli und Neobooks oder auf anderen Plattformen zu publizieren, war bisher die Aussicht, auf die Weise potenziell auch den stationären Buchhandel zu erreichen. Falls der Buchhandel jetzt in die Falle tappe, so Busch, sei es "nur noch eine Frage der Zeit, bis Amazon auch bei diesen Titeln dem gesamten stationären Handel die Konditionen diktiert". Auskömmliche Margen adé. Sein Appell: "Selfpublishing ist ein Wachstumsmarkt, Buchhändler die bei Tolino teilnehmen, erleben dort viele gute Selfpublishing-Autoren. Tolino ist eine Lösung, von der Branche für die Branche. Wir würden uns wünschen, wenn der Buchhandel sie breit für seinen Erfolg nutzen würde."

Angelika Siebrands

Angelika Siebrands © privat

Lorenz Borsche

Lorenz Borsche © Nicole Hoehne

Der Vorstand der buchhändlerischen Genossenschaft eBuch findet ebenfalls deutliche Worte, vor allem in Richtung KNV: "Das ist die dümmste Idee, auf die KNV bislang gekommen ist, denn so öffnet man dem zukünftigen Monopolisten Tür und Tor", heißt es in einer Stellungnahme der eBuch-Vorstände Angelika SiebrandsLorenz Borsche und Michael Pohl. Es falle einem, schreibt das Trio, sogleich Biedermann und die Brandstifter ein. "Der Biedermann sitzt in Erfurt – und der Buchhändler in der Falle, denn das Argument, Amazon-Titel gäbe es im Buchhandel nicht, ist damit aufgehoben." Die eBuch-Spitze schließt mit Sarkasmus: "Danke KNV, großartige Idee. Wie verzweifelt ist man in Erfurt?"

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44 Kommentar/e

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  • Klaus-Peter Stegen

    Klaus-Peter Stegen

    Gestern schon getwittert, das Amazon nun auch seine Marktforschung bezahlt bekommt. Für Amazon ein Erfolg, für die Branche die nächste Stufe abwärts.

  • Peter Hellinger

    Peter Hellinger

    Das Gejammere verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Kein Buchhändler ist doch gezwungen irgendein Buch von irgendeinem Verlag anzubieten. Bekomme ich zumindest als Kleinverleger immer gesagt, wenn ich die Unterrepräsentation der Kleinverlage im Buchhandel bemängele.

    Amazon Publishing ist zunächst einmal ein Verlag wie alle anderen und wird (Buchpreisbindung sei Dank) auch dem Buchhandel entsprechende Konditionen bieten, die man bisher eben nicht bieten konnte oder wollte, sonst sind sie ja aus dem Spiel von vorneherein raus. Die Titel von AP müssen halt jetzt einfach beweisen, dass sie auch im Laden nachgefragt werden, wie alle anderen Verlagstitel auch, die über den Großhandel zu beziehen sind. Insofern ist das nur eine Frage der Gleichbehandlung von Verlagen durch den Großhandel.

    Wenn ein Kunde in den Laden kommt und ein Buch aus dem Programm von Amazon Publishing haben möchte, würde ich gerne den Buchhändler sehen, der den Kunden wieder wegschickt und ihn damit wohl für immer verliert. Ich würde in so einer Buchhandlung jedenfalls nichts mehr kaufen wollen - aus Kundensicht.

    Amazon die Beherrschung des Selfpublisher-Markts vorzuwerfen ist einfach lächerlich, denn VOR Amazon gab es den Selfpublisher-Markt nicht oder hatte mit gewissen Schmuddle-Image-Verlagen tun, die man ebenfalls nicht in der Buchhandlung fand. Wie oft gab es schon die Diskussionen, dass Selfpublishing schon aufgrund der vorgeblich schlechten Qualität nichts im Buchhandel zu suchen hätte? Selfpublisher-Titel von Rowohlt, Droemer oder KiWi via Neobooks "Gut", von Amazon Publishing "Böse"? Das kann doch nicht ernsthaft die Diskussion sein!

    Kann es dem Buchhandel denn nicht egal sein, ob das Buch, das bei ihm im Laden gekauft wird, von Verlag A mit Selfpublisher-Autoren oder von Verlag B mit herkömmlicher Entstehungsgeschichte produziert wurde? Müssten sich nicht vielmehr Verlage Sorgen machen, ob das Konzept "Verlag" in der heutigen Zeit nicht etwas überkommen ist? Auch diese Diskussion läuft ja schon länger in der Branche. Als Verleger mache ich mir da schon mehr Gedanken um meine Zukunft ...


  • Harald Kraft

    Harald Kraft

    Die Details zwischen der Kooperation von KNV mit Amazon sind sicher
    bis jetzt sicher nicht so richtig an die Öffentlichkeit gekommen.
    Sollte da dann Amazon in das Barsortiment Koch, Neff sozusagen
    eine Mitsprache bekommen, dann wäre bald der gebundene Ladenpreis
    für Bücher vielleicht auch noch gefährdet.
    KNV war bisher ein großes Barsortiment mit Profil.
    Wenn Amazon da eine Mitbestimmung in der zukünftigen Ausrichtung von
    KNV erreicht, würde die Struktur des Barsortiments eines Tages anders
    aussehen.
    Die Frage darf sicher gestellt werden: Was verspricht sich KNV von einer
    Kooperation mit Amazon?
    Es sollte jetzt noch zu dieser Verbindung KNV mit Amazon eine Erklärung
    vom Börsenverein erfolgen. Dies wäre notwendig, um auch von KNV
    eine Antwort zu bekommen, auf welche doch jetzt die Buchbranche wartet.

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    Na prima, für sagenhafte 33% Rabatt sollen die Sortimenter also helfen, die bislang so "proprieträre" Braut Amazon-Publishing plötzlich auf dem offenen und großen Heiratsmarkt unters Volk zu bringen - das ist in der Tat ein mephistophelischer Pakt.

    Kein bei Sinnen seiender Buchhändler legt nun von dem angebotenen Kram irgendwelche Stapel ins Geschäft, aber er bestellt ggf. auf Anfrage des Kunden. Und das ist der Sinn der ganzen Übung: Amazon macht sich über uns Sortimenter als Verlagsmarke SICHTBAR und gaukelt damit dem Kunden vor , für uns ein ganz normaler Handelpartner zu sein. DAS SIND SIE ABER EBEN NICHT!

    Ein jeder Sortimenter darf und soll frei entscheiden, was er nun tut. Und er oder sie sollte gepflegt drüber nachdenken, wie man mit dieser Geschichte umgeht - denn noch sind wir da und frei.

    Aber Erfurt hat mit dieser Aktion in der Tat die Büchse der Pandorra geöffnet, was mir persönlich dieses BS nicht sympathischer macht . Meiner Einschätzung nach rotiert ob der so unsinnigen und letztendlich furchtbaren Aktion des Filius der sehr geschätzte Herr Voerster senior ganz gewaltig in seinem Grab...

    Sehr, sehr schade wie im Buchhandel über alle Stufen hinweg Fronten wegbrechen...

  • Bücherfreund

    Bücherfreund

    Ach, wie heißt nochmal das große Buchhandelsunternehmen, das kürzlich versucht hat seine WKZ-Forderungen, sogar rückwirkend per Massenbrief ihren Lieferanten aufzuzwingen ? Das Börsenblatt hat ausführlich darüber berichtet. Und ist es der richtige Weg im Sinne einer Kundenorientierung ein Verlagslabel " unsichtbar " für den den Kunden zu machen ? Sehr viel scheinheiliges Gebahren in diesem Artikel leider. Wenn sich Filialisten als Retter der Branche, womöglich des Buchhandels darstellen, kann man wirklich von Sarkasmus sprechen.

  • Johannes Haupt

    Johannes Haupt

    Entweder die halbe Branche hat nicht verstanden, was da jetzt eigentlich passiert ist, oder aber der Autor des Artikels. Amazon Publishing (800 Titel) != Amazon Self Publishing (Millionen Titel)! Damit hinkt auch jeder Vergleich zu Tolino Media, Neobooks & Co.

  • Michael Simon

    Michael Simon

    Man kann sich ja gerne branchenpolitisch darüber echauffieren, aber wie hoch genau ist den der Umsatz den die großen Fillialisten mit Tolinotiteln machen, und wo sind sie in den Fillialen präsent? Würde man eine fiktive Umsatzstatistik machen mit den verkauften gedruckten Selfpublishertiteln von Tolino und nachgefragten, aber bisher nicht bestellbaren, Amazon Publishing-Titeln, läge Amazon publishing wohl eindeutig in der Führung. Aus Sicht der KundInnen und des buchhändlerischen Alltags ist die Kooperation aber eine gute Sache, muss die Kundin doch jetzt nicht mehr enttäuscht den Laden verlassen und BuchhändlerInnen können Umsatz in ihrer Kasse verbuchen, der sonst bei Amazon gelandet wäre.

  • Outsider - Buchleser

    Outsider - Buchleser

    Wenn ich als Kunde zu einem Buchhändler gehe, dort ein Buch aus dem AP-Programm bestellen möchte, dann weggeschickt werde, weil der Händler Amazon boykottiert...wo würde ich mir das Buch dann bestellen?!
    Und Quizzfrage des Jahres - Würde ich dann jemals wieder zu diesem Händler gehen?
    Schon sehr zweifelhafte Einstellungen die hier argumentiert werden. Ich dachte, der stationäre Handel will uns Kunden dazu bewegen "wieder" in die Läden zu kommen?!
    Sehr komische Herangehensweise...

  • Melanie Lahmer

    Melanie Lahmer

    Da haben mehrere Menschen offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worüber sie da reden:
    Amazon Publishing ist der Verlag von Amazon und hat mit Selfpublishing rein gar nichts zu tun.
    Bei Amazon Publishing veröffentlichen teilweise renommierte Autoren aus anderen Verlagen, aber auch viele Neulinge. Amazon Publishing bietet seinen Autoren die gleichen Dienstleistungen wie alle anderen Verlage: Lektorat, Korrektorat, Proficover, ...
    Und Amazon Publishing wählt seine Autoren ebenso aus wie alle anderen Verlage.
    Kurz: Es ist ein völlig normaler Verlag.

    Dass sich der Artikel dann ausschließlich um Selfpublishing dreht, zeigt nur, dass sich die angeblichen Fachleute noch nicht einmal informiert haben.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Auch ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Amazon merkt, dass die Wirkung von Amazon Publishing eben limitiert bleibt, weil ohne einer Buchhandelspräsenz der Titel daraus nie gleichwertige Bücher werden. Sie werden kaum rezensiert, finden in den Medien nicht statt, bleiben in einem Partialdiskurs stecken. Dass auch ein Amazon-Vertreter, der durch die Buchhandlungen reist kaum große Stückzahlen notieren würde, ist auch anzunehmen. Wenn ein Buchhändler die Titel nicht einkaufen will, dann muss Amazon das hinnehmen. Umgekehrt muss aber ein Buchhändler keinen Kunden wegschicken, der nach einem Amazon-Titel fragt, sondern kann ihn Dank Barsortiment versorgen. Wenn er will.
    Auch für den Zwischenbuchhandel kann ich keinen Fehler sehen. Als Branche müssen wir dafür kämpfen, dass möglichst alle Bücher verfügbar sind, damit jeder Buchhändler für sich entscheiden kann, was er verkaufen will und was nicht. Ihm die Entscheidung "abzunehmen", indem die Einkaufsmöglichkeit unterbunden wird, kann nicht der Weg sein, den wir angesichts unseres Auftrags für Meinungsfreiheit richtig finden.
    Aus Verlagssicht ist das natürlich unerfreulich, wenn Amazon Publishing den Wettbewerbsnachteil einer fehlenden Präsenz im Buchhandel ausgleicht. Aber ganz ernsthaft, davon wird ein schwaches Programm auch nicht stark. Wenn Amazon gute Programmarbeit macht, dann wird man sich mit der Konkurrenz auseinander setzen müssen, wie mit jeder anderen auch. Bislang hat Geld noch selten ein nachhaltiges Programm bewirkt.
    Angesichts der Bedrohung des stationären Buchhandels durch Amazon finde ich das Thema Amazon Publishing im Barsortiment geradezu lächerlich. Die Verlage haben Amazon groß gemacht (oder zumindest den Aufstieg nicht gebremst). Da werden sie sich mit Amazon als Verleger nun eben auseinander setzen müssen.

  • Stimmt ja nicht

    Stimmt ja nicht

    "Selfpublisher, die bei Amazon veröffentlichen, binden sich exklusiv an den Konzern."
    Selten so einen Quatsch gelesen. Wer stellt denn solche unwahren Behauptungen auf? Zudem stünde es dem Buchhandel ja frei, Tolino noch besser aufzustellen und für Autoren attraktiver zu machen (eine "Präsenz" im Buchladen zum Beispiel nicht nur mit Worten zu beschwören, im Onlinebereich nicht nur immer dieselben fünf Autoren nach oben zu spülen, auch mal anspruchsvollere Titel sichtbar zu machen usw. usf.).

    Davon abgesehen geht es hier ja, wie oben schon erwähnt wurde, gar nicht um Selfpublishing-Titel, sondern um die der Amazonverlage. Der Handel bekommt die Chance, an diesen mitzuverdienen, im Wesentlichen ohne eigenes Zutun.

  • westfalenteufel

    westfalenteufel

    Liebe Leute der Buchbranche,

    schon ein Wahnsinn, wie hier verschiedene Leute die Welt verdrehen. Ausgrenzung oder Zensur hat in Deutschland noch nie ein positives Ergebnis hervorgebracht. Gerade wir Deutschen halten Pressefreiheit, freie Meinungsäußerung, Preisbindung und auch eine freie Wirtschaft für besondere Güter.
    Nun verurteilt also die Tolino Allianz die Aufnahme von Büchern bei einem Zwischenbuchhändler! Welche Bücher darf denn der Zwischenbuchhandel zukünftig noch führen liebe Herren? Vielleicht die vom Beck Verlag, der mit stationären Filialen und Onlinepaketen seit Jahren dem Handel den Markt erschwert?
    Ist Ihr Tolino Markt den allen Buchhändlern frei zugänglich, mit akzeptablen Rabatten und in kleinen Mengen ohne zusätzlichen Bedingungen erhältlich? Ich glaube nicht!
    Amazon ist sicherlich kein vertrauensvoller und/oder verlässlicher Partner aber soweit ich weiß assoziiertes Mitglied im Branchenverbund. Mit welchem Recht, außer einem Wirtschaftlichen, soll dann ein Zwischenbuchhändler diese Titel verweigern?
    Ob eBay Kooperation, WKZ Forderungen oder monatliche Filialübernahmen. Ihre Unternehmen handeln ausschließlich nach wirtschaftlichen Faktoren und Gewinnmaximum. Genau dieses werfen Sie nun Amazon vor?
    Sind Sie mit Ihrem Latein so schnell zu Ende oder haben Sie keine geniale Ideen mehr?
    Wir kleine Buchhändler nicht, wir wehren uns wie ein gallisches Dorf und werden das neue Angebot sicher nicht bewerben, aber nutzen wenn es unser Kunden so möchte.

  • Thomas C. Cubasch

    Thomas C. Cubasch

    Auch wenn ich nur Verleger und kein Buchhändler bin:
    Wäre ich bei KNV im Barsortiment, ich würde mich von dort verabschieden. Das ist eine Aktion, die viel mit Solidarität zu haben sollte - ich erachte die Entscheidung der Geschäftsleitung als unfreundliche Haltung gegenüber dem bisherigen stationären (auch Online-) Buchhandel. Ist das nicht so, als fiele man den bisherigen Kunden in den Rücken? Hat man sich das wirklich gut überlegt?

  • D. Orie

    D. Orie

    Jens Bartsch: Was meinen Sie bitte mit "Na prima, für sagenhafte 33% Rabatt sollen die Sortimenter also helfen ..."? Die Rabatte, die Verlage den Sortimentern einrichten müssen, liegen doch eher bei 50 Prozent. Oder?

  • Klaus Dohmen

    Klaus Dohmen

    Ciao KNV.

    Die Dominanz der Mendenummer 17 bei KNV bekommt nun vielleicht noch ein paar neue Unternummern... Ist es dann etwa die 17a-z?
    »Führen wir nicht oder nicht mehr.«
    »Führten wir zu der Zeit, als König Herodes noch Gefreiter war.«
    »Können wir nicht führen.«
    »Wollen wir nicht führen.«
    »Führt ab sofort Amazon. Bestellen Sie es schnell und einfach dort.«

    Mal ehrlich, dann hat doch KNV - ausser Schokolade und Weinen - endlich mal wieder etwas Verkaufbares im Sortiment. Hat doch einen ganz besonderen Charme.

    Jedenfalls wünsche ich den KNVlern viel Glück und Erfolg bei all Ihren weiteren Vorhaben. Mögen eure verbleibenden Kunden noch leidensfähiger sein, als meine Buchhandlung.

    Froh bin ich, dass ich dieses Glück mit KNV nicht mehr teilen muss.

    Der August bescherte KNV den Weggang meines Unternehmens. Der Weggang bescherte meiner Buchhandlung ein völlig unerwartetes und dauerhaft anhaltendes Umsatzplus. Mit dem neuen BS hat meine Buchhandlung in den letzten drei Monaten mehr umgesetzt, als mit KNV bis Ende Juli. Und das alles ohne Meldenummer 17.

    Endlich muss meine Buchhandlung nicht mehr viele Titel bei Amazon beziehen, weil KNV mal wieder nur 17en ausspuckte.

    Von daher »Schana tova 5778« und natürlich »LeChaim« KNV.

  • Markus Weber

    Markus Weber

    Matthias Ulmer hat recht. Ist es nicht viel souveräner, jedes Buch besorgen zu können, als Kunden mit Bedauern und dem Verweis auf die nach Weltherrschaft gierende Versandkrake aus dem Laden schicken zu müssen?
    Und mit Meinungsfreiheit hat es natürlich auch etwas zu tun.

  • Felber Thomas

    Felber Thomas

    Natürlich verstehe ich als engagierter Amazon-Gegner die Unruhe, die der Zusammenschluss auslöst. Ich persönlich sehe aber eine große Chance, Kunden bedienen zu können, die gerne das bei Amazon erschienene Werk kaufen möchten, aber eben nicht bei Amazon.
    Nutzen wir doch die Möglichkeit, Kunden abzuziehen. Kein Buchhändler wird sich stapelweise Amazontitel in sein Sortiment legen. Das muss jeder für sich entscheiden. Wenn es die Titel nur bei Amazon gäbe, würde der interessierte Leser auch nur dort einkaufen.
    Und wenn jetzt KNV diese Kooperation eingeht, wird LIbri auf bald folgen.
    Also, was soll der Aufschrei, der Buchhandel wird sich verändern, ob mit oder ohne Amazon, die Devise ist, aufmerksam sein und agieren.
    Und jeder , der mit KNV Probleme hat, soll sich Libri an Bord holen - wir fahren zweigleisig und sehr erfolgreich, kost´zwar etwas mehr, aber der Kunde ist zufrieden. Und ob ich jetzt 25 % oder 40 % verdiene, mir ist der Kunde wichtig, der wiederkommen soll. Nur das Gesamtpaket lässt uns überleben.

  • Otmar Ihl

    Otmar Ihl

    Es gibt ja nicht nur das Barsortiment KNV dann welchselt man eben zu Umbreit. Wobei ich der Meinung bin, wenn die Margen stimmen warum nicht?

    Mich würde nur einmal interessieren wieviele Sortimenter denn am epub Geschäft etwas verdienen. Das meiste dürfte da bei den Ketten wie Thalia, Weltbild und Hugendubel hängen bleiben.

    Zu Zeiten als die noch hauptsächlich in Stuttgart waren und und KNOe geheisen hatten war mir die Firma Sympathischer. Wobei auch schon damals die Leute von Umbreit weit freundlicher und Hilfsbereiter waren, wenn man Fragen hat.




  • Karl der Große

    Karl der Große

    ... um „ Ausgrenzung oder Zensur in Deutschland“ geht es nicht, Amazon sucht nur einen Türöffner. Sie haben Geld genug um sogar selbst als Großsortimenter in Deutschland aufzutreten, Geld ist kein Problem. Die haben gerade für 13,4 Millarden U.S.-Dollar eine Supermarktkette in den USA gekauft, die sie eigentlich nicht brauchen... um in den 400 Stores ihre eigene Supermarktkette „Amazon Go“ aufzubauen. Wichtig waren Ihnen die 400 Stores. Auf Deutschland blickend könnte man sich fragen, warum bauen sie kein eigenes Großsortiment auf? ...im Wettbewerb mit KNV, Libri, etc. ...die Erfolgsaussichten wären wohl über kürzere Zeit gering... welcher Buchhändler würde sofort zu solch einem Grossisten wechseln, es gäbe zwar viele - aber es wären viel zu wenige. Amazon braucht einen anderen Vertriebskanal ... und hat nach Gierigen und Dummen Ausschau gehalten ... und gefunden... Schwaben sind nicht nur im Autobau gerne ohne jede Ethik dabei. Der Preis ist für sie entscheidend - und was unterm Strich dabei rauskommt. Herr Voerster glaubt einen fetten Fisch an der Angel zu haben, es ist aber leider nicht so. Amazon ist kein Fisch, den man an der Angel hat. Titel der aktuellen Zeitschrift „Bilanz“: „ gesunde Unternehmen wachsen - nur eines wuchert“, es ist mit keinem Unternehmen vergleichbar: das Unternehmen setzte letzes Jahr 136 Millarden U.S. Dollar um, hat zur Zeit einen Börsenwert von 540 Millarden U.S. Dollar und hat mehr Mitarbeiter als Apple , Microsoft, Google und SAP zusammen .... soviel zum Thema es handelt sich hier doch irgendwie eigentlich doch auch nur um einen normalen Verlag wie viele andere auch...
    Der Buchhandel tut gut, sich von dieser allesfressenden Krake fernzuhalten... kooperieren kann man mit ihr nicht. „Relentless“ ( zu Deutsch: unerbittlich) wollte der Chef von Amazon seine Firma einst nennen. Die Internetadresse leitet noch heute weiter zu Amazon.

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    Ach D,. Orie,

    <IRONIE AN!>Schön, dass Sie mich dran erinnern. Denn wegen der verlagsseits gewährten Rabatte von 50% macht unsere Buchhandlung in diesem Dezember ja den gemeinsamen Betriebsurlaub auf den Malediven!<IRONIE AUS!>

    50% (und WKZ+) bekommen in unserer Branche nur einige größere Marktteilnehmer hinterhergeworfen, u.a. eben Amazon. Der Großteil des stationären Buchhandels lebt da weit bescheidener und hat als Belohnung leider keine steuervermeidenden Modelle zur Hand.

    So ganz verstehe ich ihre Fragestellung noch nicht, sage aber mal, was wir hier als "Buchhandlung Goltsteinstraße" aktuell zu tun gedenken: Natürlich werden wir die Bücher nicht im Stapel einkaufen, auslegen und bewerben - denn warum sollen wir direkt oder indirekt unseren größten Konkurrrenten unterstützen? Aber natürlich werden wir auf Kundenanfrage die Titel via KV bestellen (müssen). Und das ist exakt der Punkt, den ich mit der geöffneten Büchse der Pandorra seitens KV meine - wir holen einen Anbieter, der uns alle (ob Sortimentsbuchhandel, Barsortiment oder Verlag) lieber heute als morgen sterben sähe, mit ins gemeinsame Boot KV - sei Dank!

    Und zu Klaus Dohmen: Da hat er völlig recht, die häufige Meldenummer 17 bei KV versprüht das Gefühl, als sei da soeben eine Unternehemensberatung durchs Lager gerannt und habe an ganz vielen Stellen mit den Augen der BWLer einfach "AUA - auslisten!" gesagt. Aber Gottseidank gibt es noch Mitbewerber und mit der Kombi Könemann/Libri und KV als zweites Glied haben wir in dieser Reihenfolge allerbeste Erfahrungen.

  • Bücherfreund

    Bücherfreund

    Ich glaube, es ist den Meisten hier klar: da haben das Börsenblatt und die vermeintlichen Tophändler des dt. Buchhandels ein Eigentor hingelegt und die Sache unnötig aufgebauscht. Ein schöneres Weihnachtsgeschenk kann man Amazon nicht machen. Auch ich bestelle lieber beim örtlichen Buchhändler als bei Amazon. Erstmal bitte richtig informieren und berichten und dann nicht durch eine hanebüchene Argumentation dem "Feind" in die Hände spielen. Es ist nach den Kommentaren wohl klar geworden, dass die Kooperation nicht auf breite Ablehnung im Buchhandel stößt, wie im Teaser behauptet wird. Schade auch, dass das Börsenblatt, das ja so die Vielfalt im Buchhandel fördern will, nur die Filialisten und ebuch zu Wort kommen lässt.

  • Nadine Dötsch

    Nadine Dötsch

    Endlich, muss ich keinen Kunden mehr deshalb wegschicken!

  • Klaus-Peter Stegen

    Klaus-Peter Stegen

    Was die Gutmenschen im Goldfischteich Buchhandel, dem aber das Wasser ausgeht, nicht verstehen ist, dass es Amazon völlig egal ist, was hier diskutiert wird. Sie nutzen, was legitim ist, abgesehen von den Kleinigkeiten Steuern zu zahlen und Tarifverträge abzuschließen, alle Wege an unsere Daten zu kommen. Die paar Euro-Krümel für den Amazon Verlag sind vollkommen irrelevant. Nur darum geht es. Meinungsfreiheit in allen Ehren: hier beginnt das Endspiel der Branche und nicht, ob man Kunden auch noch ein Buch vom ach so lieben Amazon Verlag verkaufen kann. Dieses Unternehmen hat ein Ziel, aber sicher nicht den stationären Buchhandel zu erhalten . Alle Indikatoren zeigen den sinkenden Wasserstand im Goldfischteich und auch KNV ringt um seine Existenz. Wie gesagt: Endspiel. Schade.

  • IF

    IF

    Was immer Amazon auch tut, reflexartig wird der Untergang des Abendlandes ausgerufen. Warum versuchen die anderen Marktteilnehmer nicht, Amazon etwas entgegenzusetzen, statt die immer gleichen Lamenti abzusondern? Amazon Publishing etwa wird nur dann Erfolg haben, wenn es Bücher verlegt, die auch gelesen werden. Vielleicht sollten die klassischen Verlage einfach einmal fragen, ob sie nicht viel zu oft an ihrer Zielgruppe vorbei verlegen.

    Was ich im Zusammenhang mit Amazon Publishing überhaupt nicht verstehe, ist die Aufregung des Buchhandels. Endlich öffnet sich doch dieser Verlag doch auch für diesen Vertriebsweg.

  • Achilles

    Achilles

    @ IF01.12.2017 11:11h

    "Untergang des Abendlandes"; "Verlage verlegen an der Zielgruppe vorbei"

    Hier diskutieren Unternehmer und Angestellte, die in den hochentwickelten Strukturen des deutschen Buchhandels ihren Lebensunterhalt verdienen und mit viel Erfahrung in diese Branche investieren. Hier diskutieren Menschen, die mit ihrer Arbeit ein einzigartiges kooperatives System geschaffen haben, welches in Gefahr läuft, durch einen Monopolisten dominiert zu werden - der zuerst die Preise und später auch die Inhalte bestimmt.

    Keiner von denen hier sieht "den Untergang des Abendlandes". Es sind zudem diejenigen Verleger, die Amazon 99,9% des Umsatzes mit Büchern verschaffen, denn welche Titel verkauft denn Amazon, wenn nicht die eben dieser Verlage? Diese von Ihnen mit Ihrem Ratschlag bedachten Verleger wissen also sehr genau, was die Zielgruppen wollen und arbeiten schon seit Jahren professionell mit Amazon zusammen.

    Wenn die Unternehmer der Branche hier professionell darüber diskutieren, welche Szenarien durch den Markteintritt von Amazon in den stationären Buchhandel möglich sind, ist das ein professionelles und verantwortliches Handeln zur Vorbereitung unternehmerischer Entscheidungen. Einige der hier geäußerten Thesen werden sich bewahrheiten andere nicht. Ihre These z.B. "Amazon Publishing etwa wird nur dann Erfolg haben, wenn es Bücher verlegt, die auch gelesen werden." hat den Gehalt der Feststellung "Es schneit im Winter nur, wenn es kalt ist." und muss unter uns Professionellen gar nicht weiter berücksichtigt werden.

    Dass dieses Diskutieren und sich verständigen aber notwendig ist, können nur Menschen bestreiten, die immer alles ganz genau wissen oder eben sehr wenig.

  • Petra van Cronenburg

    Petra van Cronenburg

    Wenn über Amazon gejammert wird, dann sollte das doch bitte mit Sachverstand gemacht werden. Hätten einige, die sich in diesem Beitrag so aufregen, die Fakten angeschaut, hätten sie so manches Scheinargument verloren.

    1. Amazon Publishing ist ein VERLAG von Amazon, kein Selfpublishing-Programm (das heißt kdp / CreateSpace) - und damit ein Verlag wie jeder andere auch. Es ist sogar schon seit längerem so, dass auch deutsche Verlage in Sachen Lizenzen mit Amazon Publishing kooperieren, und zwar nicht nur bei Übersetzungen fürs Ausland, sondern auch bei Gesamtausgaben u.ä.
    Wie lange will sich der Buchhandel hier an einem reinen Firmenbashing beteiligen - das eigentlich auch viele vom Buchhandel geliebte heimische Verlage beträfe, die hier Lizenzen verkaufen? Vom Schaden, den AutorInnen als schwächstes Glied erleiden, ganz zu schweigen.

    2. Das Selfpublishing-Programm von Amazon, kdp bei E-Books und CreateSpace im Print, beinhaltet absolut keine Exklusivbindung! Sätze wie "In der Tat: Selfpublisher, die bei Amazon veröffentlichen, binden sich exklusiv an den Konzern" sind schlicht Falschaussagen. Da sich der Sachverhalt mit einem Klick bei Amazon nachlesen lässt, bei Wikipedia und Google außerdem, möchte ich schon fast vorsätzliches Nichtwissen unterstellen!

    AutorInnen binden sich im Self-Publishing bei Amazon eben nicht exklusiv (im Gegensatz zu Programmen bei anderen Firmen). Es ist ihnen unbenommen, neben einem Kindle das Epub z.B. bei Tolino herauszubringen und das Printbuch sonstwo. Noch "schlimmer", was den Autoren dieses Beitrags offenbar gänzlich entgangen ist. Längst gibt es HybridautorInnen, für die Amazon ein Weg von vielen ist.
    Ich weiß, wovon ich spreche, ich selbst habe ein E-Book im Selfpublishing bei Amazon laufen, die Printversion als TB kommt von Suhrkamp, das HC erschien bei Hanser. Genauso, wie solche etablierten Verlage keine Berührungsängste mehr mit modernen Kauf- und Lesegewohnheiten ihrer LeserInnen mehr haben, sind AutorInnen höchst flexibel.

    Also bitte Fakten statt Feindbilder! Und aufwachen, dringend aufwachen aus der eigenen Scheinwelt, sonst drehen die KundInnen das Rad noch schneller weiter, denn die machen eigentlich unsere Bücherwelt von morgen! Immer häufiger eben auch mit den AutorInnen gemeinsam.

  • Achilles

    Achilles

    @ Petra van Cronenburg 01.12.2017 14:54h

    Während noch vor 25 Jahren der Zugang für Autorinnen zum Buchmarkt eine relativ exklusive Angelegenheit war, die ausschließlich über konventionelle Verlage - (Konzern, unabhängig, Semiprofessionell, Amateure) lief, können Autorinnen heute sehr einfach den ersten Schritt gehen und ihren Text formell publizieren. Das führt erst einmal dazu, dass immer mehr Bücher publiziert werden, ändert aber überhaupt nichts an der Tatsache, dass der Zugang zu den Lesern/ Kundinnen weiterhin limitiert ist - Aufmerksamkeit, Zeit, Geld. Es ist sogar so, das dieser Zugang immer mehr begrenzt wird, weil immer weniger Menschen Bücher lesen.

    Ihre These, dass KundInnen die Bücherwelt von morgen machen, halte ich für zu simpel und letztlich ohne Inhalt. Die Bücherwelt von morgen machen immer noch diejenigen, die über die entscheidenden Ressourcen verfügen, um KundInnen zu gewinnen. Die Inhaber dieser Ressourcen sind vielleicht andere als vor 25 Jahren, oder sie haben sich gewandelt - aber sie bestimmen weiterhin was läuft.

    Neu könnte sein: KundInnen können AutorInnen werden und AutorInnen sind KundInnen. Es wird unwichtiger, wer AutorIn ist, Hauptsache sie nutzt mein Portal. Es ist vollkommen egal, was meine KundInnen wollen, Hauptsache sie nutzen mein Portal. Ob ein Individuum KundIn oder Autorin - Hauptsache es nutzt mein Portal. Mein Portal muss "nur" das "Matching" zwischen "AutorInnen" und "KundInnen" organisieren. Das Matching aber wird bestimmt vom "Style".

    Der "Style" von Amazon ist eben ein anderer als der "Style" der bisherigen Buchbranche - er ist vielmehr "Portal". Dieser "Style" bringt auch andere Kunden und andere Texte hervor. Zurück zum Ausgangspunkt. Ob KNV diesen Wandel im "Style" hinbekommt hängt von vielen Parametern ab, fest steht für mich es ist hochriskant.

  • Outsider - Buchleser

    Outsider - Buchleser

    @Achilles01.12.2017 16:31h
    Jetzt muss ich mich doch noch mal äußern.
    Mit Ihrem zweiten Absatz zeigen Sie ganz deutlich, wo anscheinend weiterhin das Problem des "klassischen" Buchandels liegen wird.
    Sie scheinen aus Ihrer bisherigen Blase und den "gewachsenen" Strukturen nicht herauszukommen. Der Handel/Vertrieb von Büchern wird meiner Ansicht nach in Zukunft viel schneller und dynamischer werden.
    Es wird wie in allen anderen Märkten auch sein. Wir Kunden entscheiden durch unseren Konsum wann, wo, wie und über welchen Weg wir unsere Produkte beziehen wollen.
    Eine "Bevormundung" wie wir etwas zu machen haben, machen wir nicht mit. Es gibt immer Wege an das gewünschte Produkt zu kommen. Die Frage wird halt sein. > Über welchen Händler...

  • Achilles

    Achilles

    @ outsider

    Sie sagen nichts, wogegen ich Widerspruch einlegen müsste. Das liegt allerdings nicht daran, dass ich einer Ihrer Thesen zustimme, sondern daran, dass Ihr Satz "Der Handel/Vertrieb von Büchern wird meiner Ansicht nach in Zukunft viel schneller und dynamischer werden." keinen Gehalt hat. Er ist so allgemein, dass Sie in meinem Beitrag ohne Probleme Zustimmung dazu finden können.

    Kunden entscheiden sich letztlich immer nur im Rahmen gesetzter Bedingungen und mal etwas provokativ - Kunden entscheiden gar nichts! Entscheidend sind diejenigen, die die Rahmenbedingungen setzen. Zu deren Künsten gehört es, diese Kunden so schmackhaft zu machen, dass diese sich frei in Ihren Entscheidungen fühlen. Insofern ist Amazon eine neue Rahmenbedingung, die in beeindruckender Weise Kunden gewinnt. Die Strukturen der Buchbranche aber halten sich bisher sehr gut, lernen schnell und liefern die Inhalte für Amazon.

    Neu ist, dass Amazon jetzt durch KNV Zugang zum stationären Buchhandel erhält. Auch hier wieder provokativ: Amazon tritt nicht selbst, wie in den USA, als stationärer Händler auf, sondern nutzt einen wichtigen Mitspieler der Branche. Das interessiert Outsider natürlich gar nicht, verändert aber die Spielregeln für die Teilnehmer der Branche. Dass das hier unter Profis lebhaft diskutiert wird, ist ja wohl selbstverständlich und muss von Ihnen auch gar nicht verstanden werden.

    Sie können dann in den neu entstehenden Rahmenbedingungen selbstverständlich frei entscheiden, was Sie wo und wie kaufen.

  • Peter Hellinger

    Peter Hellinger

    @Achilles

    Mich würde ja schon mal interessieren, in wie fern sich die Aufnahme eines Verlags aus der Amazon-Gruppe ins Barsortiment "die Spielregeln für die Teilnehmer der Branche" verändert. Ich hab gerade nachgeschaut: An meinen Verträgen mit dem Barsortiment hat sich über Nacht nichts auf magische Weise geändert ...

    Auch an den Rahmenbedingungen ändert sich nichts. Ein weiterer Verlag mit überschaubarem Angebot, 800 Titel - angesichts von 650.000 lieferbaren Lager-Titel bei KNV oder gar Libri mit 1 Million auf Lager und weitern 10 Millionen im Katalog, laut Angabe Libri. WO sehen Sie da einen Game-Changer?

    Was ändert sich für die Buchhandel, außer dass sie keinen Kunden, der so einen Titel haben möchte, wieder wegschicken muss, UND dabei jetzt auch Geld verdienen kann und nicht das Buch heimlich - wie das viele Buchhändler tun - bei Amazon im Online-Shop ohne Gewinn bestellen zu müssen?

    Oder sind in Wahrheit Ihre Äußerungen "ohne Inhalt", wie Sie es gerne @Petra van Cronenburg und @Outsider vorhalten?

  • Achilles

    Achilles

    @ Peter Hellinger

    Oben schrieb ich, dass sich die bisherigen Strukturen des Buchhandels gut halten, weil viele Ideen produziert und umgesetzt werden. Wir haben ein lückenloses Vertriebsnetz, engagierte Unternehmer, qualifizierte Mitarbeiter, eine ausgefeilte Bestell- und Lieferlogistik,...der Marktanteil des stationären Buchhandels liegt immer noch bei ca. 50%. Das bedeutet, dass der Buchhandel in Deutschland für Amazon ein harter Wettbewerber ist.

    Ersteinmal, ich schrieb das in einem anderen Thread hier, passiert nüchtern betrachtet nix weiter, als dass ein Verlag beim Barsortiment KNV gelistet wird. Das meint ja auch dessen Chef Herr Voerster.

    Das ist aber, vielleicht auch absichtsvoll, sehr kurz gedacht. Der Deal stärkt sofort die Position von Amazon Publishers bei den Autoren, weil der Verlag nun auch im Handel präsent ist. Amazon kann beispielsweise sein Programm auf eine Weise promoten, die die anderen Verlage mit dieser Power nicht haben - auf seiner Seite, über Google. Das führt auf kurz oder lang auch bei bekannteren Autoren zum Wechsel des Verlages. Die Marktmacht der Verlage gegenüber dem Einkauf von Amazon sinkt, die Rentabilität sinkt, weniger attraktive Autoren können mit Vorschüssen bedacht werden, die Plattform tolino verliert an Attraktivität.,... Was kann es für Sie als stationären Händler bedeuten: Sie bekommen Angebote von Amazon, der Sie als Großhändler beliefern möchte. Sie können einen Webshop auf der Amazonplattform betreiben. Sie werden Abholstation für Amazon. Ihre Buchhandlung wird bei Amazonkunden per Geomarketing beworben. Und, und, und,...

    Jetzt werde ich sehr spekulativ, aber: Können Sie ausschließen, dass Ihr Großhändler die Logistikplattform für Amazon wird?

    Genug Gamechange?

  • Peter Hellinger

    Peter Hellinger

    > Der Deal stärkt sofort die Position von Amazon Publishers bei den Autoren,
    > weil der Verlag nun auch im Handel präsent ist.

    Wie jeder andere Verlag in Deutschland. Autoren haben bestimmte Gründe warum Sie einen Verlag wählen - schon mal auf die Idee gekommen?

    > Amazon kann beispielsweise sein Programm auf eine Weise promoten,
    > die die anderen Verlage mit dieser Power nicht haben - auf seiner Seite,
    > über Google.

    Ach, das aktuelle Amazon-Angebot für Produktwerbung in meinem Postfach steht nur Amazon offen? Ich zitiere aus der Mail: "Sponsored Products bietet Ihnen die Möglichkeit, die Sichtbarkeit Ihrer Titel deutlich zu verbessern. Wählen Sie die Bücher aus, die Sie bewerben möchten, legen Sie Keywords für das Targeting fest und bestimmen Sie ein Cost-per-Click-Gebot."
    Und Google-Werbung kann jeder Depp buchen - wo ist der Game-Changer?

    >Das führt auf kurz oder lang auch bei bekannteren Autoren zum Wechsel
    >des Verlages.

    Ein Autor wechselt doch nur, wenn er mit den Bedingungen bei seinem Verlag unzufrieden ist, z.B. weil er anderswo mehr bezahlt bekommt oder mehr Vorschuss einstreichen kann. Aber nicht, weil seine Bücher im Buchhandel bestellbar sind. Das sind die Dinger von BoD auch - nach Ihrer Logik müssten also alle zu BoD wechseln. Komischerweise ist das nicht passiert ...

    > Die Marktmacht der Verlage gegenüber dem Einkauf von Amazon sinkt,
    > die Rentabilität sinkt, weniger attraktive Autoren können mit Vorschüssen
    > bedacht werden,

    Bitte? Wer verkauft denn seine Bücher direkt an Amazon? Meine Bücher gibt es auf Amazon, klar. Aber Amazon kauft nicht bei mir, die wenigsten Buchhändler kaufen bei mir direkt. Hier läuft alles über den Zwischenbuchhandel. Und da sind die Rabatte gesetzlich geregelt (Buchpreisbindung!) Amazon kann mir also gar nichts diktieren ...

    > die Plattform tolino verliert an Attraktivität.,...

    Weil ein Print-Verlag im Barsortiment gelistet wird und Print-Bücher verkaufen will wird die E-Book-Plattform tolino gefährdet? Ernsthaft?

    > Was kann es für Sie als stationären Händler bedeuten: Sie bekommen
    > Angebote von Amazon, der Sie als Großhändler beliefern möchte.

    Nicht mal in USA passiert das. Die haben vor ein paar Monaten erst Kauf auf Rechnung eingeführt (wofür man sich extra anmelden muss), die sind noch Meilen weg von einem echten B2B-Geschäft.

    > Sie können einen Webshop auf der Amazonplattform betreiben.

    Geht heute schon, nennt sich Amazon-Marketplace. Gegen 3 Euro Aufpreis auf jeder Lieferung und 20% Beteiligung bei einem Verkauf. Ich sehe die Buchändler in Scharen Ihren Webshop-Anbieter wechseln ...

    > Sie werden Abholstation für Amazon.

    Oder die Reinigung nebendran. Thats life.

    > Ihre Buchhandlung wird bei Amazonkunden per Geomarketing beworben.

    Auch das wird nicht passiern, denn das würde Umsatz von Amazon zu anderen Händlern verlagern und das duldet Amazon schon heute nicht ...

  • D.Orie

    D.Orie

    @Achilles
    Vielen Dank für Ihre sehr kompetenten und wichtigen Kommentare!

  • Achilles

    Achilles

    @ Peter Hellinger

    Ich gehe jetzt nicht im einzelnen auf Ihre Entgegnung ein. Sie unterschätzen bei allen Ihren Betrachtungen das Thema Marktmacht. Wenn ein Player wie Amazon sich entschließt, systematisch Verleger zu werden, dann verändert das die Spielregeln. Amazon verfügt offensichtlich über enorme Investitionsmöglichkeiten und hat sowohl eine Technologie als auch und vorallem eine Unternehmenskultur, die den Anforderungen - auch für den Verkauf von Büchern/ Inhalten - sehr viel mehr entspricht, als das was die herkömmlichen Branchenteilnehmer bisher tun. Selbst ein Unternehmen wie Bertelsmann verfügt nicht über einen relevanten Streamingkanal und über keine relevante Handelsplattform. Auf den bei Bertelsmann produzierten Inhalten beruht - auch gegenüber Amazon - jedoch die Marktmacht von Bertelsmann. Es liegt doch nah, zu untersuchen, was passiert, wenn jemand mit der Power von Amazon diese Marktmacht angreift. Betrachten Sie einfach mal RTL und Amazon Prime im Wettbewerb.

    Als ABC - später telebuch - aus Regensburg vor über 20 Jahren im Internet mit dem Vertrieb von Büchern in Deutschland startet, war schwer vorstellbar, was das bedeutet. Solche Wandlungen vollziehen sich allmählich, iterativ und widersprüchlich, aber eben grundlegend. Wahrscheinlich hätten Sie damals behauptet - ich vermutlich auch, dass es weiter Lexika geben wird, dass Studenten Semesterliteratur in der Unibuchhandlung kaufen, Wissenschaftler Paper und Bücher schreiben und nur ein erfahrener Buchhändler bibliografieren kann - dass ABC aus Regensburg eben einfach ein weiterer Versandbuchhändler und kein Gamechanger ist.

    Telebuch war seinerzeit Marktführer im Internethandel mit Büchern in Deutschland und wurde von Amazon gekauft. Ich erinnere mich, wie wir über Jahre immer wieder darüber spekulierten, wie lange denn Amazon das defizitäre Geschäft durchhalten kann. Wir haben nicht verstanden, wie sich Amazon finanziert und welche Strategie es verfolgt. Die MVB - ich provoziere wieder - "verschenkte" die Datengrundlage der Branche das VLB an Amazon - weil gar nicht verstanden wurde, was Amazon im Gegensatz zu einem stationären Händler mit diesen Daten anfangen kann. Amazon hat für das VLB vermutlich viel weniger bezahlt, als große stationäre Händler. Weitere Beispiele?

    Ich erzähle das als eine Analogie zu dem was KNV aktuell tut. Genau wissend, dass am Ausgangspunkt einer solchen Entwicklung niemand vorhersehen kann, welche Folgen das haben kann. Aber, ich habe das ausreichend beschrieben, hier passt einfach sehr viel zusammen, um von einer Änderung der Spielregeln zu sprechen. Die lakonische Auskunft von Herrn Voerster und eben auch Ihre Argumente werden dem nicht annähernd gerecht.

  • Peter Hellinger

    Peter Hellinger

    @Achilles

    Schade, dass Sie nicht auf die einzelnen Punkte eingehen sondern einen Ausflug in die Historie bevorzugen. Das zeigt leider einen Mangel an Verständniss für die derzeitige Situation. Zudem werfen Sie immer wieder Punkte ein, die mit dem klassischen Verlagsgeschäft (und nur das betrifft ja die Lieferbarkeit von AP-Titeln durch KNV) nichts zu tun haben - im Vorposting den Hinweis auf Tolino, diesmal den Hinweis auf Streaming. Seltsame Argumentation, finden Sie nicht?

    Nur noch soviel: Wenn Amazons Marktmarkt so universell ist, wie Sie das beschreiben - Warum ist dann Amazon Publishing nicht der führende Verlag in den USA, sondern Verlage wie Pengiuin Random House, der witzigerweise zu 53% Bertelsmann gehört, denen Sie aber jedes Bestehen gegen Amazon absprechen? Unter den Top 25 Verlagen weltweit findet sich kein einziges Amazon Unternehmen. Wie erklärt sich das, wo doch Amazon gerade in USA seine Marktmacht ungehemmt ausleben kann? Die Cooperation mit Simon & Schuster (immerhin unter den Top 20 weltweit) hat man schon vor Jahren wegen Mißerfolgs eingestellt. Warum wohl baut Amazon eigene "Brick & Mortar" Läden, wenn sie doch mit purer Marktmacht die - und in USA sind sie das wirklich - angeschlagenen Buchhändler nur entsprechend einlulleln müssten?

    Wir können uns sicher darauf einigen, dass Amazon eine Menge davon versteht, Dinge online zu verkaufen, vielleicht mehr, als andere - insbesondere als der deutsche Buchmarkt. Kreative Arbeit erfolgreich herzustellen, ist aber eine ganz andere Klasse und da siehts bei Amazon derzeit noch mächtig mau aus (zu Ihrem Hinweis Streaming: Amazon bietet auf seiner Plattform gerade mal ein halbes Hundert Eigenproduktionen an, Konkurrent Netflix kommt da schon auf mehrere Hundert).

    Das mag sich ändern, aber nicht durch die Lieferbarkeit von Buchtiteln via KNV. Denn Lieferbarkeit bedeutet nicht - und wer könnte das besser verstehen als ein Kleinverleger mit überschaubaren Angebot wie ich - dass auch nur ein Stück verkauft wird ...

  • Achilles

    Achilles

    Ich gehe deshalb nicht im Einzelnen auf Ihre Überlegungen ein, sondern wähle den Ausflug in die Historie, um zu zeigen, wie sich aktuelle Konstellationen und Spielregeln ändern können und dass es wenig bringt, ausschließlich aus den bisherigen Konstellationen - so wie es z.B. Demografen häufig tun - zu extrapolieren. Insofern unterscheidet uns, dass Sie auf meine optionalen Szenarien ausschließlich mit gegenwärtigen Konstellationen antworten und meine Szenarien verwerfen. Genau das aber steht fest, ist keine geeignete Methode, weil grundlegende Konstellationen sich nicht wie dereinst im Rhytmus von Jahrzehnten sondern beinahe jederzeit ändern. Das Risiko meiner Methode wiederum besteht darin, dass man ein "Lieblingsszenario" entwirft und dann sogar unternehmerische Entscheidungen an dieses hängt und versäumt ständig Entwicklungen neu einzupreisen. Ich verbürge mich also für keines meiner Szenarien. Allerdings glaube ich, dass "Plattformen" und "Streaming" prägend für die Zukunft sind, deshalb mein Exkurs zu Bertelsmann - die aktuell strategisch keinen Zugriff darauf haben.

    Also ich denke, das Amazon Publishing jetzt mit einer kleinen Investition etwas neues ausprobiert - Metadatenaustausch mit KNV, Listung der Artikel im KNV-Katalog, Kenntnis über die Funktionsweise des stationären Handels anhand der Absatzzahlen, Kenntnis einzelner Buchhändler, Arbeit Amazon mit KNO als Verlagsauslieferung, Vertrieb von digitalen Inhalten über KNV-Plattform. Wenn das in irgendeiner Weise Nutzen für Amazon und KNV hat, können nächste Schritte sein: Druck der Amazon Selfpublishertitel in Erfurt, Vertrieb der Amazon Selfpublishertitel, Bypass für Kapazitätsengpässe bei Amazon im Postversand. Warum soll das keine Dynamik bekommen und dann folgen: Abholfächer für Amazon in Buchhandlungen, Vermarktung der Lagerbestände von stationären Händlern auf Amazon, eine neue Form von "Whitelabelshophs" auf Amazonbestände (das ist etwas anderes als Marketplace, besser es ist eine Erweiterung des Amazon-Marketplace),...

    Das genügt doch schon mal um von einem "Gamechange" zu sprechen, weil der einzelne stationäre Händler dann überlegen muss, ob dieses Geschäftsmodell für ihn interessant ist und welche strategischen Optionen es ihm bietet.

    Unabhängig davon, ob Amazon also seine vertikale Marktmacht ausbaut, horizontal könnte durch die Kooperation mit KNV etwas passieren. Es ist für mich einfach nicht vorstellbar, dass Amazon nur sein Verlagsprogramm besser verkaufen will - Amazon will immer alles. Das Motiv von KNV ist mir unklar. Schon die jetztigen Reaktionen von wichtigen Buchhändlern auf den ersten kleinen Schritt sind sehr scharf. KNV riskiert meiner Meinung nach sehr viel. Dem kleinen Vorteil, dass der Buchhändler drittrangige Titel von Amazon besorgen kann, steht das extreme Risiko gegenüber, dass die Branche KNV nicht mehr vertraut. KNV allerdings ist "systemrelevant" und insofern kann es kein entweder/ oder der Buchhändler geben - ggf. muss man damit leben, selbst wenn man es nicht will und nicht versteht. Aber das sich hier Grundlegendes ändert, steht für mich fest.

  • Cornelius G.

    Cornelius G.

    Deutschland 2017 - Ein Kunde kommt in eine Buchhandlung um ein Buch zu bestellen. Leider hat sich der Kunde nur unzureichend informiert und nicht beachtet, dass es sich um einen Titel aus dem Programm von Amazon Publishing handelt. Ein absolutes NO-go im deutschen Buchhandel.

    Kann es wirklich wahr sein, dass es immer noch Buchhändler geben sollte, die diesem Kunden dann lieber folgende Antworten geben wollten:
    - "Der Titel ist nicht gelistet, den kann ich Ihnen nicht bestellen"
    - "Den Titel führt mein Großhändler nicht"
    - "So was können Sie nur bei Amazon bestellen. Das bekommen Sie im richtigen Buchhandel nicht."
    oder noch besser:
    - "wir bestellen keine Bücher von Amazon und das sollten Sie auch nicht, denn der Amazon macht uns kleine Buchhändler kaputt."
    War Ihre Antwort mit dabei? Mir würden noch ca. 5-6 andere Varianten einfallen.

    Dem Kunden ist das alles herzlich egal, er möchte nur dieses Buch haben, wie auch immer er an die bibliografischen Angaben gekommen ist und warum er den Titel nicht online bestellen möchte. Mit solchen Aktionen disqualifiziert sich der Buchhandel als Fachhandel aus Kundensicht und sorgt mit dafür, dass mehr und mehr online gekauft wird. Für den Kunden ist ein Buch ein Buch, der Verlag ist nebensächlich, genauso wie die Animositäten des Buchhandels.

    Meine beruflichen Wurzeln liegen im Sortimentsbuchhandel, weshalb ich selbst auch kein Amazon-Fan bin, doch den Zeitpunkt diesen Mitbewerber nicht groß werden zu lassen, hat der Buchhandel Ende der 1990er Jahre verpasst. Wer glaubt durch eine Nichtlistung diesen Zug aufzuhalten ist naiv und hat den Markt (klassisch wie online) und vor allem die Kundenerwartungen nicht verstanden. Mir tun die ADler und Mitarbeiter des Kundenservice von KNV leid, die sich die Kritik und Beschwerden über die Listung der Amazon-Titel tatsächlich anhören müssen. Mit aus diesem Grund habe ich vor fast 7 Jahren als ADler fürs BS aufgehört. Der Buchhandel klagt zurecht über die Veränderungen des Marktes, ist aber vielerorts noch in den verkrusteten Strukturen verhaftet und sämtliche Ideen und Angebote werden zurückgewiesen. Nach dem Motto: Wasch mich, aber mach mich nicht nass."

    Mal aus dem Nähkästchen geplaudert: Es gab auch zu meiner Zeit kreative Buchhändler/-innen, die eigene Kundenkonten bei Amazon hatten, um Kunden nicht unverrichteter Dinge wegschicken zu müssen.

    Seit rund fünf Jahren habe ich nur noch wenig Berührungspunkte mit der Buchbranche, um so mehr erstaunlicher für mich, dass sich in dieser Zeit so wenig in den Köpfen verändert hat. Doch vielleicht sehe ich ja mal in Kürze im Schaufenster einer Buchhandlung auch ein Plakat mit dem Hinweis "Wir bestellen Ihnen gerne auch Titel von Amazon Publishing in weniger als 24 Stunden. Ihre Buchhandlung - das Original"

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    @ Achilles (glänzende Analyse!)
    @Cornelius G. (Leute, warum könnt Ihr in diesem Forum nicht mit Klarnamen schreiben - ist mir schleierhaft, wenn man eh schon Aussteiger ist)

    Extrem interessant sind Ihre Gedanken und natürlich: Ein jeder pfiffige Sortimentskollege versuchte bisher, die Wünsche seiner Kunden irgendwie machbar zu machen...

    Aber etwas Vertrautes verändert sich ganz gewaltig und wir werden lernen müssen, "Cornelius G." und "Achilles" im Ohr zu behalten...

    Aber zum Ganzen schwelen bei mir schon seit sehr geraumer Weile einige ketzerische andere Gedanken:

    - Müssen wir als Buchhandlung tatsächlich tagtäglich den Dienstleister bis weit über die (Schmerz-) Grenzen der Wirtschaftlichkeit mimen? Fragen Sie bei einem Audi-Händler nach, ob er Ihnen einen Mercedes bestellen kann - er wird es wohl verneinen, was Sie (@ Cornelius G.) hin die Zukunft gedacht eventuell im Sinne des Kunden für einen Fehler des Audi-Händlers erachten.

    - Mit Amazon als sich NICHT wirtschaftlich rechnend müssender Alles-Erfüller können wir auf Dauer gar wir nicht mithalten, weil WIR eben wirtschaftlich rechnen müssen. Warum sollen wir diesen Versuch überhaupt unternehmen, wenn er uns auf Dauer so oder so umbringt?

    - Sollten wir nicht eher den Versuch unternehmen, den Mehrwert des Lokalen herauszustreichen, was eben das Kauferlebnis (so denn vor Ort gegeben!) in den Fokus stellt?

    - Sollten wir in die Zukunft gedacht das "Gepamper" des Publikums bezüglich des "zusätzlichen" Besorgungsgeschäfts (wenn dann eh jeder von der Couch beim bequemsten Anbieter bestellt) nicht eher überdenken und uns auf das hiesige Angebot konzentrieren?

    Und nun schlage ich noch flott den Bogen zum aktuellen Aufreger:

    -Sollen wir im Zuge der Gedanken oben tatsächlich für ein Unternehmen den Steigbügelhalter in die letzte Domäne des Sortiments (s.o.) mimen, welches allen bisher am Buchmarkt beteiligten den Tod wünscht?

    -All das, was AMAZON will und eventuell kommen mag, hat @achilles oben extrem klarsichtig und sehr klug dargelegt!!!! EVENTUELL NOCHMALS LESEN!

    - AMAZON kann vieles, aber trotz des ganzen Geldes eben nicht alles - da werden für viel Geld viele Experimente gemacht (siehe Lebensmittelbereich) oder für kleines Geld "Erfahrungen" zugekauft.
    "
    - Das BS KNV füttert für in derem Sinne bestimmt "kleines Geld" zu, hat in diesem Sinne die Rolle eines Steigbügelhalters übernnommen und dem Buchhandel einen Bärendienst erwiesen.

    Interessant wäre übrigens (@achilles) zu erfahren, welche und was für Daten im Zuge dieser ganzen Geschichte von Erfurt nach Seattle laufen. Bislang hieß es ja immer, dass die Barsorimente für viele Verlage schwarze Löcher seien. Alleine glaube ich kaum, dass Amazon bei diesem winzigen, aber für die sehr bedeutungsvollen Testballon, ohne Analysedaten rausgeht...

    HALLO HERR VOERSTER, mögen Sie sich zur etwaigen Datenweiterleitung Barsortiment UND Verlagsauslieferung ÖFFENTLICH äußern?

  • Aljoscha Walser (Narses)

    Aljoscha Walser (Narses)

    Amazon ist am stationären Buch- (Handel) nicht interessiert. Wenn KNV nun mit dem erklärten Gegener des Buchandels kollaboriert, obwohl der Buchandel für KNV unverzichtbar ist, dann habe ich dafür nur eine Erklärung: KNV steht das Wasser bis zum Hals. Ich wäre nicht überrascht, wenn Amazon in kurzer Zeit KNV übernimmt. Veilleicht nicht direkt, aber mittelbar. Nachbarn sind sie ja schon.

  • Solaris

    Solaris

    Das wird ja immer abstruser hier. Beim bösen Amazon wird von 40 Millionen Deutschen regelmäßig bestellt und sonstige Services genutzt. Auch von den meisten Kritikern hier. Vielleicht will KNV einfach nur einen Service für diejenigen unter den Buchhändlern bieten, die in der Realität leben, und nicht in der Welt von anno dazumal. Niemand muss das nutzen, und kann stattdessen seine Zeit vergeuden, 40 Millionen erziehen zu wollen.

  • Max Fischer

    Max Fischer

    @solaris
    Es sind schwere Zeiten für Weltverbesserer und Steuerzahler.
    Aber Sie haben mir jetzt die Augen geöffnet. Ab jetzt zahle ich meinen Angestellten nur noch den Mindestlohn (wenn überhaupt) und vermeide Steuern, egal wie unmoralisch das dann ist.
    Fantastisch!
    Es tut so gut kein ewig gestriger mehr zu sein.

  • if

    if

    @Solaris: Das hieße, sich einmal damit auseinanderzusetzen, was Amazon besser macht als man selbst. Ich verurteile die Nicht-Steuerzahlung und einiges andere ebenfalls, aber auf der Angebotsseite bietet das böse A. nun einmal Attraktives. Und dieses "wenn wir auch keine Steuern zahlen würden, könnten wir auch...", ist unbewiesen.

    @Max Fischer: Die Gehälter in der sonstigen Buchbranche sind natürlich exorbitant. Und eine Ausnutzen von Praktikanten und Volontären findet natürlich nicht statt. Mit dem ersten Stein wäre ich da zurückhaltend.

  • Max Fischer

    Max Fischer

    @if
    Man kann die Angebotsseite von Amazon nicht getrennt sehen von der Steuerproblematik und Arbeitsbedingungen.

    Den ersten Stein schmeiß ich gerne, weil ich es mir erlauben kann. Sonst hätte ich mich nicht exponiert (natürlich mit Klarnamen). Ich habe auch nicht für die ganze Branche gespochen.

    Ihre Vermutungen sind nämlich auch allesamt unbewiesen...

  • Achilles

    Achilles

    @ solaris

    Für den Unternehmer im Buchhandel ist Amazon nicht "böse", sondern ein Wettbewerber, ein sehr harter Wettbewerber, weil er aus Kundensicht ein lukratives Angebot unterbreitet.

    Er ist allerdings auch ein manchmal unfairer Wettbewerber, weil er sich an viele Regeln, an die sich stationäre Händler halten müssen, nicht hält. Systematisch und ich denke auch sehr bewusst suggeriert Amazon beispielsweise bei Endkunden, dass bei ihm Bücher billiger seien (Marketplace) und er kann sich systematisch dem deutschen Fiskus entziehen, obwohl er beispielsweise die aus Steuermitteln bezahlte erstklassige INfrastruktur in Deutschland nutzt.

    Das interessiert Endkunden natürlich nicht und ein professioneller Buchhändler bedrängt seine Kunden auch nicht damit, er nimmt den Wettbewerb auf . Und ich sage es noch einmal, der stationäre Buchhandel in Deutschland ist ein richtiger harter Brocken für Amazon, weil er richtig gut ist. Da wird nicht gejammert, sondern da wird überlegt, wie man unternehmerisch antwortet.

    Jetzt passiert also etwas ambivalentes. Der härteste Wettbewerber wird in einem klitzkleinen Bereich mit 800 von ca. 1.000.000 Artikel auf einmal Kooperationspartner. Ginge es nur um diese 800 Titel gibt es zwei Möglichkeiten: Lass es, für das bisschen Umsatz mach ich gar nichts. Passt, mache ich mit. Aus Händlersicht sind diese paar Titel nämlich vollkommen irrelevant und ob diese Titel mit 0% Rabatt eingekauft werden oder ich den Kunden wegschicke ist wirklich keine große Diskussion wert.

    Aber und das ist es worüber wie wir hier diskutieren und es auch müssen: Inwiefern helfe ich als Unternehmer im stationären Buchhandel meinem schärfsten Wettbewerber den Zugang zu einem Marktbereich zu öffnen, wo ich bisher Wettbewerbsvorteile habe. Das Thema ist auch für den Buchhändler bisher unwichtig gewesen. Es wird nur wichtig, weil KNV einen Fakt schafft und seine Geschäftspartner vor vollendete Tatsachen stellt. Wenn aber das Thema vollkommen unwichtig ist und es KNV, die zur Zeit wirklich andere Schwerpunktthemen haben, sich mit so einem Kleinzeugs befasst - welches dazu Konflikte mit großen Handelspartnern provoziert - muss man sich doch fragen, warum tun die das?

    Mit allem Respekt: Für die unternehmerische Entscheidung sind da Endkundenbetrachtungen, wie herrlich es wäre wenn 800 weiter (noch) relativ unwichtige Titel in der Buchhandlung lieferbar wären, relativ unwichtig. Das steigert seinen Umsatz nämlich um ganze 0,05% und stärkt einen Wettbewerber der ihn 100% "vernichten" will. Da ist die Entscheidung wirklich ganz einfach - es lohnt sich kaufmännisch praktisch gar nicht und strategisch ist es falsch. Für KNV-Händler gibt es jetzt aber gar nichts mehr zu entscheiden - für die hat KNV die Entscheidung bereits getroffen.

    • ...

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