Wissensvermittlung per Webinar als Geschäftsmodell für Verlage

Webinare – Wissensvermittlung direkt, interaktiv und in Farbe

Es muss nicht immer Papier sein – Informationsvermittlung verlangt in modernen audiovisuellen Zeiten nicht nur bei jüngeren Zielgruppen andere Medienformen. Und die können, didaktisch wie interaktiv, dem Gedruckten durchaus eine Nasenlänge voraus sein. Was genau versteht man unter Webinaren, wie setzt man diese um, wie verdient man Geld?  STEFFEN MEIER

Christina Güll, Leiterin der Abteilung Online-Services im dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag, erläutert die unterschiedlichen Möglichkeiten: »Grundsätzlich gibt es bei den Webinaren zwei Angebotsmodelle, von denen dann auch die Entscheidung für die technische Durchführung abhängt:

Zu einer fest definierten Uhrzeit werden potenzielle Teilnehmer in einen virtuellen Raum eingeladen, zu dem sie einen Zugangscode erhalten – entweder, weil sie zu einem Kreis gehören, den man z.B. bei gesponsorten Webinaren in möglichst großer Anzahl erreichen will, oder weil sie dafür bezahlt haben. Diese Webinare werden in Echtzeit von einem Experten abgehalten und oftmals sowohl inhaltlich wie auch technisch moderiert. Die fachliche / inhaltliche Durchführung machen Fachredakteure entweder selbst oder mit Hilfe von Experten. Grundlage ist jeweils ein Video, das den Experten in Aktion, also in seinem Vortrag zeigt, oder ein Video, das rein die Präsentation zusammen mit dem Vortrag des Experten widergibt. 

Beim zweiten Modell steht ein Webinar-Angebot über einen längeren Zeitraum grundsätzlich immer zur Verfügung, Berechtigte können zu jeder beliebigen Zeit auf das Angebot zugreifen. Inhalte des Webinars sind einerseits Videos, die entweder einen Vortrag abbilden oder Fachwissen direkt am Objekt vermitteln. Oftmals werden diese Videos dann ergänzt durch Multiple-Choice-Abfragen, bei denen man sein Wissen testen kann, vielfach wird mit einem zugeschalteten Chat- bzw. Forums-Angebot die Möglichkeit für Fragen oder Anregungen geschaffen. Antworten der Experten gibt es dann natürlich nicht direkt, weil der User ja zu jeder Tages- und Nachtzeit das Angebot wahrnehmen kann, sondern zu kommunizierten Zeiten.«

Zwei Verlage, die sich schon lange mit dem Thema Webinar beschäftigen, sind Kosmos und Eugen Ulmer, beide in Stuttgart ansässig.

Christoph Killgus, verantwortlicher Redakteur DEGA GARTENBAU, sieht die Stärken von Webinaren vor allem in einem readktionellen und medialen Gesamtkonzept eingebettet: »Da nutzt unsere Zielgruppe gern alles, was ihr mit Fachinfos hilft und Orientierung gibt. Und da gibt es nicht Fachzeitschrift oder Webinar – sondern das eine ergänzt das andere. Die Fachzeitschrift kann in einem Beitrag gut ins Thema einführen. Das Webinar bietet die Stärken einer Live-Veranstaltung, wobei der Aufwand für die Anfahrt entfällt. Im Unterschied zum Fachmagazin ist besonders interessant, dass der Infofluss im Webinar keine Einbahnstraße ist. Die Teilnehmer können per Chat kommentieren oder Fragen stellen, was immer wieder rege genutzt wird. Und für uns als Redaktion ist es gut, im Webinar in direkten Kontakt mit unseren Lesern zu kommen und über die inhaltlichen Rückmeldungen auch Anregungen für die Redaktionsarbeit zu bekommen, was die Themenauswahl anbetrifft zum Beispiel.«

Carsten Vetter, Produktmanager digitale Angebote bei Kosmos, sieht in Webinaren auch eine gute Möglichkeit, Themen bei der Zielgruppe auszutesten: »Die Themenauswahl bei den Webinaren unterscheidet sich im ersten Schritt nicht von der Auswahl für unsere Bücher. Durch den Austausch mit unseren Autoren und Autorinnen und dem Wissen der Kollegen und Kolleginnen entstehen die Themenvorschläge, die sich auch von unseren Buchthemen unterscheiden können. Einen besonderen Vorteil sehe ich beim Format Webinar gegenüber unseren Büchern: Hier können wir auch mal (schnell) ein Thema ausprobieren.«

Außer Spesen nichts gewesen? Beide sehen in den Webinaren durchaus interessante Monetarisierungsmöglichkeiten, wenn auch unterschiedliche. So präferiert Christoph Killgus das Sponsoring: »Einnahmen erzielen wir momentan immer wieder durch Sponsoren der Zulieferindustrie aus dem thematischen Umfeld des Webinars, gelegentlich auch von Verbänden und Organisationen. Es gab auch schon Webinare, bei denen Teilnehmergebühren möglich waren – dann nämlich, wenn über das Webinar ein für den Beruf nötiger Schein erwerbbar war, den die Teilnehmer ansonsten in einer auch nicht kostenlosen anderen Veranstaltung hätten erwerben müssen. Aber sicherlich ist das Sponsorenmodell das interessantere und im Blick auf die Abwicklung auch einfachere.«

Dem gegenüber sieht Carsten Vetter für Kosmos eher ein Paid-Content-Modell als sinnvoll an, also der kostenpflichtigen Webinar-Teilnahme und dem Verkauf von Aufzeichnungen – und ist auch ganz zufrieden: »Wir sind ganz klar mit dem Ziel gestartet, mit unserem Webinar-Angebot Geld zu verdienen. Und das klappt bisher auch ganz gut.«

Die kompletten Interviews und Artikel zum Themenschwerpunkt »Webiare & Bewegtbild« sind in der neuesten Ausgabe des »digital publishing report« nachzulesen. Weitere Themen sind Facebook Live, ein kritischer Blick auf die Reichweiten-Macht von Facebook sowie die Frage »Was ist eigentlich Corporate Publishing« resp. »Wie gelingt der Einstieg in die Customer Journey«, Personalisierung im E-Mail-Marketing, die Pläne der Oetinger-Tochter TigerCreate oder Blockchain im Bereich humanitärer Hilfe. und vieles mehr. Das digitale Magazin ist kostenlos erhältlich. Einfach E-Mail an info@digital-publishing-report.de schicken, fertig.

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