Social Media

Handy raus statt Handy aus

Wie eine Graswurzelaktion namens #bookupDE Öffentlichkeit für die Branche erzeugt VON STEFFEN MEIER

Während sich viele Verlage und Buchhändler noch fragen, was sie eigentlich mit neumodischen Vernetzungsinstrumenten wie den sogenannten Social Media-Netzwerken anfangen sollen, gehen andernorts ohne großen organisatorischen Background Einzelne her und nutzen völlig selbstverständlich die virtuellen Mechanismen dieser Instrumente und ihrer Netzwerkreichweite, um an verschiedensten Stellen Öffentlichkeit für die Branche zu erzeugen. So geschehen etwa vor kurzem bei der #indiebookday-Aktion, einer Viral-Idee von Kleinverlagen, die es sogar bis in den Deutschlandfunk schaffte. Oder der privaten Initiative #bookupde, die zunächst als digital organisierter »Tag der offenen Tür« für Buchhandlungen begann, bald aber auch den Weg in die Verlage schaffte und sogar ein Event zur Neuausrichtung des Börsenblatts-Internetauftritts Anfang April in den Räumen der Redaktion ausrichtete. Sozusagen eine Mischung aus thematischem Twittagessen und literarischem Flashmob; ein #bookupDE eben. Stellt sich natürlich sofort die Frage: was um Himmels Willen ist das denn genau?

Die Frau hinter der Idee zu diesem Veranstaltungskonzept ist Stefanie Leo. Seit 2002 betreibt sie die Webseite Buecherkinder.de, auf der Kinder und Jugendliche ihre Meinung zu aktuellen Büchern abgeben. Sie ist Preisträgerin des avj-Medienpreises 2013, Jurymitglied des »Leipziger Lesekompass« und schreibt regelmäßig für die Fachzeitschrift »Eselsohr«. Daneben ist sie aber auch ein virtuoser »Social Median«, agil auf vielen Plattformen unterwegs und bestens vernetzt.

Als Teilnehmerin zahlreicher auch branchenfremder Barcamps stolperte Leo regelmäßig über sogenannte Tweetups. Diese persönlichen Treffen von twitternden Menschen anlässlich einer bestimmten Veranstaltung erfreuen sich gerade in Kulturbetrieben wie Museen oder Konzerthäusern wachsender Beliebtheit. Warum dieses Prinzip nicht auf die Verlagsbranche übersetzen? Daraus entstand die Idee zu den sogenannten #bookupDE. Klares Motto jeder Veranstaltung: »Handy raus statt Handy aus«.

Stefanie Leo: »Bei einem #bookupDE treffen sich buchbegeisterte Onliner, die bei Facebook,Twitter, Instagram und Co. aktiv sind, an bibliophilen Orten wie Buchhandlungen, Verlagen oder Bibliotheken mit Gleichgesinnten. Von dort berichten sie per Smartphone live – und/oder im Anschluss im eigenen Blog – mit dem Hashtag #bookupDE über die Veranstaltung.« Und das mit großem Erfolg, wie sie inzwischen berichten kann: »#bookupDE-Treffen in verschiedenen Buchhandlungen beispielsweise in Berlin, Stuttgart, Köln, Essen oder Hamburg, bei Verlagen wie Piper, arsEdition oder Coppenrath und in diversen Bibliotheken zeigen, dass das Format auf breite Zustimmung trifft und sich soziale Netzwerke durchaus zur analogen Organisation eignen. So entsteht virtuelle Öffentlichkeit gepaart mit persönlichen Kontakten.

Auch das Treffen am Buchmesse-Stand des binooki-Verlags während der Leipziger Buchmesse nahm seinen Anfang per Direktnachricht auf Facebook: Soziale Netzwerke als Transportträger, als Werbeinstrument, aber auch als Live-Berichterstatter, sozusagen als Klebstoff zwischen Gästen, Lesern und der Verlagsbranche, virtuell einerseits, höchst physisch aber andererseits. (Der Autor kann sich noch an die Menschenmassen erinnern, die sich beim #bookupDE durch die Räume von arsEdition in München schoben – oder sich eben bei der Veranstaltung von binooki auf der Buchmesse gegenseitig auf den Füßen standen.) Dem Autor Bariş Uygur, der sein neuestes Werk »Flucht aus dem Höllenhof« vorstellte und der Verlegerin Selma Wels hat es jedenfalls sichtlich Spaß gemacht auf der Leipziger Buchmesse. Von der digitalen Reichweite, die mitunter die klassischer Medien übertrifft, einmal ganz zu schweigen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich das alles genauer anzusehen, vielleicht sogar selbst einmal ein solches Treffen zu organisieren – einfach nach dem Hashtag #bookupDE googeln oder auf Twitter suchen.

 

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