Neuheiten und Neuauflagen für Jura-Studenten

Lehrbücher für alle Fälle

Vom Strafrecht bis zum Europarecht: Das Spektrum juristischer Fachthemen ist breit. Um den Einstieg zu erleichtern, haben Verlage kräftig an der Didaktik ihrer Lehrbücher gefeilt. Ein Blick auf Neuheiten und Neuauflagen.   ANDREAS TROJAN

Was zeichnet die neuen juristischen Fachbücher aus? Und: Was muss eine Neuerscheinung mitbringen, um vielleicht einmal zum Klassiker mit unzähligen überarbeiteten Auflagen zu werden? Die deutschen Fachverlage mit Jura-Schwerpunkt haben da einiges zu bieten.

Da gibt es einmal den absoluten Klassiker aus dem Haus C. F. Müller: "Strafrecht. Allgemeiner Teil. Die Straftat und ihr Aufbau". Das Lehrbuch von Wessels / Beulke / Satzger ist ein auf studentische Lernbedürfnisse zugeschnittenes Kurzlehrbuch und 1970 in der ersten Auflage erschienen (47. Aufl. 2017, 532 S., 24,99 €). Inzwischen ist die Autorennachfolge bereits in der dritten Generation angelangt. Der "Wessels", wie das Buch auch heute noch genannt wird, vermittelt die prüfungsrelevanten Grundlagen des Strafrechtssystems nach dem allgemeinen Teil des Straf­gesetzbuchs. Zur Veranschaulichung der abstrakten Wissensvermittlung gibt es pro Kapitel kleine Fälle mit kurzen ­Lösungen. Die Vertiefung leistet ein umfangreicher Nachweisapparat mit wertvollen Hinweisen auf Klassiker der Rechtsprechung, auf topaktuelle Entscheidungen und Fallsammlungen. Der Anhang bietet Tipps zur Methode der Fallbearbeitung, Schemata für den Aufbau einer Klausurlösung, Problemübersichten und eine ausformulierte Falllösung. Seit fünf Auflagen erwirbt der Käufer zudem ohne Aufpreis ein integriertes ­E-Book.

Ein völlig neues Werk stammt von Edward Schramm: "Strafrecht. Besonderer Teil I. Eigentums- und Vermögensdelikte" (Nomos, 2017, 336 S., 24 €). Das Lehrbuch richtet sich an alle, die sich erstmals die Strukturen dieses Rechtsgebiets und der häufigsten Straftatbestände erarbeiten wollen. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt daher nicht auf Detailwissen, sondern auf systematisch-methodischen Aspekten. Das heißt: Das Wesentliche soll anschaulicher und verständlicher vermittelt werden.

Ein weiterer noch junger Titel bei Nomos ist gerade in der zweiten Auflage erschienen – zum Thema "Die BGB-Klausur" (Untertitel: "eine Schreibwerkstatt", 262 S., 24 €). Hintergrund: Trotz guter Kenntnisse schneiden Studenten bei den Prüfungen oft schlecht ab. Klar ist: Die Fähigkeit, gute Klausuren schreiben zu können, beeinflusst ganz maßgeblich den Erfolg im Examen. Es kommt also darauf an, das erworbene Wissen rechtsmethodisch korrekt auf einen konkreten Fall anwenden zu können. Dabei hilft dieses Lehrbuch von Volker Mayer und Petra Oesterwinter für die Klausur im Zivilrecht. Die zweite Auflage von 2017 gibt zusätzliche Tipps zur besseren Klausurarbeit und führt die Leser durch die Hervorhebung zentraler Gesichtspunkte durch die Arbeitstechniken.

Ein Klassiker unter den BGB-Lehrbüchern ist der Titel "Allgemeiner Teil des BGB" (C. H. Beck, 19. Aufl. 2017, 517 S., 19,80 €). Das 1976 von Bernd Rüthers begründete und seit der 11. Auflage 2001 von Astrid Stadler fortgesetzte Werk gilt als Lehrbuch-Longseller. Charakteristisch ist hier neben dem handlichen Format vor allem ein einheitlicher didaktischer Aufbau. Am Anfang jedes Kapitels stehen kleine Fälle, die Interesse an den Erläuterungen auf den folgenden Seiten wecken. Am Ende des Kapitels werden die eingangs beschriebenen Fälle dann in Form einer Lösungsskizze gelöst. Aufbauschemata, Merksätze und vor allem eine klare und einfache Sprache runden das Gesamtbild ab. Zusätzlich gibt es noch ein Glossar lateinischer Fachausdrücke sowie eine vollständig gutachtlich gelöste Klausur.

Ein weiteres Standardwerk zum Bürgerlichen Gesetzbuch stammt aus der Feder von Hans Brox und Wolf-Dietrich Walker: "Allgemeiner Teil des BGB" (Verlag Franz Vahlen, 41. Aufl. 2017, 392 S., 22,90 €). Das Werk gehört seit Generationen zum Hand­gepäck von Jurastudenten. Es ist als Lehrbuch für Anfänger und als Wiederholungshilfe für Fortgeschrittene gedacht – und damit ganz darauf ausgerichtet, Sinn und Struktur der gesetzlichen Regelungen zu verdeutlichen. Dies wird vor allem durch kurze, präzise und leicht verständliche Formulierungen sowie durch zahlreiche optisch hervorgehobene Beispiele und Schaubilder erreicht. Das Werk erscheint jährlich in einer aktualisierten Auflage.

Auf bestem Weg, ein großer Klassiker zu werden, ist Dieter Leipolds Publikation "BGB I. Einführung und Allgemeiner Teil. Ein Lehrbuch mit Fällen und Kontroll­fragen" (Mohr Siebeck, 9. Aufl. 2017, 573 S., 28 €). Neben den Grundlagen des Bürgerlichen Gesetzbuchs werden auch die Grundbegriffe des Schuld- und Sachenrechts dargestellt, um die Wirkungsweise der Vorschriften des allgemeinen Teils zu verstehen und zivilrechtliche Fälle korrekt lösen zu können. Die weiteren Abschnitte legen den Schwerpunkt auf die Rechtsgeschäftslehre, erörtern aber das gesamte erste Buch des BGB. Definitionen, Merksätze, Schaubilder und Prüfungsschemata helfen dabei, den Stoff zu verstehen und zu lernen; Kontrollfragen und ausformulierte Falllösungen am Ende jedes Abschnitts dienen der Wiederholung und der Umsetzung des gewonnenen Wissens.

Allein dem "Schuldrecht" widmet sich das gleichnamige Lehrbuch von Wolfgang Fikentscher und Andreas Heinemann (De Gruyter, 11. Aufl. 2017, 1.064 S., 60,80 €). Der nachhaltige Erfolg des Werks beruht einerseits darauf, dass es alle neuen Entwicklungen immer sofort integriert hat. Andererseits ist die Grundkonzep­tion wegweisend: Allgemeiner und besonderer Teil des Schuldrechts sind in einem Band vereint, um die übergreifenden Zusammenhänge hervortreten zu lassen. Originell ist auch die wirtschaftsrechtliche und rechtsvergleichende Ausrichtung. Didaktisches Geschick beweist das Werk darüber hinaus durch die Anwendung des Stoffs in zahlreichen Fallbeispielen.

Mit dem "Zivilprozess- und Kostenrecht" beschäftigt sich ein Buch von Renate Baronin von König (Gieseking, 3. Aufl. 2017, 461 S., 59 €). Kos­tenrecht ist immer abhängig vom jeweiligen Verfahrensrecht. Auf dieses Zusammenspiel ist das Praxiskurzlehrbuch gezielt ausgerichtet. Damit stößt das Werk in eine Marktlücke, denn die gängigen Publikationen vermitteln meist nur einen Bereich. Mit Beispielen, Fällen, Übersichten und Entscheidungsentwürfen wird der Stoff praxisnah und verständlich aufbereitet. Weiterer Pluspunkt ist, dass der Titel nicht nur Studierende, sondern auch Praktiker anspricht – etwa Rechtspfleger sowie die sogenannten Urkunds- und Kostenbeamten in der Verwaltung.

In fünfter Auflage liegt das Buch "Arbeitsrecht. Individualarbeitsrecht. Lehrbuch für Studium und Praxis" (Dr. Otto Schmidt, 5. Aufl. 2017, 778 S., 49,80 €) von Ulrich Preis vor. Studenten, aber auch erfahrene Juristen können sich hier in die Materie vertiefen. Der Titel punktet mit zahlreichen Beispiels- und Übungsfällen, Übersichten und Prüfungsschemata, ebenso durch zuverlässige Auswertung und Komprimierung der relevanten Rechtsprechung. Neu eingearbeitet: etwa die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes, das Mindestlohngesetz und die neuen Regelungen zum Beschäftigtendatenschutz.

Dem immer wichtiger werdenden Europarecht widmet sich das von Matthias Knauff herausgegebene Werk "Fälle zum Europarecht" (Kohlhammer, 2. Aufl. 2017, 312 S., 32 €): Die Fallsammlung gibt Studierenden im Pflichtfachbereich sowie im Schwerpunkt Europarecht die Möglichkeit, Klausuren zu üben und zentrale europarechtliche Fragestellungen zu  vertiefen und zu wiederholen – einschließlich ihrer Verbindungen zum nationalen Recht und zum Völkerrecht. Da das Europarecht vielen und schnellen Änderungen unterworfen ist, wurde die Neuauflage umfassend an die aktuelle Rechtslage angepasst.

Alle zehn Beispiele zeigen: Ganz gleich, welche besondere Rechtslage der Leser im Auge hat (oder als Student im Auge haben muss!) – die deutschen Verlage sind mit ihren Publika­tionen zum Rechtswesen bestens aufgestellt. Sie sorgen dafür, dass das Wissen der Zielgruppe immer auf dem aktuellen Stand ist.

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