NDR Kultur Sachbuchpreis 2017 an Magnus Brechtken

Albert Speer-Biografie ausgezeichnet

Magnus Brechtken erhält für seine Biografie "Albert Speer. Eine deutsche Karriere" (Siedler) den NDR Kultur Sachbuchpreis 2017. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Der Förderpreis Opus Primum geht an Andreas Cassee.

© Siedler

Der Jury-Vorsitzende und NDR Programmdirektor Hörfunk, Joachim Knuth, sieht der Mitteilung zufolge in Brechtkens Buch die Dekonstruktion eines Legendengeflechts um Albert Speer, den "guten Nazi", an dessen Aufbau viele beteiligt gewesen seien, auch Journalisten und Verlage: "Dies ist so beeindruckend geschildert, so wissenschaftlich aufgearbeitet, auch in den Aussagen so eindeutig, auch durchaus provokant, dass wir gesagt haben: Ja, dieses Werk ist auszeichnungswürdig."

Hendrik Brandt, Jury-Mitglied und Chefredakteur der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", konstatiert: "Eine Geschichte über eine ganz große Täuschung, an der viele Menschen beteiligt waren, unter anderem auch die Medien. Eine Enthüllung, die ihres gleichen sucht und die auch sehr, sehr spannend  zu lesen ist." Und Regula Venske, Jury-Mitglied und Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland, lobt die "eindrückliche, sehr akribische Zusammenstellung, Aufarbeitung und Analyse", die Magnus Brechtken in seiner Biografie vornehme.

Magnus Brechtken ist Stellvertretender Direktor am Institut für Zeitgeschichte sowie Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte des Nationalsozialismus, die Bedeutung politischer Memoiren für die Geschichtsschreibung sowie der internationale Diskurs zur Verarbeitung der nationalsozialistischen Herrschaft seit 1945. In "Albert Speer. Eine deutsche Karriere" zeichnet er den Werdegang von Hitlers Rüstungsminister nach und beschreibt, wie dessen Nachkriegsstilisierung als angeblich unpolitischer Mensch den historischen Tatsachen widerspricht.

Neben Joachim Knuth, Hendrik Brandt und Regula Venske gehören der Jury an: Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung; Franziska Augstein, Journalistin der "Süddeutschen Zeitung"; Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland; Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung; Hilal Sezgin, Publizistin.

© Suhrkamp

"Opus Primum" an Andreas Cassee

Den mit 10.000 Euro dotierten Förderpreis "Opus Primum" der VolkswagenStiftung erhält Dr. Andreas Cassee für sein Buch: "Globale Bewegungsfreiheit – Ein philosophisches Plädoyer für offene Grenzen". Darin vertritt der Philosoph Andreas Cassee, geboren 1982 in Zürich, die kontroverse These, so die VolkswagenStiftung in einer eigenen Mitteilung, "jeder Mensch sollte frei entscheiden können, in welchem Land er leben will, Einwanderungsbeschränkungen sind nur in Ausnahmesituationen zulässig." Mit seinem Werk biete er eine gut verständliche und anschauliche Einführung in die Migrationsethik und die Debatten der letzten 30 Jahre auf diesem Gebiet.

In der Jurybegründung heißt es: "Andreas Cassee hat mit 'Globale Bewegungsfreiheit' ein rechtsphilosophisch überzeugendes Plädoyer für offene Grenzen verfasst. Das Buch bringt die migrationsethische Debatte und die Frage 'Was ist Globalität?' in neuer Weise auf die Tagesordnung. In einer klaren, eingängigen Sprache weicht der Autor keinem Gegenargument aus und zeigt nicht nur auf, was Philosophie als Disziplin leisten kann, sondern bezieht schließlich mit seiner auf die praktische Politik zielenden Schlussfolgerung klar und begründet Stellung. Ein intellektuell höchst gelungenes und lesenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt."

Cassee arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Bern in dem Projekt "Complicity in the Global Marketplace".

Preisverleihung am 22. November

Beide Auszeichnungen werden am 22. November im Schloss Herrenhausen in Hannover überreicht. NDR Kulutur überträgt live ab 19.00 Uhr.

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