Autoren verzichten auf fünf Millionen Euro zugunsten von Verlagen

Insgesamt fordert VG Wort 50 Millionen Euro zurück

26.000 Autorinnen und Autoren haben auf Nachforderungen für die Jahre 2012 bis 2015 verzichtet, um ihre Verlage an den Tantiemen der VG Wort zu beteiligen. Das entspricht einem Gesamtbetrag von fünf Millionen Euro, wie die Verwertungsgesellschaft mitteilt. Die Gesamtsumme aller Rückforderungen beziffert die VG Wort auf 50 Millionen Euro.

Spar und weg: Die Rückzahlungen sind in vier Wochen fällig

Spar und weg: Die Rückzahlungen sind in vier Wochen fällig © sdecoret / fotolia

Die Rückforderungssumme an die Verlage, die am Verzichtsverfahren teilgenommen haben, beläuft sich allerdings noch auf 30 Millionen Euro, so dass auf einige Verlagshäuser erhebliche Forderungen zukommen. Die Spanne bewegt sich zwischen null und 3,2 Millionen Euro. Zusätzlich fordert die VG Wort weitere 20 Millionen Euro von Verlagen zurück, bei denen keine Verzichtserklärungen festzustellen waren. In einer ersten Rückforderungsrunde waren zudem rund 30 Millionen Euro von rund 1.300 Verlagen zurückgefordert worden, die nicht am Verzichtsverfahren teilgenommen hatten.

Insgesamt hat die VG Wort 1.800 Rückforderungsschreiben an Verlage ausgesandt, die am Verzichtsverfahren teilgenommen haben; einige Verlage haben bereits Stundungsanträge bei der Verwertungsgesellschaft eingereicht.

Die jetzt bekannt gewordenen Zahlen differieren von den zunächst im November 2016 im Zusammenhang mit den Rückforderungen genannten rund 100 Millionen Euro. Die VG Wort erläutert, dass es sich dabei um eine erste Schätzung gehandelt habe, die sich auf den Gesamtbetrag aller Ausschüttungen bezog, die in den Jahren 2012 bis 2015 an die Verlage bezahlt worden waren.

Danach sei es an die konkrete Berechnung und Umsetzung der Rückforderungen an die Verlage gegangen, so die VG Wort. Hierbei wurden sodann insbesondere solche Ausschüttungen abgezogen, die nicht für gesetzliche Vergütungsansprüche, sondern für sog. ausschließliche Nutzungsrechte ausbezahlt wurden (beispielsweise Gelder für die öffentliche Wiedergabe von Hörfunk und Fernsehsendungen in Gaststätten u.ä.). Dies geschah vor dem Hintergrund, dass sich die Entscheidung des Bundesgerichtshofs nur auf gesetzliche Vergütungsansprüche bezog. Diese konkrete Berechnung führte zu einer Reduktion der Gesamtrückforderung auf die sodann genannten 85 Millionen Euro.

Von diesen 85 Millionen Euro wurden sodann relativ zeitnah ca. 30 Millionen Euro von solchen Verlagen zurückbezahlt, die nicht an dem von der VG WORT angebotenen Verzichtsverfahren teilgenommen haben. Die verbleibenden 55 Millionen Euro beinhalten die Rückforderungen an die Verlage, die sich am Verzichtsverfahren beteiligt haben, in Höhe von 35 Millionen Euro. Diese reduzieren sich jetzt um fünf Millionen Euro durch die Verzichtserklärungen der Autoren, die mehr als 500 Verlagen zugute kommen. Daneben werden weitere 20 Millionen Euro von Verlagen zurückgefordert, bei denen laut VG Wort keine Verzichtserklärungen festzustellen waren.   

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4 Kommentar/e

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  • Annette Sievers

    Annette Sievers

    100, 85 oder 50 Mio? Der Peter Meyer Verlag jedenfalls ist seinen Autorinnen und Autoren sehr dankbar, dass sie MEHRHEITLICH verzichtet haben. Den Rest schafft der Verlag allein! Vielleicht ist sogar wieder ein bisschen Buchmesse möglich. Mit einem Apell an den Buchhandel klappt es bestimmt: Verkauft mehr Reiseführer!

  • Dieter Bührnheim

    Dieter Bührnheim

    Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs mag verstehen wer will, mit ist sie nicht nachvollziehbar. Ohne Verleger gäbe es wenig Bücher und wir wären an schöngeistigen Dingen ärmer denn je. Das lediglich 10% der Autoren auf die Rückvergütung verzichten haben wundert mich nicht. Wenn es um "liebe Geld"geht, besonders das was einem bisher nicht Zustand, kennt man weder Freund noch Feind. Das jetzt besonders viele kleine Verlage nicht überlebensfähig sind, kümmert diese Autoren wenig. Arme deutsche Kulturlandschaft. Raffgier hat leider gewonnen!!!

  • Urheberschützer

    Urheberschützer

    Zitat Dieter Bührnheim: "Raffgier hat leider gewonnen!!!" - Wenn ich das schon höre, geht mir der Hut hoch...! Die Spitzenverdiener unter den Autoren können evtl. gut verzichten, aber die Masse der Autoren lebt eher schlecht als recht und braucht Nebenjobs und noch ein blog und was ihnen eben sonst einfällt, um die Miete zu zahlen. Ohne Verleger gäbe es weniger Bücher? Schreiben die Verleger jetzt etwa die Bücher oder die Autoren? Das VG Wort Urteil ist aktiver Urheberschutz. Nicht Urheber und Verwerter vertauschen, sage ich da.

  • Stefanie Schlüter

    Stefanie Schlüter

    Zitat Dieter Bührnheim: Künstlerisches Schaffen wird immer wieder mit einem Selbstbedienungsladen verwechselt. Das was Sie sagen entspräche bei einem "normalen" Angestellten Verzicht auf seinen Lohn. Würden SIE das tun?
    Die Autoren schreiben ihre Bücher/Artikel um Geld zu verdienen.
    Urheberschützer: Genau Ihrer Meinung!

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