Ausbildung zu E-Commerce-Kaufleuten

Spezialisten fürs Digitale

Die Ausbildung zum Sortimenter spiegelt in puncto Onlinehandel die Realität nicht mehr wider. Das Berufsbild Einzelhandelskaufmann E-Commerce soll hier künftig Abhilfe schaffen. FANNY SACKIS

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Noch liegen die offiziellen Umsatzzahlen für 2017 nicht auf dem Tisch, doch schon die Prognosen sind aufschlussreich: Während der ­Handelsverband Deutschland (HDE) für den stationären Einzelhandel ein Plus von zwei Prozent prognostiziert hat, rechnet er im Onlinehandel mit einer Umsatzsteigerung von mehr als zehn Prozent – eine Entwicklung, die nicht neu ist. ­E-Commerce habe sich als Vertriebsweg etabliert und werde von mindestens ­jedem dritten Unternehmen genutzt, stellt der HDE fest. Daraus ergeben sich neue Tätigkeitsfelder und somit veränderte Anforderungen an das Personal.

René Kohl

René Kohl © Tobias Blohm

Rudolf Oechtering

Rudolf Oechtering © Jens Hannewald

Das gilt auch für den Buchhandel: "Die aktuelle Sortimenterausbildung deckt einfach nicht mehr die Realität ab, es fehlt der Online-Teil. Unsere Bewerber betonen immer wieder die Lust am Lesen, sehen aber zunächst nur die Arbeit im stationären Bereich", konstatiert etwa Rudolf ­Oechtering, Geschäftsführer Schweitzer Fachinformationen / Boysen + Mauke. Auch René Kohl vom Buch- und Me­dienversand Kohlibri sieht Handlungsbedarf: Digitale Lehrinhalte seien längst überfällig. "Dieses Know-how sollte nicht nur am Rande vermittelt werden", so Kohl, der in seinem Team auf "viel­seitig orientierte Mitarbeiter" setzt – "den Rest muss ich ihnen beibringen."

Die bislang verfügbaren Einzelhandelsberufe decken nicht alle Anforderungen im E-Commerce ab – trotz einiger Novellierungen in den vergangenen Jahren, bei denen der Onlinehandel in die bestehenden Berufsbilder des Einzelhändlers und des Buchhändlers aufgenommen wurde. E-Commerce-Stellen besetzen die Unternehmen meistens mit Hochschulabsolventen oder Quereinsteigern. Viele Handelsfirmen wünschen sich jedoch, Nachwuchs systematisch und qualifiziert auf eine Karriere im Onlinehandel vorbereiten zu können – Anstoß für den HDE, einen neuen Ausbildungsberuf zu entwickeln.

Ab August 2018 können Unternehmen erstmals "Kaufmänner und Kauffrauen im E-Commerce" ausbilden. In der dreijährigen Lehrzeit sollen die Auszubildenden lernen, Online-Vertriebskanäle auszuwählen und einzusetzen sowie Waren- und Dienstleistungssortimente mitzugestalten und online zu bewirtschaften. Die Ausbildungsinhalte sollen sich auf alle Handels­unternehmen beziehen, die im E-Commerce tätig sind – unabhängig von den angebotenen Waren oder Dienstleistungen. Verträge im On­linevertrieb anzubahnen und abzu­wickeln und die Kundenkommunikation zu steuern: Das sind ebenso essenzielle Bestandteile des Berufsbilds wie das Onlinemarketing. So wie bei den anderen kaufmännischen Berufen gehören aber auch kaufmännische Steuerung und Kontrolle zum Rahmenlehrplan. Vor allem im dritten Lehrjahr steht das Management eines Onlineshops auf der Agenda.

Berufsqualifikationen sowie arbeits- und sozialrechtliche Vorschriften und Sicherheits- und Gesundheitsschutz überschneiden sich weitgehend mit den bisherigen Berufsbildern. Durch Ergänzungen rund um Bedeutung und Struktur des ­E-Commerce und eine projektorientierte Arbeitsweise soll die neue Ausbildung jedoch zusätzliche Anforderungen für das digitale Geschäft vermitteln.

Um Kaufleute im E-Commerce ausbilden zu können, muss der Ausbildungsbetrieb naturgemäß Waren und/oder Dienstleistungen über das Internet anbieten und vertreiben. Die Unternehmensstruktur muss sicherstellen, dass den Auszubildenden alle notwendigen Inhalte vermittelt werden können. Die Voraussetzungen für den Ausbildungsbetrieb seien bewusst klein gehalten, erläutert Katharina Weinert, Abteilungsleiterin Bildungs­politik und Berufsbild beim HDE. Es gibt keine Binnendifferenzierung, keine Spezialisierung, keine Fachrichtung oder nötige Vorqualifikation. Ausbildungsplätze können schon heute von interessierten Unternehmen ausgeschrieben werden, bislang ungeklärt ist zum aktuellen Zeitpunkt aber noch, welche Berufsschulen die Ausbildung inhaltlich begleiten werden.

Deutschlandweit rechnet der Handelsverband Deutschland im Jahr 2018 mit rund 1.000 Ausbildungsverträgen für das neue Berufsbild. Das wäre eine beeindruckende Zahl. Für den Aufstieg der E-Commerce-Kaufleute soll auch gesorgt werden: Der HDE will sich für den Abschluss "Fachwirt für E-Commerce" einsetzen.

Ausbildung Kauffrau/Kaufmann im E-Commerce

Ausbildungsstart: ab 1. August 2018
Voraussetzungen: gute Noten in Mathematik, Deutsch, Englisch, für Absolventen aller Schulformen
Ausbildungdauer: drei Jahre
Ausbildungsort: duale Ausbildung im Unternehmen und in der Berufsschule
Ausschreibung von Ausbildungsplätzen: ab sofort
Mehr Informationen: www.einzelhandel.de/ecommercekaufmann

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1 Kommentar/e

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  • Harald Kraft

    Harald Kraft

    In diesem Beitrag geht es um die Vorstellung eines neuen Berufsbildes
    Kauffrau/Kaufmann in E-Commerce.
    Von Bedeutung ist auch die Feststellung von Herrn R. Kohl, dass er in seinem Team auf "vielseitig interessierte Mitarbeiter" setzt und "den Rest muss ich ihnen selber beibringen" .
    Ich finde diese Aussage jetzt einmal sozusagen umsetzbar auf den Buchhandel, dass es auch dort "vielseitig interessierte Mitarbeiter" gibt und diese hätten doch dann die Möglichkeit in der Buchhandlung vom jeweiligen Inhaber selber an diese digitalen Dinge herangeführt zu werden. Denn es ist doch so, dass in den Buchhandlungen die Digitalisierung bis jetzt auch noch verschieden im Einsatz gewichtet wird.
    Es muss aber auch einmal die Frage an den Buchhandel gestellt werden:
    Was muss der auszubildende Buchhändler/die Buchhändlerin alles können, um
    in allen Bereichen fit zu sein?
    Wo bleibt trotzdem die an Herrn Rudolf Oechtering vorhandene "Lust am Lesen", die er von Bewerbern hört, noch erhalten, die doch eigentlich eine sehr wichtige Voraussetzung bei einer Ausbildung im Buchhändlerberuf ist. Und dazu gehört auch ein Wissen in der Literatur dazu.
    Es ist sicher davon auszugehen, dass in den Fachklassen für Buchhändler in den Berufsschulen und an der Fachschule des deutschen Buchhandels in Frankfurt/Seckbach auf diese Neuerungen im Online-Handel auch im Unterricht eingegangen wird. Und dazu gehören sicher auch die "digitalen Lehrinhalte" dazu, die Herr R. Kohl für "längst überfällig" hält.
    Es bleibt dahingehend die Fragestellung nach vorne offen, ob man da immer gleich ein ganzes Berufsbild neu konzipieren muss, oder ob Änderungen da genügen. Dies könnte z. B. im Berufsbildungsausschuss vom Börsenverein angesprochen werden.
    Insgesamt sollte das Berufsbild Buchhändler einmal darauf auch angesehen werden: Wie sollen die Schwerpunkte der Lerninhalte gesetzt werden?
    Und in naher Zukunft ist sicher auch der Ausbildungsberuf Buchhändler mit des Medienhändlers (Multimedia) in etwa zu vergleichen.
    Nur sollte eben im Berufsbild Buchhändler das Fach Literatur nicht fehlen.

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