Auftakt für "Deutschlands schönstes Regionalbuch"

Preisverleihung auf Probe

Zu einer Vorpremiere der unkonventionelleren Art luden am Dienstagabend Börsenverein und Stiftung Buchkunst ein. In der Frankfurter Buchhandlung Schutt probten die Veranstalter für eine Preisverleihung. Im September 2018 wollen sie "Deutschlands schönstes Regionalbuch" prämieren. VON LAURA FRANZ

Die "Macher" der fünf regionalen Bücher, die beim Testlauf gegeneinander antraten (v.l.): Lothar Wekel (Verlagshaus Römerweg), Viktoria Hausmann (Büro Z), Matthias Günter (Cocon Verlag), Cristina Henrich-Kalveram (Henrich Edition)

Die "Macher" der fünf regionalen Bücher, die beim Testlauf gegeneinander antraten (v.l.): Lothar Wekel (Verlagshaus Römerweg), Viktoria Hausmann (Büro Z), Matthias Günter (Cocon Verlag), Cristina Henrich-Kalveram (Henrich Edition) © Laura Franz

Rampenlicht für die Regionalen: Fünf Bücher mit Lokalkolorit wurden am Dienstagabend in der Buchhandlung Schutt der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine Jury hatte sie im Vorfeld aus einem Pool von 44 Titeln ausgewählt - als Testlauf für den Wettbewerb "Deutschlands schönstes Regionalbuch", den die Interessengruppe Regionalia im Börsenverein und die Stiftung Buchkunst 2018 offiziell unter dem Dach der branchenweiten Kampagne "Jetzt ein Buch!" ausloben wollen.

Die Kriterien: Ob literarischer Reiseführer oder Bremerhavener Porträtband – ästethisch hochwertig und regional verwurzelt sollten die Bücher sein. Zu den Juroren der Vorpremiere gehörten: Katja Biallaß (Herstellerin bei S. Fischer, Frankfurt), Cristina Henrich-Kalveram (Henrich Edition, Frankfurt), Helga Heinicke-Krabbe (Buchhandlung Libra, Oberursel).

Durch die Diskussionsrunde in der Buchhandlung Schutt führte Katharina Hesse, Geschäftsführerin Stiftung Buchkunst: "Regionalbücher haben es im normalen Wettbewerb aufgrund ihrer Spezifität schwer", sagt die Moderatorin gleich zu Beginn der Veranstaltung. Mit dem Preis für das schönste Regionalbuch solle jenen Titeln künftig mehr öffentliche Aufmerksamkeit zuteil werden.

Die Jury (v.l.) Katharina Hesse (Stiftung Buchkunst), Katja Biallaß (S. Fischer), Cristina Henrich-Kalveram (Henrich Edition), Helga Heinicke-Krabbe (Buchhandlung Libra)

Die Jury (v.l.) Katharina Hesse (Stiftung Buchkunst), Katja Biallaß (S. Fischer), Cristina Henrich-Kalveram (Henrich Edition), Helga Heinicke-Krabbe (Buchhandlung Libra) © Laura Franz

Was macht ein schönes Regionalbuch aus?

Der Abend fand im Rahmen der Regionalbuchtage "Heimat erlesen" (15. bis 30. September) statt. und sollte zugleich Auftakt für die geplante Prämierung des schönsten Regionalbuchs sein. Die Jury stellte die fünf favorisierten Bücher vor und beurteilte sie nach gestalterischen Kriterien (unter anderem Cover, Typografie, Farbgebung, Bilder). Bei der Frage, was ein schönes Regionalbuch ausmacht, durfte auch das Publikum in der Buchhandlung mitdiskutieren.

Der erste, zur Diskussion freigegebene Titel war "Kreuz und quer" (Cocon) - ein Reiseführer mit Wanderrouten durch den Frankfurter Grüngürtel. Jurorin Katja Biallaß hatte das Buch ausgewählt: "Es hat in mir die Entdeckerlust geweckt." Besonders gefallen habe ihr, dass sich die Ausgabe für die Vorabrecherche sowie zum Mitnehmen eignet. "Das Buch passt in jede Handtasche und kann aufgrund des beschichteten Umschlags auch mal kurz in die Pfütze fallen."

Außerdem hob sie das durchgängige Farbschema hervor. "Die kräftigen Farben – insbesondere der Bilder – ziehen sich durch den Band und schüren die Abenteuerlust." Auch Buchhändlerin Helga Heinicke-Krabbe schloss sich diesem Urteil an: "Das Buch war bei uns im Laden ein Selbstläufer, weil es praktisch, informativ und übersichtlich ist."

Heitere Anekdoten über Thomas Mann - und Geschichten über Flucht und Integration

Die Buchhändlerin griff zum zweiten Titel – abermals ein Reiseführer. "Wir können hiermit nicht nur eine Reise durch den Rheingau wagen, wir werden zugleich entlang literarischer Schauplätze geführt", urteilt sie über den Band "Der literarische Rheingau" (Kramer). Die Sortimenterin hebt vor allen Dingen das ausführliche Personenregister sowie die heitere Erzählweise positiv hervor. "Einmal wird im Plauderton erzählt, wie Thomas Mann den Rheingau beschreibt, ohne je selbst dort gewesen zu sein." Von Verlegerin Henrich-Kalveram wird vor allem die gute Haptik und die einheitliche Typografie des Buches sowie die Qualität der Bilder gelobt. Heinicke-Krabbe kritisiert an dieser Stelle die fehlenden Untertitel zu den Fotos.

Von den Reiseführern wechselte die Jury zu den beiden Porträtbänden des Abends. Einer davon ist "Haven Leben" (Wellenschlag) – ein Buch über die Menschen in Bemerhaven und ihre Arbeit am Hafen. "Ein Coffee-Table-Book", sagt Henrich-Kalveram. "Die Darstellung der Personen ist unheimlich sympathisch. Man sieht, dass sie Spaß an ihrer Arbeit haben." Die vorgestellten Berufsgruppen reichen von der Wirtin des Hafencafés bis hin zum Kapitän. Henrich-Kalveram geht außerdem auf die kreative Gestaltung des Buches ein. So seien die Textabschnitte in verschiedene Formsätze eingepasst – etwa in den Umriss einer im Wind wehenden Flagge. "Braucht es das denn?", fragte Moderatorin Hesse. Für Biallaß' Geschmack nicht unbedingt: "Mich hat die inkonstante Typografie verwirrt und abgelenkt. Sie stellt die Personen in den Hintergrund."

Der zweite vorgestellte Porträtband trägt den Titel "Angekommen" (Worms-Verlag), der sich um Migration und Integration dreht. Flüchtlinge, die in Worms sesshaft geworden sind, berichten von ihren persönlichen Integrationsprozessen. Biallaß lobt die reduzierte Ausstattung des Buches: "Hier liegt der Fokus eindeutig auf den Personen."

Viel Weißraum und wenig Text lenken den Blick auf die Schwarzweiß-Fotografien - für die Buchherstellerin "ein Gesamtkunstwerk". Und das bis hin zum Verkaufspreis: 20,16 Euro kostet der Band – eine Anspielung auf die Flüchtlingsdebatte im Jahr 2016. Buchhändlerin Heinicke-Krabbe sieht nur ein Problem bei dem Titel: "Wo soll ich ihn platzieren? Es gibt Erklärungsbedarf, da Titel und Cover wenig Aufschluss über den Inhalt geben."

Auch das Publikum durfte abstimmen. Ergebnis: Ein Unentschieden

Auch das Publikum durfte abstimmen. Ergebnis: Ein Unentschieden © Laura Franz

Mit Frankfurt eröffnet, mit Frankfurt abgerundet

Zum Schluss wurde ein weiteres Buch über die Mainmetropole präsentiert: "Frankfurt Regional" (Henrich Edition). Heinicke-Krabbe verglich das Buch mit einer Perlenkette. "Man findet kleinere und größere Frankfurter Perlen darin.“ Vor allem die Bilder seien reich an liebevollen Details. Das Buch lädt ein zu einer Entdeckungstour durch das moderne, kreative und nachhaltige Frankfurt: Es führt den Leser zu originellen Läden und Produktionsstätten, in denen der rücksichtsvolle Umgang mit der Umwelt immer wichtiger wird.

Welches wäre es denn nun gewesen?

Abschließend stellte Hesse die Frage: "Welcher Titel wäre Deutschlands schönstes Regionalbuch gewesen, wenn wir uns heute hätten entscheiden müssen?" Abgestimmt wurde per Handzeichen. Jedes Jurymitglied durfte drei Stimmen vergeben. Ergebnis: Das Prädikat  "Deutschlands schönstes Regionalbuch" erhält "Kreuz und quer" aus dem Cocon Verlag. "Nächstes Jahr machen wir dann ernst", so Hesse mit einem Augenzwinkern.

Mehr über den neuen Preis auf der Frankfurter Buchmesse: Die IG Regionalia des Börsenvereins lädt am Donnerstag, 12. Oktober, um 17 Uhr zur Veranstaltung "Neuer Wettbewerb: Deutschlands schönstes Regionalbuch 2018" ein (Forum Börsenverein, Halle 3.1 H 85).

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