"Stadt Land Buch" in Berlin eröffnet

"Das ist eintausend Jahre her - und das ist jetzt"

Zum Auftakt des Literaturfestivals "Stadt Land Buch" in Berlin und Brandenburg waren gestern Margriet de Moor und Stefan Hertmans zu Gast im Deutschen Theater. Im Blickpunkt: Die Literaturlandschaft in Flandern und den Niederlanden, die damit ihren Ehrengastauftritt bei der Frankfurter Buchmesse 2016 bis nach Berlin verlängert. VON HOLGER HEIMANN

Eröffnung mit Sigrid Löffler, Margriet de Moor und Stefan Hertmans

Eröffnung mit Sigrid Löffler, Margriet de Moor und Stefan Hertmans © Holger Heimann

Die Gastlandpräsentationen sind eine der schönsten Erfindungen der Frankfurter Buchmesse. Die Frage, die sich die Organisatoren Jahr für Jahr neu stellen müssen, ist dennoch: Wie wirkungsvoll über eine Büchersaison hinaus ist solch ein Auftritt mit einer Vielzahl neu übersetzter Bücher? Flandern und die Niederlande, die im Vorjahr zu Gast in Frankfurt waren, geben dabei eine durchaus eigene Antwort. Sie machen einfach weiter. Jetzt, Anfang November, präsentiert sich der Sprach- und Kulturraum beim Berliner Literaturfestival Stadt Land Buch, im kommenden Jahr ist ein großer Auftritt bei der Leipziger Buchmesse geplant.

Die vom Börsenverein-Landesverband Berlin-Brandenburg organisierte Literatur- und Bücherwoche "Stadt Land Buch" verfolgt dabei schon seit längerem das Konzept, ein Land vorzustellen – Georgien und Slowenien waren es in den Vorjahren. Aber noch nie kam die Gastlandpräsentation so vielfältig und groß daher wie in diesem Jahr. In 18 Veranstaltungen werden niederländische und flämische Bücher vorgestellt. 16 Autoren und Illustratoren treten auf.

Das Flämische: Sanfter, musikalischer, altmodischer

Den Auftakt machten gestern zur Eröffnung des Festivals Margriet de Moor und Stefan Hertmans im Deutschen Theater. Kundig moderiert von der Literaturkritikerin Sigrid Löffler sprachen die beiden auch bei uns vielgelesenen Autoren in exzellentem Deutsch über Unterschiede zischen dem im flämischen Antwerpen und dem in Amsterdam gesprochenen Niederländisch. Während de Moor zurückhaltend Differenzen in der Sprachmelodie ausmachte, fand Hertmans das Flämische sei sanfter, musikalischer, altmodischer.

Aufschlussreich waren auch die komplexen Publikationsmodalitäten, von denen der in Brüssel lebende Flame Hertmans berichtete. In der belgischen Hauptstadt wird bekanntlich französisch und niederländisch gesprochen. Der Hausverlag Hertmans befindet sich jedoch in Amsterdam, wo seine Bücher auf Niederländisch erscheinen. Will er allerdings seiner literaturbegeisterten Nachbarin eines seiner Bücher schenken, muss er erst auf die französischsprachige Publikation warten, diese kommt aus Paris.

Um Bücher ging es auch im leider allenfalls zur Hälfte gefüllten Theaters. In Margriet de Moors "Der Maler und das Mädchen" von 2011 und Stefan Hertmans aktuellem Roman "Die Fremde" werden jeweils historische Stoffe ausgebreitet. De Moor führt zurück in das Amsterdam Rembrandts, Hermans gar ins 11. Jahrhundert. Sein Roman über eine unmögliche Liebe, Gewalt, Religionsspannungen und Flüchtlingselend ist dabei erstaunlich aktuell. "Das ist eintausend Jahre her, und das ist jetzt", sagte der Autor.

Eine Woche, 80 Lesungen und Diskussionen

Das Literaturfestival präsentiert bis zum kommenden Sonntag insgesamt 80 Lesungen und Diskussionen – unter anderem mit Katharina Hacker, Gregor Gysi und David Wagner. "Das, was wir präsentieren, kann herausfordern und anstrengen", sagte der Vorsitzende des Landesverbands Berlin-Brandenburg, Killian Kissling, gestern zur Eröffnung. Die Lektüre von Büchern sei eine "Einladung zur differenzierten Wahrnehmung". Ein schöner, herausfordernder Auftakt dazu wurde gestern gemacht. Zum kompletten Programm geht es hier.

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